Antikörper gegen Sars-CoV-2 sind im Blut nachweisbar. Sie schützen auch vor zukünftigen Infektionen und sind somit auf individueller Ebene der optimale Status.

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Habe ich eine Corona-Infektion hinter mir? Diese Frage stellen sich viele, die in den letzten Wochen krank waren und wieder genesen sind. Im Spätwinter sind eine ganze Reihe von Krankheitserregern im Umlauf, eine Influenza kann ähnliche Symptome wie eine Infektion mit Sars-CoV-2 auslösen. Bislang konnte die Infektion nur im aktiven Krankheitszustand durch einen PCR-Test nachgewiesen werden. Ist die Infektion vorbei, findet sich die RNA des Virus auch nicht mehr im Rachenabstrich. "Dann hat der Patient Antikörper gegen das Coronavirus im Blut", sagt Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Leiterin des Zentrums für Virologie der Med-Uni Wien.

Seit dem Bekanntwerden des Sars-CoV-2-Virus haben Virologen mit Hochdruck daran gearbeitet, Sars-CoV-2 durch neu entwickelte Reagenzien und Verfahren nachweisbar zu machen, auch an der Med-Uni testet man gerade, wie aussagekräftig verschiedene neu entwickelte Antikörpertests sind. Die Idee: mit einer Blutprobe herausfinden, ob jemand schon immun gegen Sars-CoV-2 ist. Denn dann kann er sich – erstens – nicht mehr selbst anstecken und – zweitens – andere auch nicht mehr infizieren.

Freibrief für uneingeschränkten Kontakt

Ein positiver Antikörpertest wäre insofern eine Art Freibrief, sich ungeschützt bewegen zu können. Für medizinisches Personal etwa oder Menschen, die mit Risikogruppen zu tun haben, wäre dieses Wissen in der derzeitigen Phase der Pandemie extrem wichtig, vor allem dann, wenn die Ausgangsbeschränkungen wieder gelockert werden. In der Folge ist die Kenntnis des eigenen Antikörperstatus für jeden eine gute Sache: Wer Antikörper im Blut hat, kann etwa auch Oma und Opa wiedersehen.

Wovor Virologin Puchhammer-Stöckl jedoch warnt, sind bereits existierende Corona-Antikörpertests, die bis letzte Woche im Internet und sogar in Apotheken verkauft wurden. "Sie sind unseriös und viel zu wenig spezifisch", betont die Virologin. Warum? Sie sind von den Herstellern nicht ausreichend geprüft. Überdies gibt es viele unterschiedliche Coronaviren. Einige von ihnen sind schon immer in Umlauf, sorgen für Erkältungserkrankungen. Die unseriösen Antikörpertests zeigen unter Umständen auch den Immunstatus gegen diese Viren an, sind also nicht ausreichend spezifisch.

Gefährlicher als andere

Doch das aktuelle Coronavirus ist wesentlich tückischer als seine verwandten Vorgänger, etwa indem es lebensgefährliche Lungenentzündungen auslöst. "Deshalb ist für die Eindämmung der derzeitigen Pandemie entscheidend, dass die Tests genau jene Antikörper nachweisen, die spezifisch gegen Sars-CoV-2 gerichtet sind", so Puchhammer-Stöckl.

Die größte Gefahr wären tatsächlich falsch-positive Testergebnisse. Also Menschen, die denken, sie hätten gegen Sars-CoV-2 Antikörper – und deshalb ungeschützt und gefahrlos mit jedem Menschen Kontakt haben. Ein Arzt oder eine Pflegekraft etwa könnte mit dem falschen Wissen, gegen Sars-CoV-2 immun zu sein, viele andere, mitunter auch die Risikogruppen, anstecken. Die Corona-Pandemie würde dadurch wieder neu aufflammen. Dieser Gefahr ist sich auch die Apothekerkammer bewusst: "Wir haben Apotheken angewiesen, solche Corona-Schnelltests weder durchzuführen noch zu verkaufen", sagt Susanne Ergott-Badawi, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer.

Neue Generation

Die Corona-Antikörpertests, die Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) angekündigt hat, gehören allerdings jener neuen Generation an, der die Virologen eine Genauigkeit von 98 Prozent attestieren. "Sie werden neben vielen anderen Maßnahmen ein Baustein im Management der Corona-Pandemie für die kommenden Wochen und Monaten sein", bestätigt Puchhammer-Stöckl. Laut Anschober soll es sie noch im April geben. Einziges Problem: "Die ganze Welt will derzeit diese Antikörpertests", gibt die Virologin zu bedenken und vermutet, dass es so wie in vielen anderen Bereichen zu massiven Lieferengpässen bei diesen Antikörpertests kommen könnte. Sie werden so wie die PCR-Tests in Labors durchgeführt. Das Ergebnis von Antikörpertests ist abgesehen von der Logistik bei Massentestungen theoretisch in einer Stunde fertig.

Deshalb wird es auch wiederum eine Zeit dauern, bis der Immunstatus von vielen Menschen damit ermittelt werden kann, vermutet die Virologin. Den neuesten Erkenntnissen zufolge verläuft eine Infektion mit Sars-CoV-2 bei eher jüngeren Menschen manchmal auch ganz oder fast ohne Symptome.

Die österreichische Covid-19-Studie wird genau über diese Dunkelziffer Auskunft geben, die Ergebnisse werden am Donnerstag präsentiert. Je höher die Dunkelziffer, umso wichtiger werden Antikörpertestungen für eine langfristige Eindämmung der Corona-Pandemie sein. Zumindest bis eine Impfung kommt. Denn wer geimpft sein wird, wird dann ebenfalls Antikörper im Blut haben. (Karin Pollack, 8.4.2020)