Laut Gesundheitsminister Jens Spahn ist aktuell Geduld angebracht.

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Deutschland muss noch länger auf eine Handy-App zur Überwachung von Infektionen in der Coronavirus-Pandemie warten. Aus heutiger Sicht "sind es eher vier Wochen als zwei Wochen", bis eine funktionsfähige App zur Verfügung stehe, die alle Anforderungen erfülle, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Freitag. Ursprünglich sollte eine solche Anwendung bereits Mitte April veröffentlicht werden. Sie gilt als ein wesentliches Mittel, um Infektionsketten zu unterbinden und damit die Ausbreitung des Coronavirus unter Kontrolle zu halten. Spahn verwies auf die hohen Anforderungen an Datensicherheit und -schutz sowie den epidemiologischen Nutzen.

Beschleunigen dürfte den Prozess, dass sich die Bundesregierung laut Insidern nun hinter eine App stellt. Es handele sich um eine Entwicklung des Heinrich-Hertz-Instituts am Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut, sagten die Insider Reuters. "Es gibt eine interne Verständigung auf die von der PEPP-PT favorisierte Lösung." Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar forderte im "Handelsblatt", nun zügig den Quellcode der App zu veröffentlichen, damit aus technischer Sicht Transparenz und Vertrauen geschaffen werden können.

PEPP-PT findet Anklang

Unterdessen findet die Plattform PEPP-PT weiteren Anklang. Mitgründer Chris Boos sagte Reuters, inzwischen hätten sich neben Deutschland auch Österreich, Frankreich, Italien, Malta, Spanien und die Schweiz verpflichtet, den PEPP-PT-Bausatz bei der Entwicklung ihrer Apps zu verwenden. "Damit hätten wir schon mehrere hundert Millionen Anwender. Zudem haben mehr als 40 Länder weltweit ihr Interesse bekundet, mit PEPP-PT zusammenzuarbeiten", sagte Boos, der auch dem Digitalrat der Bundesregierung angehört.

Während in Deutschland noch diverse Tests laufen, ist das von der Coronakrise besonders stark betroffene Italien einen Schritt weiter. Das Mailänder Tech-Startup Bending Spoons hat auf Basis der Bluetooth-Technik eine App entwickelt, die dabei helfen soll, Menschen über eine mögliche Infektion zu informieren. "Wir arbeiten daran, eine Kontakt-Tracing-App in einigen Regionen Italiens zu testen", sagte der Sonderbeauftragte der Regierung, Domenico Arcuri, dem staatlichen Sender RAI. Ziel sei es, die Anwendung letztlich landesweit zur Verfügung zu stellen: "Sie wird ein Eckpfeiler unserer Strategie sein, um die Zeit nach dem Notstand zu handhaben."

Bending Spoons gehört der Initiative PEPP-PT an, der sich mehr als 200 Wissenschaftler und IT-Experten angeschlossen haben. Sie bietet ein Softwaregerüst an, an dem nationale Anwendungen andocken können. Dabei integrieren App-Entwickler die Technologie, bei der mittels Bluetooth-Technik Handys von Personen ermittelt werden, mit denen ein Infizierter Kontakt hatte. Dies soll ermöglichen, dass die Apps auch länderübergreifend miteinander kommunizieren können. (Reuters, 17.4.2020)