Die "alternativen" Medien neigen dazu, sich Fakten zurecht zu biegen und Themen zu vermischen.

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Auf sogenannten alternativen Nachrichtenseiten im deutschsprachigen Internet sind in der Corona-Krise laut einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Universität Münster zumindest von Jahresbeginn bis 22. März vermehrt Verschwörungstheorien statt falscher Nachrichten verbreitet worden. Kommunikationswissenschafter der Uni untersuchten für diesen Zeitraum insgesamt 120.000 Postings bei Facebook.

Wenig frei Erfundenes, viel Vermischung

15.000 davon stammten von alternativen Nachrichtenseiten, die sich als kritische Gegenstimme zu klassischen Medienangeboten verstehen. "Unsere Analyse zeigt, dass es, anders als Politiker, Journalisten und die Öffentlichkeit vermuten, kein nennenswertes Maß an frei erfundenen Nachrichten gibt. Vielmehr hat sich gezeigt, dass sich die Alternativmedien während der Corona-Krise gerne die Faktenlage zurechtbiegen und Gerüchte sowie einzelne Verschwörungstheorien verbreiten", sagte Professor Thorsten Quandt über das Studien-Ergebnis.

Diese Medien vermischen laut Quandt in ihren Veröffentlichungen das Leugnen des Klimawandels, die Migrantenkrise, Weltuntergangstheorien und das Coronavirus. Fake News, also verifizierbare Falschnachrichten, würden die Menschen in der Regel gut erkennen. Bei den Gerüchten – Quandt nennt das "Gemurmel" – sei das deutlich schwieriger und damit im Ergebnis gefährlicher. (APA, 07.04.2020)