Derzeit nur am Boden zu finden: Boeings 737 Max.

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Kein Flugzeug hat der Firma Boeing jemals auch nur ansatzweise so viele negative Schlagzeilen wie die 737 Max eingebracht. Nach dem Absturz von zwei Maschinen waren grobe Softwareprobleme und nicht minder schwere Versäumnisse im Umgang mit internen Warnungen vor ebendiesen Defiziten publik geworden. Das Ergebnis: Bis heute ist die gesamte 737-Max-Flotte am Boden.

Wann die Flugzeuge wieder an den Start gehen sollen, ist dabei derzeit noch unklar. Erst vor kurzem waren wieder zwei neue Softwareprobleme publik geworden, die eine Genehmigung durch die Luftfahrtbehörden weiter verzögern. In einem aktuellen Bericht liefert nun "The Verge" einen Hinweis darauf, warum sich die Bereinigungen so hinziehen.

Hardwareschwächen

Wie sich herausstellt, ist die Boeing 737 Max mit grob veralteter Hardware ausgestattet. Während das Flugzeug bei vielen Komponenten, etwa den in Kooperation mit der Nasa entwickelten Winglets, sehr modern ist, kommen für die Flugsysteme zwei "Uraltcomputer" auf dem Rechenniveau einer alten Nintendo-Konsole zum Einsatz. Und das ist keine Dramatisierung, wird doch laut dem Bericht der gleiche 16-Bit-Prozessor verwendet, der Anfang der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts auch in Super-Nintendo-Konsolen zu finden war.

Überlegungen

Dass Boeing bei einem doch relativ neuen Flugzeug zu so alter Hardware greift, hat an sich durchaus verständliche Gründe. Die Steuerungssysteme hatten sich in anderen Flugzeugmodellen wie der 737 Next Generation bewährt. Problematisch wurde es aber dadurch, dass Boeing die alte Hardware bei der 737 Max mit neuen Funktionen kombinierte – die nun in Software entwickelt werden mussten. Wobei "müssen" hier eigentlich der falsche Begriff ist, haben doch frühere Berichte bereits aufgezeigt, dass Boeing diesen Weg sehr bewusst beschritten hat, da die US-Luftfahrtbehörde FAA Software üblicherweise einer weniger strengen Prüfung unterzieht und man so schneller eine Genehmigung bekam.

Konsequenzen

Eine Entscheidung, die sich als fatal herausstellen sollte. Genau eines dieser schlussendlich in Software implementierten Systeme, das für die automatische Neigungsanspassung zuständige "Maneuvering Characteristics Augmentation System" (MCAS), war dann nämlich für die Abstürze verantwortlich. Es aktivierte sich zum Teil von selbst und führte dazu, dass die Piloten sehr schnell die Kontrolle über das Flugzeug verloren, wenn sie nicht innerhalb weniger Sekunden richtig reagierten.

Der einstige Zeitvorteil durch Implementation in Software hat sich natürlich längst in sein Gegenteil verwandelt. Jede Anpassung muss nun ausführlich getestet werden. An einen Tausch der Hardware denkt Boeing aber trotzdem nicht, man wolle sich auf die Software konzentrieren. Auch die FAA scheint dieser Herangehensweise zuzustimmen, wohl auch mit dem Blick darauf, das eigene, durch die laschen Tests der 737 Max beschädigte Ansehen durch ein neues Prozedere wieder zu verbessern. (red, 14.4.2020)