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Für viele seiner Fans ist er sowieso der Maßstab. Zumindest was Rockmusik betrifft. Bruce Springsteen, ehrfürchtig "Boss" gerufen, arbeitet dieser Reputation seit den 1970er-Jahren zu. Sein hemdsärmeliger Blue-Collar-Rock gilt vielen als Synonym für die Sicht aufs Leben der einfachen Leute. Es ist die Perspektive jener Amerikaner, die in Jeans, karierten Hemden und zu großen Autos dem amerikanischen Traum nachhängen, ans Land der unbegrenzten Möglichkeiten glauben wollen – trotz allem, was die Realität ihnen an Hürden in den Weg legt. Bruce hat für sie und ihre Leben einen Song parat. Oder zwei.

Breitere Kühlschränke

Nun wurde Springsteen erneut in den Rang des Maßstabs gehoben. Das offizielle New Jersey hat in einem Tweet seine Bewohner aufgefordert, jeweils einen Springsteen Abstand zwischen sich und ihren Nächsten einzuhalten. Und zwar einen umgelegten, nicht einen aufrechten Springsteen. Dabei unterschreitet ein Springsteen die ansonsten empfohlene Distanz von rund zwei Metern beträchtlich, der Boss soll ohne Cowboystiefel gerade einssiebenundsiebzig messen. Da ist manch ein US-amerikanischer Singlehaushaltskühlschrank breiter, doch darum geht es natürlich nicht.

Das vom Coronavirus stark betroffene New Jersey sucht in dieser Krise Halt an seinen Helden, und ein solcher ist der 70-jährige Musiker.

Der US-Bundesstaat ist seine Heimat und nur einen Tunnel oder eine Brücke von New York City entfernt. Als solche ist sie von der Pandemie stark betroffen, rund 70.000 bestätigte Fälle weist der Garden State aktuell auf, Tendenz steigend, wie fast überall in den USA.

Benefizkonzert

Springsteen reagierte pragmatisch. Er packt an, wie man es von ihm erwartet, und ist dabei, ein Benefizkonzert für New Jersey und seine Bewohner zu organisieren. Das hat er in einer Videobotschaft bekanntgegeben. Neben ihm sollen etwa Bon Jovi (58), Tony Bennett (93) oder die Sängerin SZA (29) auftreten. Stattfinden soll das Ganze natürlich unter den herrschenden Schutzbestimmungen, immerhin gehört der 1949 Geborne jener Altersgruppe an, die als am meisten gefährdet gilt.

Ob das neue Maß die Zeit der Corona-Krise überlebt – was weiß man? Die Amerikaner halten seltsamen Maßeinheiten wie dem Fuß (Foot – 30,48 cm) oder dem Schritt (Yard – 0,9144 m) bis heute die Treue, zum Leidwesen der Anhänger des metrischen Systems. Einen dürfte sie aber der Wunsch, dass Bruce, der Boss, Corona überdauert. (Karl Fluch, 16.4.2020)