Im Gastkommentar repliziert der Flughafen-Wien-Vorstand Julian Jäger auf Susanne Heger (siehe "Die AUA – ein Corona-Patient mit Vorerkrankungen"). Die prekäre Lage der AUA sei kein Einzelschicksal, sondern coronabedingt.

Unberechtigte Vorwürfe werden dadurch nicht wahrer, dass man sie gebetsmühlenartig wiederholt. Das gilt auch für die im Gastkommentar von Rechtsanwältin Susanne Heger. Sie hat mit der Flughafen Wien AG einen jahrzehntelangen Rechtsstreit gegen die dritte Piste in allen Instanzen verloren und vertritt nun folgende Verschwörungstheorie: Der Flughafen sei schuld daran, dass die AUA nun Subventionen brauche, weil er durch Dumpingpreise Billigairlines angelockt habe, intransparente und gesetzeswidrige Rabattsysteme anwende und dadurch auch noch das Erreichen der österreichischen Klimaziele erschwere. So weit, so falsch.

Zunächst Grundsätzliches: Die gegenwärtig prekäre finanzielle Lage der AUA – die 2019 noch Gewinne eingeflogen hat – ist kein Einzelschicksal. Ob Air France-KLM, Lufthansa, United Airlines oder Alitalia – weltweit kämpfen Fluglinien um ihre Existenz, und das ist auch nicht weiter verwunderlich, da durch den coronabedingten Shutdown der Flugverkehr praktisch zum Erliegen gekommen ist.

Anreiz für Langstrecke

Die Incentives, also die diversen Rabatte, die der Flughafen Wien seinen Airline-Kunden gewährt, haben damit genau nichts zu tun, und sie richten sich auch nicht vornehmlich an Low-Cost-Carrier, sondern gelten für alle gleich. Wie im Wirtschaftsleben allgemein üblich bekommen besonders große oder auch strategisch wichtige Kunden – in unserem Falle etwa als Anreiz für neue Langstrecken-Destinationen – günstigere Konditionen. Deswegen ist es kein Wunder, dass nicht die Billigairlines – deren Anteil in Wien im internationalen Vergleich noch immer weit unterdurchschnittlich ist – die größten Preisnachlässe erhalten, sondern logischerweise unser Homecarrier Austrian mit fast 50 Prozent Marktanteil deren Hauptprofiteur ist. Dieses Anreizsystem ist auch nicht Gegenstand geheimen Gemauschels, sondern seine Kriterien sind für jedermann einsehbar auf unserer Homepage veröffentlicht. Mehr Transparenz geht eigentlich nicht mehr.

Die AUA ist Hauptprofiteur der Preisnachlässe am Flughafen Wien.
Foto: Reuters / Lisi Niesner

Ein weiterer alter Hut ist es, die Luftfahrt zum Brennpunkt klimaschädlicher Emissionen zu stilisieren. Der österreichische Flugverkehr trägt gerade einmal zwei Promille zu den heimischen CO2-Emissionen bei, international liegt dieser Wert bei rund 2,5 Prozent. Trotz der geringen Rolle, die wir hier spielen, sind wir uns unserer gemeinsamen Verantwortung für eine lebenswerte Umwelt wohl bewusst und arbeiten daher hart daran, unseren Teil zur Lösung beizutragen. Auch das Gebührensystem stellt darauf ab: So müssen für laute, alte Maschinen mit einem hohen Treibstoffverbrauch deutlich höhere Start- und Landegebühren bezahlt werden als für moderne, leise Maschinen. Als Ergebnis konnten wir seit 2012 sowohl unseren Energieverbrauch als auch unsere CO2-Emissionen nachhaltig und deutlich senken, und unser Ziel ist es, in wenigen Jahren als Flughafen gänzlich CO2-neutral zu operieren.

Wesentliche Infrastruktur

Der Flughafen Wien trägt allerdings nicht nur Verantwortung für eine gesunde Umwelt, sondern ist auch ein ganz wesentlicher Teil der Infrastruktur dieses Landes. 70 Prozent der ausländischen Touristen reisen via Flugzeug nach Wien, rund 300 Konzerne managen von Ostösterreich aus ihre Aktivitäten in Zentral- und Osteuropa, zahlreiche internationale Organisationen von Opec bis Uno haben hier ihren Sitz und sind ebenso wie zigtausende Gäste internationaler Kongresse auf eine leistungsfähige Luftfahrt angewiesen.

Dafür braucht es aber auch ein dichtes Streckennetz und einen Homecarrier wie die AUA, der die Drehkreuzfunktion des Wiener Airports erfüllt. Diese Rolle der Austrian ist für den Wirtschaftsstandort Ostösterreich essenziell, sowohl was die Wirtschaftsleistung als auch was die Arbeitsplätze betrifft. Deshalb ist es in dieser Ausnahmesituation, welche die Luftfahrtbranche unverschuldet trifft, nicht nur gerechtfertigt, sondern dringend geboten, die AUA seitens der öffentlichen Hand finanziell zu unterstützen. Verständlich ist aber auch, dass die Bundesregierung diese Hilfe an eindeutige, klare Gegenleistungen und Verpflichtungen seitens der AUA-Mutter Lufthansa gebunden sehen will. Etwa an eine präzise definierte, langfristige Standortgarantie oder an eine Kapitalbeteiligung der Republik Österreich an entweder der AUA und/oder der Lufthansa selbst. Der Preis einer Insolvenz der AUA – und das ist die drohende Alternative – ist für den österreichischen Steuerzahler langfristig jedenfalls viel höher als eine klug verhandelte Staatshilfe. Auch wenn das die Anwältin nicht wahrhaben will. (Julian Jäger, 27.4.2020)