Umstrittene Pilgerstätte für "Into the Wild"-Fans: der alte Schulbus, wo der Aussteiger Christopher McCandless schließlich verhungerte.

Foto: AP/Jillian Rogers

Anchorage – Der Wunsch nach Einsamkeit oder schlicht Nervenkitzel: Immer wieder machen sich Menschen in die Wildnis Alaskas auf, um auf den Spuren Christopher McCandless' zu wandeln. Dessen tragisches Schicksal wurde durch das Buch und den Film "Into the Wild" bekannt und berühmt. Vor allem der Ort, wo der Aussteiger McCandless 1992 verhungert ist, wird von zahlreichen Touristen gerne aufgesucht – ein alter Schulbus. Der verlassene und verrostete Bus ist zu einer Art Schrein für Fans des Buches von Jon Krakauer und des darauf basierenden Films von 2007 geworden.

Immer wieder Todesfälle

Dabei schätzen die selbsternannten Abenteurer die Gefahren der Wildnis Alaskas immer wieder falsch ein und begeben sich in Lebensgefahr. Im Februar mussten fünf italienische Touristen, einer mit erfrorenen Füßen, gerettet werden. Letzten Sommer starb eine Frau aus Weißrussland, nachdem sie bei ihrer Rückkehr von dem Bus vom Teklanika-Fluss mitgerissen worden war. Im Jahr 2010 starb bei einem ähnlichen Vorfall auch eine Frau aus der Schweiz im Fluss.

Am vergangenen Donnerstag, 16. April, mussten die Alaska State Troopers wieder ausrücken. Dieses Mal war es ein brasilianischer Tourist, Gabriel Dias Da Silva, der sich bei seinem "Into the Wild"-Trip übernommen hatte. Nachdem ihm die Lebensmittel ausgegangen waren, setzte er am Mittwoch ein Notsignal ab und wurde von den Troopern per Hubschrauber aus der Wildnis geholt. Er konnte den Fluss nicht mehr überqueren, weil zuvor die Eisschmelze eingesetzt hatte. Weil Da Silva vermutlich nicht der letzte Leichtsinnige bleiben wird, wird immer wieder dafür plädiert, den Bus zu bergen und wegzubringen. Bisher ohne Erfolg. (Reuters, max, 17.4.2020)