Im Moment ist es eine große Leistung, unsere tägliche Routine zu bestreiten - unsere beste Jogginghose anzuziehen, vor unserem Computer zu sitzen und entweder im Home Office oder auf Moodle unsere Arbeit zu machen. Zumindest will uns das Internet das glaubhaft machen, mit fast stündlichen Updates über Zoom-Meetings und die schier unendliche Flut an Kinderfotos in Instagram-Stories. 

Leider ist die Realität weit düsterer. Die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern auf Lesbos, Samos, Chois, Leros und Kos sind desaströs. Schlechte Hygienestandards und kaum funktionierende medizinische Versorgung, für die Freiwillige unermüdet arbeiten, sind der Alltag. Zwischen 36.000 und 42.000 Geflüchtete befinden sich momentan auf diesen Inseln. 

Kinder in einem Camp auf Lesbos, 2020.
Erik Marquardt

Vergessen ist einfach 

Die Welt hört nicht auf, sich zu drehen, nur weil wir nicht hinausgehen dürfen. Das, was vor unseren Türen ist, hört nicht auf zu existieren, wenn wir diese schließen. Deshalb müssen wir uns jetzt, mehr als je zuvor, bewusst werden, was in der Welt passiert. Wir müssen aufmerksam bleiben. Wir können nicht so tun, als würden alle anderen Probleme der Welt aufhören zu existieren. Wir müssen die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, verwenden, um uns zu informieren.  

Platformen nutzen 

Wenn man eine Plattform hat, kann man diese nutzen. Ungerechtigkeit muss nicht vom Rande des Spielfelds mitangesehen werden. Shahak Shapira sprach 2017 auf der TEDxVienna-Bühne über die Möglichkeiten von Internet-Protesten und wie man die breite Masse erreicht. Man braucht, sagt Shapira, nur ein Gegenüber, das bekämpft werden will: 
"Der Gegner kann alles sein: Er kann ein Verhalten sein, es kann eine Firma sein, es kann ein Regime sein," sagt er. In diesem Fall ist das Gegenüber nun einmal eine Kombination aus all diesen Dingen." 

Shapira beendet seinen Talk mit einer Aussage, die vielleicht jetzt noch aktueller ist als damals: Heutzutage kann man die ganze Welt erreichen, von zuhause aus, in der Unterwäsche. 

TEDx Talks

Den nächsten Schritt machen 

Eine Möglichkeit selbst von zu Hause aus aktiv zu werden sind Petitionen. Sie sind ein großartiges Mittel, um Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken. Organisationen wie #LeaveNoOneBehind arbeiten pausenlos daran Bewusstsein für die Situation in den griechischen Flüchtlingslagern, wie Camp Moria, in dem Anfang März der erste Fall von Covid-19 bestätigt wurde, zu schaffen.

Eine Gruppe von Kindern in einem Camp auf Lesbos, 2020
Foto: Erik Marquardt

Wachsam bleiben

Wir haben mit Erik Marquardt, grüner Europaparlamentsabgeordneter und einer der Initiatoren der Petition gesprochen. In einem Interview mit TEDxVienna beschreibt er die katastrophalen Zustände in Camp Moria. Tausende Menschen, die auf engsten Raum für Essen anstehen. Tausende Menschen, die weder sauberes Trinkwasser haben, noch die Möglichkeit zur Selbstisolation. Zustände, die schon vor einer Pandemie untragbar waren, gefährden jetzt das Leben von tausenden Schutzsuchenden. Wer im Moment nicht die Zeit oder Energie hat sich selbst zu engagieren, kann zumindest eines machen: wachsam bleiben.  Er erinnert uns daran, auch in Krisenzeiten, kritisch zu bleiben gegenüber den Handlungen der Entscheidungsträger: "In einer Demokratie zu leben, bedeutet nicht nur alle paar Jahre wählen zu gehen. Es bedeutet auch zu beobachten, was die Personen, die an der Macht sind, tun. Und ich denke, jeder von uns verdient eine Regierung, der Menschenrechte und Menschenleben nicht egal sind.” (Marie Krebs, Julia Unteregger 2.5.2020)

Marie Krebs studiert Anglistik an der Universität Wien und hat gerade ihre Leidenschaft fürs Theater entdeckt. In ihrer Freizeit schreibt sie für den TEDxVienna Blog und interviewt dafür gerne Hollywood Stars wie Chase Masterson.

Julia Unteregger schreibt gerade ihrer Masterarbeit über Soziolinguistik und leitet seit Sommer 2019 das Bloggerteam von TEDxVienna. Durch ihre psychosoziale Ausbildung beschäftigt sie sich viel mit psychischen Krankheiten und schreibt überwiegend darüber. 

Weitere Beiträge im Blog