Nicht mehr allein im Sand spielen, sondern mit Freunden im Kindergarten: Der Normalbetrieb wird schrittweise wiederaufgenommen.

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Bei den Kindergärten bleibt alles wie bisher, sie bleiben offen. So unkompliziert sich diese Aussage von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) vor wenigen Tagen anhörte, so unzufrieden ließ sie viele Eltern, Kindergartenpädagoginnen und -assistentinnen zurück. Denn die vergangenen Wochen zeigten, dass die Betreuungssituation alles andere als unkompliziert war. Viele Standorte waren geschlossen, weil kein Kind angemeldet war.

Das eigene Kind als einziges hinzuschicken war ebenso eine Hürde für viele wie die unterschiedliche Kommunikation zwischen den Kindergärten und Eltern. Manche Standorte erfragten aktiv den Bedarf, bei anderen mussten Eltern viel Eigeninitiative an den Tag legen, um den Stand der Dinge in ihrem Kindergarten zu erfahren.

Vonseiten der Politik schien alles klar: Wer für sein Kind den Kindergarten braucht, weil man dem Job nicht fernbleiben kann, kann es bringen, alle anderen sollten die Kinder zu Hause betreuen. Doch den STANDARD erreichten bis Freitag immer wieder Meldungen, dass Kinder abgewiesen werden – etwa in Niederösterreich.

Konkretere Vorgaben

"Das ist wie so oft bei Kindergärten, da stecken sehr viele Doppelbotschaften drinnen", sagt Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung, einer der privaten Kindergartenträgerorganisationen in Wien. Etwa dass "möglichst viele Kinder" daheim betreut werden sollen, dass der Kindergarten "insbesondere" für Eltern in systemrelevanten Berufen da sein soll. Jetzt, wo es an die Normalisierung des Betriebs gehen soll, wünscht sich Walter konkretere Vorgaben statt vage Leitlinien.

Der am Donnerstag veröffentlichte Stufenplan ist ein erster Schritt. Die Stadt Wien sieht vor, dass ab 4. Mai Einzelkinder, Kinder im letzten Kindergartenjahr, und jene im vorletzten Jahr mit erhöhtem Sprachförderbedarf die Einrichtungen wieder besuchen dürfen. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) empfahl am Freitag bei seiner Pressekonferenz zur Schulöffnung, alle Kinder, die Betreuung brauchen, auch aufzunehmen. Am Nachmittag folgte der Erlass aus dem Gesundheitsministerium, der genau das festlegte.

Dass der Bedarf steigt, zeigt sich in Wien seit Ostern: In der vergangenen Woche wurden 1200 Kinder betreut, für sie waren 79 Prozent der Wiener Standorte geöffnet. In den Wochen davor waren nur durchschnittlich 300 Kinder im Kindergarten, dementsprechend mehr Standorte waren auch geschlossen.

Verordnungen Ländersache

Wien betonte im Zuge des Öffnungsplans, dass nun alle Kinder berufstätiger Eltern – unabhängig davon, wo und wie deren Arbeit stattfindet – willkommen seien. Diese Klarheit war nicht immer gegeben. Für Konfusion hat die Liste der systemrelevanten Berufe gesorgt, die sich in den Verordnungen von Bundesland zu Bundesland unterscheidet.

Ebenso war der Umgang mit "familiären Belastungssituationen", die etwa für die Wiener Kindergärten als Grund für die Betreuung des Kindes galten, unterschiedlich. Die steirische Verordnung spricht wiederum die Gefährdung des Kindeswohls an. Wenn sie drohe, sei eine Betreuung zu gewährleisten.

Maximale Verwirrung also aufgrund unterschiedlicher Länderregelungen? Die Föderalismusexpertin Karoline Mitterer vom Zentrum für Verwaltungsforschung in Wien sagt, dass die Länderzuständigkeit für die Kindergärten Vorteil und Nachteil zugleich sei. Auf der einen Seite sei eine zielgenauere Steuerung möglich, da man die Gegebenheiten vor Ort kenne. "Andererseits kann es ein Nachteil sein, wenn Bundeslandgrenzen auch zu ideellen Grenzen werden", sagt Mitterer. Damit zeigt sich je nach Bundesland eine unterschiedliche Ausgestaltung der Öffnungszeiten in den Betreuungseinrichtungen.

Umgemünzt auf die Krise könnte das bedeuten, dass manche Bundesländer rascher wieder Betreuung ermöglichen als andere bzw. die Kriterien unterschiedlich auslegen.

In den nächsten Wochen soll jedenfalls wieder halbwegs Normalität einkehren, und Eltern und Pädagoginnen stellen sich die Frage, wie die nächsten Tage und Wochen konkret aussehen werden: Betreuerinnen mit Mundschutz? Trost für weinende Kinder mit einem Meter Abstand?

Betreuung in Kleingruppen

Die Hygieneempfehlungen der Stadt Wien lauten unter anderem: Mit Eltern nur auf Abstand kommunizieren, Kinder sollen sich nicht umarmen, und getröstet werden sollte nicht auf Gesichts-, sondern auf Brusthöhe. Ein Mund-Nasen-Schutz kann von Mitarbeiterinnen auf freiwilliger Basis verwendet werden. "Wenn eine Mitarbeiterin einen trägt, muss das mit den Kindern thematisiert werden", sagt Susanna Haas, pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung.

Ihrem Eindruck nach wollen die wenigsten mit Masken arbeiten. In den Empfehlungen der Stadt Wien heißt es auch: Der Wechsel zwischen Gruppen soll vermieden werden. Haas: "Wir formulieren diese Empfehlungen genauer, für unsere Mitarbeiterinnen gibt es konkrete Vorgaben."

Elmar Walter sagt, der Diskussionsspielraum müsse kleiner werden: "Vorgaben sind auch da, dass m an nicht alles neu interpretieren muss. Dass es immer Grauzonen geben wird, ist klar – aber ein bisschen mehr Klarheit würde uns schon helfen." (Beate Hausbichler, Rosa Winkler-Hermaden, 25.4.2020)