Beim Start der Apollo 13 konnte noch niemand ahnen, auf welche Weise die Mission Geschichte schreiben würde.
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Auch im Scheitern kann der Keim des Ruhms angelegt sein: Das hat die längst mit Legendenstatus versehene Mission Apollo 13 der NASA gezeigt, die sich nun zum 50. Mal jährt. Ihr eigentliches Ziel, den Mond, hat sie nie erreicht. Und doch hat sie heute einen ähnlichen Status wie die Mission Apollo 11, die 1969 tatsächlich die ersten Menschen auf den Erdtrabanten gebracht hatte. Apollo 13 indes ging als Symbol dafür in die Geschichte ein, dass man sich selbst aus einer vermeintlich aussichtslosen Lage durch Beharrlichkeit und Improvisationsgeschick noch retten kann.

Am 11. April 1970 startete eine Saturn-V-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral, um mit Jim Lovell, Fred Haise und Jack Swigert die dritte Astronautencrew zum Mond zu bringen. Knapp 56 Stunden nach dem Start kam es jedoch zu einer Explosion in einem Sauerstofftank im Servicemodul des Apollo-Raumschiffs. Und Swigert übermittelte den Satz "Okay Houston, we’ve had a problem here" zur Erde, der seitdem – leicht abgewandelt – zum geflügelten Wort geworden ist. Erst mit einiger Verzögerung dämmerte den Astronauten, dass ihnen durch den Defekt im Tank bald der Sauerstoffvorrat – und damit auch Strom und Wasser – ausgehen würde.

Momentaufnahme vom 15. April 1970: fieberhafte Aktivität im NASA-Kontrollzentrum.
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Es folgte das komplizierteste Rettungsmanöver der Raumfahrtgeschichte, das dennoch in Windeseile berechnet werden musste. Es beinhaltete unter anderem, das Raumschiff zu einem Swingby-Manöver um den Mond zu führen, um es rechtzeitig auf den richtigen Kurs zur Erde zurückzubringen. Zudem war bastlerisches Improvisationsgeschick gefragt, das selbst MacGyver Respekt abgerungen hätte.

Dieser liebevoll "Mailbox" getaufte Klapperatismus fungierte als provisorischer Kohlendioxidfilter. Konstruiert wurde er aus Schläuchen, Klebebändern und allem möglichen sonstigen Material, das sich an Bord der Kapsel auftreiben ließ.
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Der damalige NASA-Flugdirektor Gene Kranz hat die Ereignisse in seinem Buch mit dem bezeichnenden Titel "Failure Is Not an Option" festgehalten. Ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben sie sich durch den Hollywood-Film "Apollo 13" mit Tom Hanks, Bill Paxton und Kevin Bacon, der 1995 in die Kinos kam. Deren reale Vorbilder landeten am 17. April stark geschwächt, aber wohlbehalten mit ihrer Kapsel im Pazifik.

Das Leben nach der NASA

Trotz Happy-Ends sah das Mondfahrtprogramm der NASA damals bereits langsam dem Niedergang entgegen. Vier weitere Apollo-Missionen brachten in den Jahren 1971 und 1972 noch Menschen auf den Mond, doch die Öffentlichkeit verlor immer mehr das Interesse daran. Nach Apollo 17 wurde das Programm eingestellt, Lovell und Swigert verließen noch 1973 die NASA. Nur Haise blieb bis Ende der 70er Jahre bei der Weltraumbehörde und arbeitete am Aufbau des Spaceshuttle-Programms mit.

Jack Swigert zog es nach seiner Astronautenkarriere in die Politik. 1982 wurde er als Abgeordneter ins US-Repräsentantenhaus gewählt, starb jedoch noch im selben Jahr im Alter von 51 Jahren an Krebs. Jim Lovell (heute 92) und Fred Haise (86) sind noch am Leben: Haise war bis zu seiner Pensionierung bei der Grumman Aerospace Corporation beschäftigt, während Lovell im Management verschiedener Unternehmen arbeitete und im Ruhestand für einige Jahre ein Feinschmeckerrestaurant betrieb. Zusammen mit dem Journalisten Jeffrey Kluger schrieb er außerdem das Buch, das zur Vorlage für den Film "Apollo 13" wurde, der der Mission ein Denkmal setzte.

Die Crew der Apollo 13: Fred Haise, Jack Swigert und Jim Lovell (von links nach rechts).
Foto: AP/NASA

Nachdem die eigentlich gescheiterte Mission in der Rettung der drei Astronauten ein neues und wichtigeres Ziel gefunden und dieses auch erreicht hatte, hätte sie heuer zum 50. Jubiläum eigentlich gebührend gefeiert werden sollen. Dem hat allerdings das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da die USA von der Pandemie schwer getroffen wurden, hat die NASA erklärt, dass es keine öffentlichen Gedenkveranstaltungen geben werde. Stattdessen hat sie eine "Apollo 13"-Website eingerichtet, auf der jede Menge Fotos, Videos und Audiodokumente zur Mission abgerufen werden können.

Das wäre ein eher glanzloser Schlusspunkt, weshalb NASA-Chef Jim Bridenstine anlässlich der Absage noch einmal ausdrücklich die Zukunftspläne der Behörde betont hat: "Vor 50 Jahren war unser Ziel, unsere tapfere Crew zu retten, nachdem wir sie um den Mond herum geschickt hatten, und sie sicher zurück zur Erde zu bringen. Jetzt ist unser Ziel, zum Mond zurückzukehren, um dort auf nachhaltige Art und Weise zu bleiben." (jdo, 11. 4. 2020)