Cash rules everything around them.

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Ausgerechnet die meist millionenschweren Kicker in der Premier League, der reichsten Fußballliga der Welt, und ihre oft ähnlich gut bezahlten Trainer tun sich in dieser Sache schwer. Erst am Mittwoch scheiterten die Gespräche zwischen den Vertretern der Premier League und der drei nachfolgenden Staffeln auf der einen sowie Spieler- und Trainergewerkschaft auf der anderen Seite erneut. Die Debatte solle "in den nächsten 48 Stunden" weiterlaufen, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Doch sie hat auf der Insel längst an Fahrt aufgenommen, der politische Druck auf die Profis wächst. Vor allem, seit Tottenham Hotspur und Norwich City dem Beispiel von Newcastle United gefolgt sind und für ihre einfachen Angestellten über das der Kurzarbeit ähnliche "Furlough"-Programm öffentliche Gelder abschöpfen.

Gefälle

"Da würgt es mich im Halse", sagte Julian Knight der "Times", "das legt die verrückten wirtschaftlichen Gegebenheiten im englischen Fußball und das moralische Vakuum in seiner Mitte offen." Der Konservative sitzt dem Parlamentskomitee für Digitales, Kultur, Medien und Sport vor, seine Stimme hat Gewicht.

Ebenso wie jene von Sadiq Khan, dem Bürgermeister von London. "Hochbezahlte Fußballer könnten die schwerste Last tragen", sagte er der BBC. "Sie sollten die Ersten sein, die das tun – und, bei allem Respekt, ihr Gehalt opfern. Nicht die Leute, die das Stadionheft verkaufen oder das Catering machen." Doch genau die trifft es etwa in Newcastle, Norwich und bei den Spurs.

Tottenham-Boss Daniel Levy appellierte bei der Verkündung der harten Maßnahme an die Stars und Teammanager. Er hoffe, schrieb er, dass die Gespräche mit der Liga "darin münden, dass die Spieler und Trainer ihren Teil beitragen", also ebenfalls auf Geld verzichten.

Die Macht des Fernsehens

Das empfanden manche als Hohn: Levy war im vergangenen Jahr mit stolzen acht Millionen Euro der bestbezahlte Boss im englischen Fußball, die Spurs wiesen einen Gewinn vor Steuern von fast 200 Millionen aus. Klubbesitzer Joe Lewis ist fünf Milliarden Euro schwer, Newcastle-Eigner Mike Ashley immerhin 2,3.

Dem ein oder anderen schwant offensichtlich, dass es zu einfach ist, Spieler an den Pranger zu stellen, deren Karriere mit Mitte 30 vorbei ist. Vor allem das fast verzweifelte Bemühen, die Saison irgendwie zu Ende zu spielen, um damit die horrenden TV-Zahlungen zu sichern, kommt manchen zynisch vor. Das US-Portal "The Athletic" zitierte einen anonymen Klubchef, der dies "beschämend" findet, ein anderer meinte: "Dass Leute an den Beatmungsmaschinen sterben und wir spielen dennoch Fußball, mich verwirrt das."

Es geht doch

Als erster Klub ging der AFC Bournemouth voran. Vorstandschef Neill Blake und Trainer Eddie Howe verzichten auf einen "signifikanten" Teil ihres Gehalts. Norwich folgte: Coach Daniel Farke, die Spieler und Bosse geben über 220.000 Euro ab.

Gordon Taylor, Chef der 4.000 Mitglieder starken Spielergewerkschaft PFA, gibt sich weiter unnachgiebig. Die Debatte über Gehaltsverzicht sei "lächerlich", solange die Klubs weiter millionenschwere Transfers planten, sagte er. (sid, red, 2.4.2020)