Als der Kapitän am vergangenen Freitag sein Schiff verließ, jubelten ihm hunderte Mitglieder seiner Besatzung zu. "Cap-tain Cro-zier" ist auf den millionenfach aufgerufenen Twitter-Videos zu sehen und zu hören. Brett Crozier drehte sich im Hafen von Guam um und winkte der Crew der USS Theodore Roosevelt ein letztes Mal zu.

Brett Crozier wurde als Kommandant eines US-Flugzeugträgers gefeuert.

Foto: U.S. Navy / Jordan Kirk Johnson / Handout via REUTERS

Tags zuvor hatte ihn die US Navy als den Oberkommandanten des Flugzeugträgers entlassen. Denn Crozier hatte sich per Brief an die Militärführung gewandt: Corona greife um sich, und die Crew solle dringend das riesige Schiff verlassen dürfen, das kaum Möglichkeiten zum Social Distancing biete. Erst am Wochenende wurde bekannt, dass er beim Verlassen des Schiffs bereits selbst leichte Covid-19-Symptome aufwies.

Hollywood könnte es dramatischer nicht schreiben. Die Saga um den unbequemen Crozier wird so für viele in den USA zum passenden Ventil für ihren Unmut über einen inkompetenten Umgang mit der Pandemie. Crozier ist ihr Captain, der sich zum Schutz seiner Crew gegen "die da oben" aufbäumt und die eigene Karriere riskiert.

"Wir sind nicht im Krieg. Seeleute müssen nicht sterben"

Geboren wurde der heute 50-Jährige im kalifornischen Santa Rosa. Mit 22 graduierte er an der U.S. Naval Academy und begann seine Karriere als Marinepilot. Es folgte ein Master am Naval War College. 2014 beendete er eine Zusatzausbildung an der Nuclear Power School in South Carolina. Im Laufe seiner Karriere war er an wichtigen US-Operationen, etwa im Irakkrieg 2003, beteiligt. Bevor er die Theodore Roosevelt übernahm, war Crozier in Japan stationiert.

In seinem vierseitigen Brief schrieb Crozier: "Wir sind nicht im Krieg. Seeleute müssen nicht sterben. Wenn wir jetzt nicht handeln, verpassen wir es, uns um unser am meisten geschätztes Gut zu kümmern – unsere Seeleute."

Der Grund für seine Entlassung sei nicht der Inhalt, sagte Navy-Chef Thomas Modly, sondern die Tatsache, dass Crozier mit dem Brief an 20 bis 30 Leute die Befehlskette umgangen habe – und die Medien davon erfuhren. Donald Trump stieß bei einer Pressekonferenz nach: "Es schaut schrecklich aus, was er getan hat." Angeblich war es der Präsident selbst, der auf eine Entlassung drängte.

Für den Kapitän, der wohl einen Admiralsrang angestrebt hat, bedeutet dies ein abruptes Karriereende. Für seine 4.800 Mann starke Besatzung aber ist er der Held, nach dem man sich in Krisenzeiten sehnt. 155 von ihnen wurden bisher positiv getestet – so wie Crozier selbst. (Anna Sawerthal, 6.4.2020)