Der Abschied vom Coronavirus dürfte noch dauern, aber in die Klassenzimmer soll ab Mitte Mai wieder Bewegung kommen

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Informationen darüber, wann die mehr als eine Million Schülerinnen und Schüler wieder zurück in die Klassenzimmer sollen, gab es von der Regierung bisher nur stückerlweise. Am Dienstag wurde bei einer Pressekonferenz dann ein ganzer Brocken fallen gelassen, nämlich: Ab 15. Mai soll mit der Wiederaufnahme des Unterrichts begonnen werden – "schrittweise", versteht sich. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) will noch diese Woche einen Fahrplan für das weitere Schuljahr präsentieren – am Ende wurde es der Freitag. Zuvor soll noch verkündet werden, wie es mit der Abhaltung von Gottesdiensten in Hinkunft gehalten wird. Gleich vorweg: Mit Unterricht wie aus Vor-Corona-Zeiten bekannt wird Lernen bis auf weiteres wenig gemein haben.

Den Anfang machen bekanntlich die über 40.000 Maturantinnen und Maturanten, die mehr als 30.000 Berufsschüler und die Absolventinnen und Absolventen des Polytechnikums. Sie sollen ab 4. Mai zurück an die Schulen, um sich in den folgenden drei Wochen auf jene Gegenstände zu konzentrieren, in denen sie zur schriftlichen Prüfung antreten. Der Rest der Schülerinnen und Schüler soll ab Mitte Mai nach und nach folgen, jedenfalls dann, wenn die Infektionszahlen einer solchen Lockerung keinen Strich durch die Rechnung machen. Begonnen wird mit jenen, die vor dem Sprung in weiterführende Schulen stehen. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) will hier auch zu den europäischen Nachbarn schielen – etwa Dänemark, das ja mit der teilweisen Wiederaufnahme des Unterrichts bereits Mitte April vorangegangen ist. Der ÖVP-Chef erklärte dazu, es handle sich seiner Ansicht nach um einen "Bereich, wo man besonders behutsam vorgehen muss".

Abschlussklassen als Vorbild

Dem Bildungsminister gilt bei der schrittweisen Rückkehr an die Schulen der einmal mit den Abschlussklassen eingeschlagene Weg als Vorbild. Das heißt: weniger Kinder pro Klasse, Masken auf dem Weg zum Sitzplatz sowie andere Hygienemaßnahmen. Im Ministerium hat man ein eigenes Handbuch erarbeitet – mit konkreten Anweisungen für das Verhalten bei den Maturaprüfungen, im ungewohnt neuen Schulalltag, im Kindergarten und auch an den Unis.

Eine Checkliste zur Vorgangsweise bei der Matura und anderen Prüfungen liegt dem STANDARD vor. Darin heißt es unter anderem: "Die Kandidatinnen und Kandidaten müssen gestaffelt, in dem von der Schule im Vorfeld verlautbarten Zeitfenster an die Schule kommen, sich die Hände waschen und sich unmittelbar in den bekannt gegebenen Prüfungsraum begeben." Vor dem Eintritt in die Schule herrscht Maskenpflicht – entweder selbst mitgebracht oder von der Schule bereitgestellt. Wer einmal seinen Sitzplatz erreicht hat, darf die Maske dann wieder abnehmen, weil der notwendige Sicherheitsabstand sowieso durch die Anordnung der Tische gegeben sein muss. Apropos: "Nach jeder Prüfung sind die Tischflächen zu reinigen und zu desinfizieren." Dass Mittel zur Handdesinfektion in jedem Prüfungsraum zur Verfügung stehen müssen, kommt da wenig überraschend. Doch selbst das Lüften ist in Corona-Zeiten zu einer Tätigkeit geworden, die einer Regelung unterliegt: "mindestens einmal stündlich für die Dauer von fünf Minuten" – "wenn möglich Querlüftung".

Erster Antritt im Herbst für Risikomaturanten

Wer maturieren will, aber zur Covid-19-Risikogruppe zählt, hat laut Ministerium übrigens zwei Optionen: entweder teilnehmen, aber in einem Extraraum, oder den ersten Antritt auf Herbst verschieben, wenn manch andere bereits im zweiten Anlauf ihr Glück versuchen. Das geht aber nur, wenn der- oder diejenige ein ärztliches Attest vorweist. Selbst an Schulabgänger in Quarantäne wurde gedacht. Für sie gelten dieselben Regeln wie für Schülerinnen und Schüler, die zur Risikogruppe zählen.

Ein entsprechender Erlass mit all diesen Informationen soll noch diese Woche an die Bildungsdirektionen ergehen, heißt es im Ministerium. Bei der AHS-Lehrergewerkschaft hatte man zuletzt darauf gedrängt, auch weil etwa die Frage der Beurteilung der Abschlussklassen noch nicht geregelt sei, obwohl die Schlusskonferenzen bereits diese Woche stattfinden sollten. Dass die Vorgaben durchaus detailliert ausfallen, zeigt auch folgende Passage der Checkliste: Weil Computermäuse desinfiziert werden müssen und dabei vielleicht defekt werden könnten, "sind ausreichend Ersatzmäuse beziehungsweise -tastaturen bereitzuhalten". (Karin Riss, 21.4.2020)