Die Verordnung des Gesundheitsministeriums verbarg quasi eine Verführung. Stadion Pasching, Montag, 9.45 Uhr, die Szenerie irritierte: Rund 40 Personen (Journalisten, Kamerateams, Techniker) hatten sich auf dem Parkplatz versammelt. Sie, allesamt Maskenträger, wurden ins Stadion geleitet. Tabellenführer LASK war es vorbehalten, als erster österreichischer Fußballklub das Kleingruppentraining aufzunehmen – vor einer vereinsfremden Interessentenschar.

An der Seitenlinie sprachen Trainer Valerien Ismael, Spieler, Funktionäre, allen voran Präsident Siegmund Gruber, in Mikrofone. In Zeiten von Corona ist so ein Massenauflauf trotz Mindestabstands fragwürdig, möglicherweise handelt sich der LASK eine Verwaltungsstrafe ein. Ismael sagte: "Wir sind froh, nach fünfeinhalb Wochen wieder unserer Arbeit nachgehen zu können. Das ist alles eine Umstellung. Die Jungs sind so weit fit, ich habe keinen Übergewichtigen gesehen."

Die Kicker des LASK und Trainer Valerien Ismael haben damit begonnen, sich gruppenweise wieder an den Fußball zu gewöhnen.
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Der Linzer Kader wurde auf Corona getestet, laut Gruber waren Stürmer Joao Klauss und Co-Trainer Andreas Wieland am Freitag "leicht positiv", am Samstag und Sonntag jedoch negativ. "Stand jetzt sind wir alle nicht infektiös." Vizepräsident Jürgen Werner hat trotzdem "moralische und ethische Bedenken". Der Plan, Mitte Mai mit Geisterspielen zu beginnen, dürfte kaum realisierbar sein.

Die Regierung schreibt für das Kleingruppentraining keine verpflichtenden Tests vor. Es heißt in der Verordnung, dass "in Kleingruppen von maximal sechs Kaderspielern mit gleichbleibender personeller Zusammensetzung" geübt werden darf. "Zwischen Kaderspielern und Betreuern ist ein Abstand von mindestens zwei Metern einzuhalten. Dabei ist darauf zu achten, dass Einheiten, sofern möglich, nicht in geschlossenen Räumlichkeiten erfolgen."

Quarantäne

Die Klubs handhaben die Tests unterschiedlich. Die Austria ließ am Montag von allen Abstriche nehmen, Rapid verzichtet darauf, schließlich sei man ja in Quarantäne gewesen. Marco Angeler, der Athletik-Trainer der Austria, sagte dem STANDARD: "Es ist ein Training auf Glatteis, viel Fragen sind offen. Es geht auch um Hoffnung. Die Spieler dürfen den Ball endlich auf dem Fuß haben. Fußballfitness kann man nur durch Fußballspielen entwickeln."

Praktisch alle Vereine werden in Sechsergruppen üben, die personelle Zusammensetzung ist Geschmacksache. Angeler: "Es geht um taktische Überlegungen. Es macht Sinn, wenn die Viererkette mit zwei defensiven Mittelfeldspielern arbeitet." Der LASK mischte komplett durch, je zwei Verteidiger (oder ein Tormann), zwei Mittelfeldspieler und zwei Stürmer bildeten ein Sextett.

Saubere Wäsche für die Autofahrt

Rapid wird am Dienstag starten. Die vermutlich fünf Sechsergruppen werden sich nicht zu nahe kommen. Jede hat einen eigenen Umkleideraum, das Allianz-Stadion hat keinen Mangel an großflächigen Kabinen. Dort herrscht Maskenpflicht, in geschlossenen Räumen müssen pro Mann 20 Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen. Geduscht wird daheim, die Spieler bekommen saubere Wäsche für die Autofahrt. Auf dem Platz werden nur Cheftrainer Didi Kühbauer und Tormann-Coach Jürgen Macho zwischen den Gruppen lustwandeln. Mit einer Distanz von zwei Metern.

Jesse Marsch von Red Bull Salzburg geht es vorerst gar nicht so sehr um Inhalte. "Wir werden viel mit Passformen und Torabschluss machen. Die Jungs sind einfach sehr glücklich, dass sie wieder zusammen Zeit verbringen können." Die Liga wird in dieser Woche fleißig per Video konferieren, es wurden ja Arbeitsgruppen eingesetzt. Am Freitag will Vorstand Christian Ebenbauer Neuigkeiten preisgeben. Es sind viele Frage offen. Wann kann mit dem Mannschaftstraining, Körperkontakt inklusive, begonnen werden? Sind Tests dann obligatorisch, oder reichen Stichproben? Was passiert bei einem positiven Fall?

Offener Brief

Ungemach droht aus den eigenen Reihen. Die Verordnung gilt ja nur für die zwölf Oberhausklubs und Cupfinalist Austria Lustenau. Das Spielerpräsidium der zweiten Liga, bestehend aus Martin Grasegger, Thomas Reifeltshammer und Alexander Joppich, hat sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz, Sportminister Werner Kogler, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Ebenbauer gewandt. "Wir kritisieren den Umgang der Regierungsverantwortlichen mit den Profis unserer Liga und fordern die Bundesliga auf, diese Ungleichbehandlung nicht zu akzeptieren und kommentarlos hinzunehmen." Fußball findet – falls überhaupt – auf Glatteis statt. (Christian Hackl, 20.4.2020)