Der Erwerb von Luxusgütern hat verständlicherweise derzeit für viele Menschen keine Priorität.

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Wien – Nach teurer Kleidung, hübschem Klunker und kostspieligen Parfums steht den Konsumenten derzeit aus gutem Grund nicht der Sinn. Im Luxusbereich wird der Gürtel heuer kräftig enger geschnallt. Davon geht die internationale Berater-Gruppe Boston Consulting (BCG) aus.

Die weltweiten Verkäufe im Bereich Fashion & Luxury werden laut einer aktuellen BCG-Analyse 2020 gegenüber 2019 im Schnitt um gut ein Drittel einbrechen, das entspricht einem Wert von bis zu 600 Milliarden Dollar. Hierzulande dürfte der Rückgang mit einem Minus von 40 Prozent noch herber ausfallen. In den Monaten März bis Mai rechnet BCG mit einem Minus von bis zu 85 Prozent.

E-Commerce

Betroffen sind laut BCG-Experte Felix Krüger Multi-Brand-Retailer genauso wie Markenhersteller mit eigenen Geschäften. Besonders stark getroffen werden seiner Einschätzung nach Unternehmen, die keinen oder nur einen geringen E-Commerce-Anteil aufweisen, sowie weniger Flexibilität in der Wareneinsteuerung haben – also Warenbestellungen nicht so einfach stornieren und dann auch wieder nachordern können, wenn die Geschäfte wieder öffnen.

Mit einem Wiederaufleben der Konsumlust rechnet das Beraterhaus nicht so schnell: Bis September geht man von einem Rückgang zwischen 30 und 40 Prozent aus. Aufzuholen sei das Minus bis Jahresende nicht. Das Niveau der Verkaufszahlen wird demnach immer noch zehn bis 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Das entspricht einem Verlust von bis zu 3,5 Milliarden Euro für Österreichs Mode- und Luxusindustrie.

Schleppende Erholung

Während China sich nach Einschätzung von BCG vergleichsweise rasch erholen wird – und bis zum Jahresende ein Minus von fünf bis zehn Prozent zu schlucken hat, gehört Spanien zu jenen Ländern, wo die Erholung besonders schleppend verläuft. Spanien wird mit 15 bis 20 Prozent Rückgang rechnen müssen. Hier war der Schock durch den Shutdown besonders groß mit 95 Prozent Ausfällen. Auch Österreich zählt zu jenen Märkten, die sich langsamer erholen und nachhaltig unter dem Vorjahresniveau bleiben werden.

Das betrifft allerdings nicht nur das Luxussegment. Top-Manager aus der Modebranche erwarten für 2020 einen Umsatzrückgang von 20 bis 25 Prozent was in etwa 270 bis 340 Milliarden Euro entspricht.

Ausschlaggebend laut Krüger ist unter anderem die geografische Nähe zu Ländern mit hohen Infektionszahlen. Die Erfahrung aus China zeige, dass es nötig war, Geschäfte über zwei Monate zu schließen. In Europa und speziell auch Österreich werde dies wohl ähnlich sein – mit entsprechenden Folgen auf Bruttoinlandsprodukt und Arbeitslosenrate. In Zeiten wie diesen werden Ausgaben, die für das alltägliche Leben nicht notwendig sind, gekappt.(Regina Bruckner, 3.4.2020)