Gerade die leichte Bedienung hat Zoom populär gemacht.

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Wäre der Coronavirus-Ausbruch 2011 erfolgt, würde jeder auf Skype zurückgreifen. Doch die Pandemie hat stattdessen Videochatdiensten wie Zoom, aber auch Services wie Discord einen massiven Popularitätsschub beschert.

Egal ob Videokonferenzen im Homeoffice, virtuelle Treffen mit Freunden oder Yogastunden via App: Skype ist längst nicht mehr die erste Wahl. Stattdessen erlebt Zoom einen Boom. Dabei nutzten, wie "The Verge" berichtet, 2011 noch 100 Millionen Menschen Microsofts Dienst, er hat sogar einen Eintrag im Oxford-Englischwörterbuch. 8,5 Milliarden Dollar zahlte das Unternehmen damals für Skype.

Peer to Peer

Das Problem, das sich bald ergab: Skype setzte auf Peer-to-Peer-Technologie, was gerade bei mobilen Verbindungen eher ineffizient ist. Und zeitgleich mit Microsofts Kauf stiegen Dienste wie Whatsapp, das chinesische Wechat und Co auf – die ebenfalls Videotelefonie ermöglichten und somit Microsoft die Stirn boten. Dabei waren sie eher für das Smartphone optimiert. Microsoft migrierte zwar nach und nach auf an der Cloud hängende Server, jedoch dauerte das Jahre. Und unterdessen war der Dienst gerade im Vergleich zu der Konkurrenz sehr unzuverlässig, vor allem auf mobilen Geräten, die den Desktop in den 2010ern nach und nach ablösten.

Dazu kamen wechselnde Positionen zu der künftigen Strategie: So startete Microsoft erst eine Skype-Version für Businesskunden, entschied sich aber 2016 dazu, mit Microsoft Teams einen eigenen Messenger für Unternehmen zu kreieren. Auch erhielt die App immer wieder Redesigns. Und heute ist Skype aufgrund der großen Verluste in den Nutzerzahlen nicht mehr im Fokus: Teams soll künftig auch reguläre Endkunden mehr ansprechen. Microsoft will sie davon überzeugen, dass man mit der App einen guten Weg finden kann, in Gruppenchats zu kommunizieren, Videokonferenzen zu führen, To-do-Listen zu erstellen und beispielsweise Veranstaltungen zu planen.

Keine Angaben zu Zoom-Userzahlen

Wie viele aktive Nutzer Skype hat, weiß man nicht, da Microsoft die Zahlen seit Jahren nicht mehr regelmäßig bekanntgibt. 2015 waren es 300 Millionen, während eines Pressebriefings hieß es, dass 200 Millionen Menschen den Dienst nutzen würden – allerdings basiert das auf der Verwendung innerhalb von sechs Monaten. Während der Pandemie nutzen 40 Millionen Menschen Skype, demnach dürften es davor 23 Millionen gewesen sein, rechnet "The Verge" vor. Wie viele Nutzer Zoom hat, ist unklar, das Unternehmen teilt die Zahlen nicht mit – aber geschätzt werden rund 13 Millionen User, bevor die Zahlen aufgrund der Pandemie explodiert sind.

Warum Zoom so beliebt ist

Besonders populär ist Zoom wohl, weil es so leicht zu nutzen ist – es braucht keine Registrierung, ein einfacher Link oder Code reicht. Doch der Dienst ist mit seiner steigenden Beliebtheit auch vermehrt in Kritik geraten: So hatte das Unternehmen bestimmte Datensätze ohne Benachrichtigung der User an Facebook versandt. Das wurde später unterbunden, auch erweiterte man die Nutzungsbedingungen um den Zusatz, dass persönliche Daten nicht verkauft würden. Weiters ist das Phänomen des "Zoombombings" entstanden, bei dem Unbekannte in laufende Videochats "einbrechen", um Chaos zu stiften.

Kritik an fehlendem Datenschutz

Auch deswegen steht die App im Verdacht, keine ausreichenden Schutzvorkehrungen gegen Hackerangriffe getroffen zu haben. Die Generalstaatsanwältin des US-Bundesstaats New York, Letitia James, leitete eine Untersuchung zum Datenschutz bei dem kalifornischen Unternehmen ein, wie ein Behördensprecher mitteilte. Zuvor hatten sich Zoom-Nutzer bei der US-Bundespolizei FBI darüber beschwert, dass während Videoschaltungen über die Plattform plötzlich pornografische Inhalte und Hassbotschaften auf den Bildschirmen aufgetaucht seien. Nach Angaben des FBI-Büros in Boston wurde auch Online-Schulunterricht über Zoom durch derartige Inhalte gestört. (red, 1.4.2020)