Social-Distancing während der Coronavirus-Pandemie lässt die Nutzerzahlen vom Videochatservice Zoom explodieren

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Der Videochatdienst Zoom zieht dank seiner explosionsartigen Beliebtheit während der Corona-Krise einiges an Aufmerksamkeit auf sich. Einerseits wegen grober, datenschutzrechtlicher Bedenken und andererseits wegen Internettrollen, die in Chaträume platzen, um Teilnehmer zu verstören. Um gegen die sogenannten "Zoombomber", die sich in Internetforen zunehmend besser organisieren, vorzugehen, stellt Zoom ab 5. April die Grundeinstellungen für Chaträume um. Passwörter und virtuelle Warteräume sollen nun Standard sein.

Zuvor kaum geschützt

Ursprünglich war es relativ einfach, einer Videokonferenz auf Zoom beizutreten. Mit einem Einladungslink, der sich durch eine 9-stellige Identifikationsnummer auszeichnet, konnten Teilnehmer, ohne weitere Hürden, zu Meetings eingeladen werden. Diese laschen Grundeinstellungen wurden bereits mehrfach von böswilligen Internettrollen ausgenützt, die Identifikationsnummern errieten und in Chaträume "einbrachen", um dort Chaos zu stiften.

Wer seinen Chatraum besser schützen wollte, konnte bisher einen virtuellen Warteraum einstellen, in welchem beitretende Teilnehmer vorab vom Veranstalter der Konferenz autorisiert werden mussten. Auch konnte man den Zugang zum Videochat zusätzlich mit einem Passwort schützen. Diese Einstellungen waren bisher jedoch optional, laut einer E-Mail von Zoom, sollen sie ab 5. April als Standard für alle Nutzer festgelegt werden.

Zögerliche Maßnahmen

Diese Ausweitung der Sicherheitsvorkehrungen ist jedoch bereits der zweite Anlauf. Nach den ersten Angriffen von "Zoombombern", die Online-Unterrichtsstunden für Kinder oder eine Selbsthilfegruppe für Alkoholiker mit pornografischen Inhalten bombardierten, hieß es in einer Entschuldigung von Zoom, man wolle die Sicherheit verbessern. Angekündigt wurden jedoch nur kleine Veränderungen. Diese beinhalteten, dass die Screensharing-Option, die Zoombombern das Teilen von verstörendem Bildmaterial ermöglichte, künftig nur für Administratoren zugänglich gemacht wurden. Auch sollte nur der Zugang zu Chaträumen, die für den Unterricht von Kindern verwendet wurden, automatisch mit einem Passwort gesichert werden.

Laut Techcrunch lege der Grund für die zögerlichen Maßnahmen darin, dass es sich bei Zoom, vor dem Boom während der Corona-Krise, in erster Linie um einen Dienst für Unternehmen handelte, und nicht für die breite Masse und private Gruppen gedacht war. Man befürchte daher, dass die beliebte Einfachheit durch die Einführung von weiteren Zugangsbeschränkungen verloren ginge. Virtuelle Warteräume könnten Veranstalter während einer Konferenz ablenken, weil sie nun Teilnehmer manuell hinzufügen müssen und die Suche nach Passwörtern könnte zu Verspätungen führen. (hsu, 4.4.2020)