Amazon will die gewerkschaftliche Organisierung bei Whole Foods mit allen Mitteln verhindern.

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Amazon und die Gewerkschaften pflegen weltweit ein äußerst angespanntes Verhältnis. Am deutlichsten kommt die Herangehensweise des Online-Händlers aber in den USA zum Ausdruck. Dort unternimmt das Unternehmen vieles, um jegliche Form der Organisierung seiner Mitarbeiter zu verhindern. Wie weit man dabei mittlerweile geht, zeigt nun ein aktueller Bericht von "Business Insider".

Analyse

Amazon erstellt für jeden seiner Lebensmittelläden der Whole-Foods-Kette eine Risikoanalyse – und zwar in Bezug auf die "Gefahr" einer gewerkschaftlichen Organisierung. In eine Heatmap fließen dabei angeblich rund zwei Dutzend unterschiedliche Faktoren ein, die eingeteilt sind in die Kategorien "externe Risiken", "Risiken im Laden" und "Stimmung der Mitarbeiter".

Den größten Einfluss auf die Einschätzung sollen dabei die "externen Risiken" haben. Darunter fallen etwa die physische Nähe eines Gewerkschaftslokals zu einer Whole-Foods-Filiale oder die Zahl von Arbeitsdisputen, bei denen die Gewerkschaft involviert war. Aber auch den Anteil an Familien, die an einem Standort unter die Armutsgrenze fallen, bezieht Amazon ein.

Diversität als Faktor

Noch problematischer wird es dann bei den "Risiken im Laden". Neben den Einkünften und Umsätzen fällt darunter nämlich auch ein "Diversitätsindex". Das Unternehmen analysiert also die ethnische Zuordnung seiner Mitarbeiter. Dabei geht man davon aus, dass eine höhere Diversität das "Risiko" einer gewerkschaftlichen Organisierung reduziert.

In einer Stellungnahme geht Amazon nicht näher auf diesen Bericht ein, macht aber klar, dass man von gewerkschaftlicher Organisierung wenig hält. Man erkenne zwar prinzipiell das Recht der eigenen Mitarbeiter an, über eine solche zu bestimmen, gleichzeitig sei man aber der Meinung, dass ein "direktes Verhältnis zwischen Whole Foods und seinen Mitarbeitern" die bessere Wahl sei. Und dies würden auch die meisten der eigenen Angestellten so sehen.

Vorgeschichte

Amazon führt seit Jahren offene Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften. So gibt es etwa in Deutschland regelmäßig Proteste gegen die Arbeitsbedingungen bei dem Online-Händler. Erst vor wenigen Wochen machte das Unternehmen erneut entsprechende Schlagzeilen. So wurde ein Mitarbeiter, der zuvor öffentlich die mangelhaften Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus in den Verteilzentren angeprangert hatte, kurzerhand rausgeworfen. "Vice" wurden anschließend interne Dokumente zugespielt, die zeigen, dass Amazon-Manager eine gezielte Verleumdungskampagne gegen den betreffenden Mitarbeiter initiiert haben, um ihn als dumm darzustellen. Das Ziel: andere Angestellte von gewerkschaftlicher Organisierung abzuhalten. (apo, 21.4.2020)