Bei Wirecard soll es schnellstmöglich zu einer Aufklärung kommen.

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Großinvestoren drängen das Wirecard-Management zu einer schnellen Aufklärung der seit Monaten schwelenden Vorwürfe der Bilanzmanipulation. Die Fondsgesellschaft Union Investment warf dem Zahlungsdienstleister am Donnerstag eine "schleppende" Aufarbeitung der KPMG-Sonderprüfung sowie eine unprofessionelle Unternehmensführung vor.

Der Union-Konkurrent Deka warnte vor einem Imageschaden für den Konzern. Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann stellte sich unterdessen hinter den aus Österreich stammenden Firmenchef Markus Braun, der das Unternehmen aus Aschheim bei München seit 18 Jahren führt und selbst sieben Prozent der Aktien hält.

"Wirecard steht in der Pflicht, transparent zu kommunizieren und den Investoren nachvollziehbare Antworten zu liefern", sagte Andreas Mark, Fondsmanager bei Union Investment, zu Reuters. "Die schleppende Aufklärung wirft – ganz ungeachtet der tatsächlichen Substanz der Vorwürfe – ein Schlaglicht auf grundsätzliche Governance-Schwächen bei Wirecard." Eine Professionalisierung der Prozesse sei überfällig. Union sei nach wie vor substanziell bei Wirecard investiert, aber einige Fonds hätten ihre Positionen angepasst. Laut Wirecard-Website hält die Fondsgesellschaft 4,1 Prozent. Größter Aktionär ist demzufolge die US-Bank Goldman Sachs mit 14,4 Prozent, die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS hält knapp sechs Prozent.

"Uneinsichtigkeit"

Ingo Speich, Leiter des Bereichs Corporate Governance bei der Deka, kritisiert eine "Uneinsichtigkeit" des Unternehmens. "Es ist gefährlich, dass wir jetzt womöglich an einem Punkt stehen, dass sich das Ansehen des Kapitalmarktes über den Vorstand auch auf Produkte und Kundenbeziehungen niederschlägt. In dem Geschäft ist die Reputation das A&O." Das Management habe viel Vertrauen verspielt. "Im Prinzip ist Wirecard noch ein Start-up, das nicht reif für den Dax ist." Der Konzern war nach starkem Wachstum im September 2018 in die oberste Börsenliga aufgestiegen und sieht sich in Medienberichten immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, im Ausland bei Töchtern Bilanzen gefälscht zu haben.

Der Aufsichtsrat hatte deshalb 2019 den Wirtschaftsprüfer KPMG engagiert, um die Bilanzen zu prüfen. In dem am Dienstag veröffentlichten Prüfbericht konnte KPMG allerdings einige Vorwürfe entkräften. Die Aktien waren daraufhin abgestürzt.

Der als kritischer Investor bekannte Hedgefonds-Manager Chris Hohn forderte in einem Brief an das Kontrollgremium, den Wirecard-Chef abzusetzen. Aufsichtsratschef Eichelmann versuchte für Ruhe zu sorgen: "Eine Personaldebatte wäre im Moment in keinster Weise zum Wohl des Unternehmens", sagte er dem "Handelsblatt". Alle Vorstandsverträge stünden aber zum Jahresende ohnehin zur Erneuerung an. Eichelmann versprach auch eine Verbesserung der Kontrollprozesse und stellte das umstrittene Geschäft mit Drittpartnern auf den Prüfstand. Die Sparte steht im Zentrum der Vorwürfe in Medien. Der Vorstand müsse die Trennung von den Partnern durchdenken, auch wenn Umsätze dabei verloren gingen, sagte Eichelmann. "Im Drittpartnergeschäft müssen wir uns ganz grundsätzlich fragen: Was bringt uns das? Das werden wir in Ruhe, aber zeitnah anschauen." (APA, 1.5.2020)