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Die Idee ist naheliegend: Wer sich als Teil der Corona-Risikogruppe das Einkaufen in den Filialen ersparen und damit Menschen aus dem Weg gehen will, bestellt die Lebensmittel online. So kann etwa das Enkelkind, auch wenn es nicht in der Nähe der Oma wohnt, für diese den Einkauf zusammenstellen und vor die Haustüre liefern lassen. Wenn da nicht ein Problem wäre: Diese Idee haben viele. Zu viele. Denn klickt man sich durch die Online-Service-Seiten der großen Lebensmittelhändler Spar und Billa, folgt bereits seit Wochen rasch die Ernüchterung: Es sind kaum Liefertermine verfügbar.

Spar

Der STANDARD hat etwa Dienstagmittag, am 31. März, für alle 23 Wiener Bezirke einen Spar-Liefertermin gesucht. In gerade einmal fünf Bezirken war noch einer zu finden, nämlich für 6. April. Ansonsten waren alle Lieferfenster bis 25. April ausgebucht, dem letzten freigeschalteten Termin. Ähnlich sah es in den folgenden Wochen aus. Man muss also Geduld haben und andererseits schnell sein: Denn eine Stunde später waren Termine bereits wieder weg, vereinzelt neue dafür da. Am Donnerstag darauf (14:40 Uhr) stand überhaupt in keinem einzigen Wiener Bezirk mehr ein freier Termin zur Verfügung. Laut einer Spar-Sprecherin wird sich an dieser Problematik auch nicht so schnell ändern, denn: "Bei den Online-Bestellungen haben wir unsere Kapazitätsgrenzen erreicht"

Alles da – bis auf Liefertermine.
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Dies habe auch logistische Gründe. Und um diese zu verstehen, muss man wissen, wie eine Online-Bestellung in Wien abläuft: In zwei Filialen, im Donauzentrum (22.) und in Vösendorf in der Shopping City Süd (SCS), ist Personal abgestellt, das sich um die digitalen Einkäufe kümmert. "Personal Shopper" sozusagen, denn sie gehen für die Besteller in der eigenen Filiale einkaufen. Ist dies erledigt, geben sie die Waren an die Logistik weiter, die diese in kleinen Lastern zustellt. Täglich würden über 2000 Bestellungen in den verfügbaren Liefergebieten Wien und Salzburg (plus jeweils Umgebung) abgewickelt, so die Sprecherin, ein starker Anstieg zur Zeit vor Corona.

Zwar habe Spar daher mehr "Personal Shopper" eingestellt, aber "mehr als jetzt geht nicht", so die Sprecherin. "Wir können nicht plötzlich hundert Personal Shopper einstellen, denn im Supermarkt gehen ja auch noch andere Leute einkaufen". Zudem stecke ein System dahinter, das in der jetzigen Ausnahmesituation organisatorisch nicht so einfach ausbaufähig sei. Deshalb sei auch nicht möglich, mehr als jene zwei Filialen dafür zu wappnen, Online-Bestellungen für Wien/Umgebung abzuwickeln. Das Fazit lautet: "Wir haben so gut wie möglich erweitert. Aber mehr geht nicht unterm Strich. Wir können online nicht mehr leisten". Die Sprecherin betont, dass dies ausschließlich den Online-Handel betreffe und dies nichts mit dem stationären Handel zu tun habe. An digitalen Bestellungen interessierten Kunden empfiehlt sie jedenfalls, regelmäßig auf der Website vorbeizuschauen. Denn immer wieder würden Termine storniert und damit kurzfristig freie Fenster aufpoppen.

Billa

Beim Billa sah es etwas anders aus. Beim Mitglied der Rewe-Gruppe kann man maximal elf Tage im Voraus bestellen. In der Suchmaske reicht aber nicht nur die Bezirksangabe, sondern muss die genaue Adresse eingegeben werden. Beim Test am 31.März wurde eine zufällige Adresse des jeweiligen Bezirks eingegeben. Das Ergebnis: Der 9. und 10. April bot in jedem Distrikt noch freie Lieferfenster an. Was daran liegt, dass neue Lieferfenster um Mitternacht zentral für ganz Wien freigeschaltet werden. Heißt also: Nicht jeder Bezirk hat ein bestimmtes Kontingent pro Lieferfenster, sondern ganz Wien teilt sich dieses. Denn die Auslieferung für den Großraum Wien sowie den Osten Österreichs erfolgt zentral über das Food Fulfillment Center in Inzersdorf, in den Bundesländern wird aus ausgewählten Filialen ausgeliefert.

In der Nacht sind die Geschäfte zu, online bestellen kann man immer.
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Österreichweit werden täglich Bestellungen im "niedrigen, vierstelligen Bereich" abgearbeitet, heißt es von der Rewe-Pressestelle. Genaue Zahlen seien schwer zu nennen, weil die Anzahl von verschiedenen Faktoren abhänge, unter anderem von der Menge, welche die Kunden pro Einkauf bestellen. Aktuell gebe es jedenfalls eine zwölffach höhere Nachfrage nach Lebensmittelzustellungen als vor der Coronakrise. Um diese zu bändigen, seien Mitarbeiter, Zusteller und deren Fahrzeuge aufgestockt sowie die Lieferfenster in den Randzeiten erweitert worden. Weil aufgrund der verschärften Hygienevorschriften das Zahlen mit Bankomatkarte eingestellt wurde, ist seit Ende März neben der Kreditkarte auch der Kauf auf Rechnung möglich. Letztlich helfe aber auch bei Billa nur, regelmäßig sein Glück auf der Website zu versuchen. Und schnell zu sein. (Andreas Gstaltmeyr, 15.4.2020)