Trump will aus der Defensive.

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Mehr als ein Jahr lang hat Donald Trump nichts Dramatisches getan, um die Verhältnisse in Venezuela zu ändern. Zwar hat er Sanktionen verhängt, zwar hat er den Oppositionsführer Juan Guaidó als Übergangspräsidenten anerkannt und damit signalisiert, dass er eine Normalisierung unter dem Machthaber Nicolás Maduro de facto ausschließt. Doch im Grunde war die Causa Maduro kein großes Thema im Weißen Haus. Trump konzentrierte sich auf den Konflikt mit dem Iran, während der Konflikt mit Venezuela eher auf Sparflamme köchelte. Dass er ausgerechnet jetzt den Druck massiv verstärkt, muss die Frage aufwerfen, ob es sich um ein Ablenkungsmanöver handelt.

Je mehr Amerikaner dem Coronavirus zum Opfer fallen, umso deutlicher wird, wie fahrlässig ihr Präsident handelte, als er die Epidemie wochenlang mit flotten Sprüchen verharmloste. Schon jetzt fordern die Demokraten eine Untersuchungskommission, die Versäumnissen auf den Grund gehen soll, so wie nach den 9/11-Anschlägen Geheimdienstpannen unter die Lupe genommen wurden. Man liegt wohl nicht falsch in der Annahme, dass Trump in dieser Lage einen Nebenschauplatz in den Fokus zu rücken versucht, um selbst aus der Defensive zu kommen.

Klage gegen den Autokraten

Folglich nehmen Kriegsschiffe Kurs auf die venezolanische Küste. Folglich schlägt Außenminister Mike Pompeo eine Regelung vor, von der man weiß, dass Maduro ihr kaum zustimmen wird: Ein Übergangsrat, dem weder der Diktator noch sein Rivale Guaidó angehören, soll bis zu freien Wahlen die Geschäfte führen. Schließlich klagt das Justizministerium in Washington den Autokraten in Caracas an, weil er die USA mit Kokain überschwemme.

Nun darf man wohl davon ausgehen, dass auch die venezolanische Regierung in den internationalen Drogenhandel verwickelt ist. Doch so zu tun, als sei Maduro dessen Schlüsselakteur, lässt eindeutig politische Absichten erkennen. Nach dem zu urteilen, was amerikanische Fahnder über die Routen der Schleuser wissen, ist Venezuela gewiss nicht die Drehscheibe des Drogenschmuggels. (Frank Herrmann, 2.4.2020)