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Der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard sieht nach einer Sonderprüfung durch KPMG keinen Anlass zur Korrektur seiner Bilanzen. Allerdings konnte KPMG in dem am Dienstag vorgelegten Abschlussbericht nicht alle Daten vollständig auswerten und damit nicht alle Vorwürfe der Bilanzmanipulation aus der Welt schaffen.

An der Börse herrschte deshalb weiterhin Verunsicherung. Die im DAX notierten Titel brachen um mehr als 20 Prozent ein.

Nicht alles geprüft

Die Wirtschaftsprüfer hätten in den vier untersuchten Bereichen Drittpartnergeschäft, Forderungsvorfinanzierung sowie den Aktivitäten in Indien und Singapur keine "belastenden Belege" für die Vorwürfe der Bilanzmanipulation gefunden und es hätten sich keine "substanziellen Feststellungen" ergeben, die zu einem Korrekturbedarf der Jahresabschlüsse von 2016 bis 2018 führten, teilte Wirecard mit. Der Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München hatte KPMG im Herbst engagiert, um die Jahresabschlüsse zu prüfen, nachdem in Berichten der "Financial Times" Vorwürfe aufgekommen waren, der Konzern habe Bilanzen bei Auslandstöchtern frisiert.

In dem nun veröffentlichten Untersuchungsbericht hieß es, KPMG könne im Bereich Drittpartnergeschäft keine Aussage treffen, dass bestimmte Umsatzerlöse existierten und der Höhe nach korrekt seien, noch sei das Gegenteil möglich. Grund dafür sei, dass sich notwendige Unterlagen im Besitz der Dritt-Partner befänden und deren Bereitschaft gefehlt habe, an der Prüfung mitzuarbeiten. Mehr als 200 Millionen Datensätze müssten in dem Zusammenhang noch analysiert werden.

Offene Fragen

Auch bei Tätigkeiten in Indien, insbesondere der Übernahme des Payment-Geschäfts einer dort ansässigen Unternehmensgruppe, blieben Fragen offen. Der hinter dem Verkäufer stehende wirtschaftliche Berechtigte habe anhand von öffentlichen Registern nicht verifiziert werden können. Die Wirtschaftsprüfer hätten allerdings keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass an dem Verkäufer Mitglieder des Wirecard-Managements beteiligt gewesen seien, erklärte Wirecard.

Darüber hinaus habe KPMG bei Wirecard Schwächen bei der Dokumentation und Organisation festgestellt. Diese würden seit dem vergangenen Jahr mit Hilfe externer Berater behoben, erklärte der Konzern. Bei der Tochter in Singapur sehe KPMG keinen weiteren Bedarf für eine Prüfung, teilte der Zahlungsdienstleister weiter mit. Im Geschäftsbereich Forderungsvorfinanzierung – auch "Merchant Cash Advance" genannt – hätten sich ebenfalls keine Hinweise auf rechtliche Unzulässigkeiten ergeben.

Eigentlich wurde der Abschlussbericht der seit Monaten laufenden Sonderprüfung bereits am Montag erwartet. KPMG habe das Dokument erst am Dienstagmorgen an Wirecard übergeben, hieß es nun zur Begründung. Die Veröffentlichung der Bilanz 2019 finde nicht wie geplant am Donnerstag statt, sondern werde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Einen neuen Termin nannte Wirecard zunächst nicht. (APA, 28.04.2020)