Nur wenige Politiker haben sich bislang offiziell auf Tiktok "getraut", Sebastian Kurz ist zumindest mit Fan- und Fake-Accounts jedoch stark vertreten.

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Facebook, Twitter, Instagram – viele Politiker versuchen ihre Wähler über Social Media zu erreichen. Auf Tiktok haben sich bislang jedoch nicht allzu viele gewagt. Ein Politiker flutet derzeit allerdings die vor allem bei Jugendlichen populäre App: Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Wenngleich nicht freiwillig.

Fan- und Fake-Accounts

Sucht man in der App nach "Sebastian Kurz", tauchen dutzende Accounts unter dem Namen beziehungsweise einer Abwandlung des Namens und einem Profilfoto des ÖVP-Politikers auf. Auch bei den Tiktok-Hashtags ist Kurz sehr präsent. Es handelt es sich dabei ausschließlich um Fan- und Fake-Accounts. Denn Kurz (oder sein Team) ist in den sozialen Medien offiziell nur auf Twitter, Facebook und Instagram aktiv. Sofern über derartige Fake-Profile diskreditierende Inhalte oder Verstöße verbreitet werden, werden sie von der ÖVP auch gemeldet, wie es auf Anfrage des STANDARD heißt.

Einer der wenigen Politiker, die offiziell Tiktok bespielen, ist FPÖ-Chef Norbert Hofer. 22 Videos hat Hofer bislang veröffentlicht – teils mit privaten Einblicken – und rund 4.700 Follower gefunden. Im vergangenen Herbst veröffentlichte Hofer ein Video, das ihn mit Hundeschnauze und -ohren zeigte. Und fing sich damit den Spott der User ein. Der Beitrag ist mittlerweile gelöscht.

Krisenkommunikation

Die Corona-Krise könnte allerdings dafür sorgen, dass mehr politische Vertreter auch die Jugend-App ins Visier nehmen. "Tiktok und Jodel zum Beispiel waren vorher sicher nicht unbedingt im Standardrepertoire eines Ministerpräsidenten oder Bundesministers. Die Situation jetzt zwingt die Leute, andere Wege zu gehen – und das gilt eben auch für die politische Kommunikation", sagte der Politikwissenschafter Marcel Solar von der Universität Düsseldorf im März der Deutschen Presse-Agentur.

So sind in Deutschland etwa der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und das Bundesministerium für Gesundheit auf Tiktok vertreten, das dort zum Coronavirus informiert. Das sorgt auch für Kritik. Politiker können mit ihrer Krisenkommunikation auf Tiktok wie auch auf anderen Social-Media-Kanälen zwar eventuell Personen erreichen, die ansonsten keine oder wenige Medien konsumieren. Allerdings schwingt dabei immer auch politische Werbung mit.

Ob Kurz bald offiziell auf Tiktok unterwegs sein wird, ist nicht bekannt. Seitens der ÖVP heißt es dazu lediglich: "Wir überlegen natürlich, ob und wie wir auf neuen Plattformen mit Sebastian Kurz, anderen Personen der Volkspartei oder der Partei selber vertreten sein können." (Birgit Riegler, 28.4.2020)