Derzeit werden weltweit Konjunkturpakete geschnürt und Stützungsmaßnahmen für Arbeitnehmer und Unternehmen gesetzt. Ökonomen halten dies auch durch die Bank grundsätzlich für richtig – gilt es doch, eine anhaltende Depression wie jene in den 1930er-Jahren zu verhindern.

Doch die Politik hat auch einen Preis: Die ohnehin schon arg strapazierten Staatsfinanzen werden massiv belastet. Mit dem Thema befasst sich gerade ein neuer Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) anlässlich der (virtuellen) Frühjahrstagung, die von der Einrichtung gemeinsam mit ihrer Schwesterorganisation, der Weltbank, abgehalten wird. Die vom Fonds zusammengetragenen Zahlen sind ebenso imposant wie beängstigend.

Die internationale Staatengemeinschaft macht für die direkte Krisenbekämpfung in Form zusätzlicher Ausgaben und Steuerausfällen 3,3 Billionen Dollar locker, dazu kommen 4,5 Billionen Dollar an Krediten, Garantien und Kapitalspritzen für angeschlagene Betriebe. Diese knapp acht Billionen hinterlassen tiefe Spuren in den öffentlichen Haushalten, wie im Bericht des IWF namens "Fiscal Monitor" nachzulesen ist, der am Mittwoch in Washington veröffentlicht wurde.

USA, Japan und Australien geben am meisten aus

Das betrifft vor allem die Industriestaaten, die nach der Finanzkrise trotz anziehender Konjunktur auf Pump lebten. Ihr Verschuldung wird sich heuer im Vorjahresvergleich um 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 96,4 Prozent erhöhen. Von den G20-Ländern haben in Summe Deutschland und Italien am meisten Hilfen für Wirtschaft mobilisiert, so der IWF.

In beiden Ländern liegt der Umfang der Rettungspaket bei etwas mehr als 30 Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung. Allerdings: In beiden Ländern besteht ein großer Teil der Unterstützung aus Garantien und Haftungen. Hier ist es noch unklar, in welchem Umfang sie schlagend werden. Zieht man nur direkte Ausgaben wie Förderungen und Steuersenkungen heran, dann haben Australien, Japan und die USA am meisten Ressourcen in der Krise mobilisiert.

Das wirkt sich auch bei den Defiziten kräftig aus, insbesondere in den USA, wo die Neuverschuldung schon in den vergangenen Jahren bei über fünf Prozent lag. Heuer wird das Loch in Donald Trumps Budget auf 15 Prozent der Wirtschaftsleistung anwachsen, schätzen die IWF-Volkswirte. Zum Vergleich: Das Minus der Eurozone fällt halb so hoch aus. Diese Entwicklung wird die Schuldenlast der USA massiv erhöhen.

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Der Fonds rechnet mit einem Anstieg von 109 auf 131 Prozent des BIP. Auch hier übertrifft die Dollar-Nation den Euroraum deutlich, der unter 100 Prozent bleiben soll, obwohl die Verschuldung Italiens auf 155 Prozent klettern wird. Ein Ausreißer nach oben ist auch Griechenland, wo die Verschuldung von rund 180 auf gut 200 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen soll.

Anstieg auch in Österreich

Für Österreich erwartet der IWF heuer ein Defizit von knapp über sieben Prozent. Die Verschuldung soll demnach von knapp über 70 auf fast 85 Prozent des BIP anschwellen. Im internationalen Vergleich ist das noch moderat.

Doch was bedeutet diese Entwicklung. Stellt sie angesichts Nullzinsen und schier unbegrenzter Liquidität der Notenbanken überhaupt ein Problem dar?

Der IWF thematisiert davon wenig. Mit einem Anstieg der Inflation rechnen die Experten des Währungsfonds in nächster Zeit jedenfalls nicht, dafür ist die aktuelle Konjunkturdelle zu stark. Mit einer Pleitewelle unter den Industrieländern ebenfalls nicht: Für ein Fünftel der Staatsschulden liegen die Zinsen immer noch unter null. Diese Staaten verschulden sich also außerordentlich günstig.

In Ländern wie den USA, Japan und Deutschland, die von Investoren als sichere Häfen wahrgenommen werden, weil die Volkswirtschaften hier so gewaltig sind, rechnet der IWF sogar mit einem weiteren Rückgang der Zinsen. Sprich: In naher Zukunft ortet der Fonds für diese Länder ebenfalls kein Problem durch die zusätzlichen Schulden. Nicht alle Ökonomen sehen es freilich so entspannt.

"Das Schuldenmachen jetzt ist der einfachere Teil", sagt der Ökonom Lukas Sustala von der wirtschaftsliberalen Agenda Austria. Das Hochfahren der Wirtschaft ist der schwierige Teil, der auch langsam gehen und mit Rückschlägen verbunden sein könnte. "Aus staatlicher Sicht muss auf die Effizienz der Rettungsmaßnahmen geachtet werden, weil wir nicht wissen, wie lange wir noch durchhalten müssen".

Düsterer Ausblick

Während er für die Industrieländer optimistischer ist, ist der Ausblick des IWF für die Schwellenänder düsterer. Das gilt besonders für jene, die hohe Defizite haben und auch 2020 stark von Investorenkrediten abhängig sind, also viel neues Geld bauchen. Hier nennt der IWF etwa Brasilien, die Ukraine, die Türkei, aber auch Ungarn und Rumänien. Auch für viele Entwicklungsländer wird es ein Problem, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Finanzielle Schwierigkeiten kommen auch auf ölexportierende Länder wie Saudi-Arabien zu. Sie müssen deutlich mehr Geld ausgeben, damit die Wirtschaft nicht kollabiert. Zugleich brechen diesen Ländern Einnahmen weg, weil der Ölpreis gesunken ist. (Andreas Schnauder, András Szigetvari, 15.4.2020)