Mit insgesamt 250 Millionen Dollar sollen Gastgeber für kostenlose Stornos entschädigt werden.

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Die globale Reisetätigkeit ist fast völlig zum Erliegen gekommen, und damit auch weitestgehend die Umsätze der Online-Plattform Airbnb. Dazu kommt, dass das US-Unternehmen in einer ersten Reaktion auf die Krise seine Regeln änderte und für Reisende kostenlose Stornos ermöglichte – was zahlreiche Vermieter ("Hosts") erzürnte. Sie fielen damit auch um die Stornogebühren um, die in vielen Fällen zu zahlen gewesen wären.

Airbnb-Chef Brian Chesky entschuldigte sich später per Videobotschaft dafür, dass die Gastgeber vor dieser Entscheidung nicht konsultiert wurden, und kündigte einen 250 Millionen Dollar schweren Entschädigungs-Fonds für Vermieter an. Darüber hinaus müsse man heuer 800 Millionen Dollar einsparen, deshalb wurden beispielsweise schon sämtliche Marketingaktivitäten eingestellt.

Hoffen auf Erholung

Das Unternehmen, das in der Finanzkrise 2008 gegründet worden war und heuer an die Börse gehen wollte, gibt nun Durchhalteparolen aus: Die Reisebranche habe sich bisher nach weltweiten Krisen immer wieder erholt. Beobachter denken aber, dass sich zumindest viele kleinere Anbieter von der Plattform verabschieden dürften. Anfragen des STANDARD an Airbnb über konkrete Auswirkungen in Österreich blieben bisher leider unbeantwortet, es gibt aber Meldungen aus europäischen Städten (etwa Dublin), dass nun wieder mehr Mietwohnungen auf den regulären Markt kommen. Denn wenn sich mit Urlaubern nichts mehr verdienen lässt, braucht man Alternativen.

Dies und der erwähnte Vertrauensbruch bei den Stornos dürfte auch nach Meinung von Hotelmarktexperte Martin Schaffer (MRP hotels) dazu führen, dass sich "viele Hosts nach Alternativen umsehen werden", also möglicherweise ihre Immobilie auf mehreren Websites gleichzeitig anbieten werden. Oder eben wieder – zumindest für eine bestimmte Zeit – längerfristig vermieten.

Möblierung als Hindernis

Dabei stellt sich dann aber die Frage: Wohin mit den Möbeln? Wohnungen für Touristen sind üblicherweise möbliert, Langzeit-Mieter hingegen bringen meist ihre eigenen Möbel mit. Für Schaffer scheint deshalb "zunächst eine komplette Rückgabe auf den Wohnungsmarkt fragwürdig." Wenn der finanzielle Druck aber zu groß werde, die Kurzzeitgäste für zu lange Zeit ausbleiben, "besteht eine realistische Chance, dass er auf alternative, langfristige Vermietungen auf dem Wohnungsmarkt zurückgreift." Man darf gespannt sein. (mapu, 2.4.2020)