Ist es Licht am Ende des Tunnels oder doch der entgegenkommende Zug? Im Traditionshaus Weisses Rössl am Wolfgangsee tappt man im Dunkeln, wie österreichweit in der Hotellerie und in der Gastronomie generell. Man ist derzeit auf Spekulationen und Ableiten angewiesen, was die Vorgaben für die Öffnung betrifft.

Gudrun Peter, Chefin des Weissen Rössl im Salzkammergut, empfängt normalerweise Gäste aus aller Welt. Jetzt richtet sie sich darauf ein, Mitte Mai zumindest das Restaurant aufzusperren. Werden Besucher kommen? Peter geht davon aus. Linz, Salzburg, Villach, die Kennzeichen der Autos, die sie am Wochenende gesichtet hat, sind ihr Beweis genug: Die Menschen hätten den Drang, sich wieder etwas weiter fort zu wagen. Zumindest über Bundesländergrenzen hinaus.

Der Sommer wird kommen, ob mit oder ohne Gäste aus dem Ausland, ist offen. Während die Gastronomie schon etwas mehr weiß, tappen Hoteliers noch im Dunkeln
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Vielmehr geht derzeit nicht, und das wohl länger noch. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) gibt in der deutschen Bild Entwarnung – zumindest aus deutscher Sicht: Österreich werde den Tourismus nur behutsam hochfahren, richtet er seinem deutschen Amtskollegen Heiko Maas (SPD) aus. Der hatte vor einem Wettlauf darum, wer touristische Reisen als Erster wieder zulasse, gewarnt – auch mit Fingerzeig auf Ischgl. Vorsichtig, Schritt für Schritt werde man den grenzüberschreitenden Tourismus hochfahren, beruhigt Schallenberg.

Agieren im Nebel

Für die krisengeschüttelten Hoteliers bedeutet die Formulierung weiterhin Ungewissheit. WKO-Fachobfrau Susanne Kraus-Winkler fürchtet, dass die Hotellerie vertröstet werde. Man habe mit der Gastronomie gemeinsam Verhaltensempfehlungen in beiden Branchen verfasst. Doch es bedürfe weiterer Details Check-in, Check-out betreffend, Zusatzprogrammen, Zimmern und vor allem eines konkreten Termins. "Wir können nicht im Nebel weiter agieren", richtet sie via APA aus.

Gudrun Peter hofft, dass sie ihr Hotel am Pfingstwochenende Ende Mai aufsperren darf, die Ferienwohnungen vielleicht schon etwa früher. Über Abstandsregeln im Restaurant macht sie sich derzeit weniger Sorgen. "Wir haben Platz. Der Frühstücksraum steht jetzt ohnehin leer."

Die Beschäftigten in der Gastronomie werden Masken tragen müssen, so viel hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bereits in Aussicht gestellt. Vieles reime man sich derzeit mangels Vorgaben bezüglich Details zusammen, sagt Christian Grünbart, Geschäftsführer des Aviva-Hotels in St. Stefan am Walde im Mühlviertel. Auch Grünbart will Mitte Mai ganz klein mit dem Restaurantbetrieb starten und "Kaffee und Kuchen für Ausflügler servieren". Die 63 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Zwei wohnen im Ort, den Gastrobetrieb könne man zumindest mit verhältnismäßig überschaubarem Risiko anlaufen lassen.

Während es die Einheimischen zumindest insgeheim und da und dort auch einmal genießen, dass sie ihre Seen, Berge, Flüsse und Landschaften für sich haben, suchen die Betriebe nach Überlebensstrategien.
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Anders das Hotel, so Grünbart. Manche Mitarbeiter reisten aus Tschechien an und müssten Riesenumwege über den einzigen offenen Grenzübergang Wullowitz in Kauf nehmen. Was den Hotelbetrieb samt Wellnessbereich betrifft, so hat Grünbart schon Plexiglasscheiben bei der Rezeption installiert. Die Sauna sei relativ groß, und im Wellnessbereich bleibe wohl jedes zweite Wasserbett leer. So könnte die Praxis aussehen, sinniert Grünbart.

Sorgen macht auch ihm, dass er nicht planen kann. Anfragen und Buchungen gäbe es, aber: "Was sollen wir den Gästen sagen? Können sie am Wochenende vom 14. bis 17. Mai kommen?" Das müsste er ehebaldigst wissen, sagt Grünbart. Wegen zehn Gästen könne er nicht 20 Mitarbeiter einsetzen.

Zahlt sich Aufsperren aus?

Die Frage der Wirtschaftlichkeit treibt auch Rössl-Chefin Peter um, neben allen anderen eine der drängendsten. "Das Hotel ist ja auch so groß, damit sich alles rechnet. Kosten für Pool und dergleichen werden nicht niedriger, nur weil weniger Gäste da sind."

Mit Gästen aus Deutschland und Tschechien, Erstere für das Salzkammergut noch viel wichtiger als Zweitere, rechnet sie auf gar keinen Fall vor August "wenn wir Glück haben", oder September. Übers Jahr gesehen würden es heuer tatsächlich die Österreicher sein, die den Schmerz zumindest ein bisschen lindern könnten. (Regina Bruckner, 28.4.2020)