"Coffee to go" auf römische Art: klein, schwarz, im Plastikbecher – natürlich mit Schutzmaske und Latexhandschuhen serviert.

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Voller Sehnsucht hat Italien zuletzt nach Österreich und anderswohin geblickt. Da und dort wurden nach der ersten Covid-19-Welle schon Geschäfte geöffnet, während man selbst strikte Ausgangsbeschränkungen befolgen musste und sich nur innerhalb eines sehr engen Radius rund um die eigene Behausung bewegen durfte.

Am Montag wurde endlich auch bei unseren südlichen Nachbarn die "Phase zwei" eingeläutet – und die Erleichterung war groß. Hunderttausende Italienerinnen und Italiener zelebrierten vormals banale Ereignisse: einen Spaziergang in der City, eine Radtour im Grünen, einen Einkauf in der Gärtnerei. Von einer allgemeinen Öffnung des Handels kann man aber nach wie vor nur träumen.

"Dieser Neuanfang liegt ganz in unseren Händen", mahnte Regierungschef Giuseppe Conte: "Wir als Gemeinschaft werden entscheiden, ob diese neue Phase ein Erfolg wird oder ob es eine schmerzhafte Rückkehr zu den bisherigen Maßnahmen wird geben müssen." Conte versucht damit, einige rebellische Gouverneure aus dem vom Virus vergleichsweise verschonten Süden des Landes wieder auf Linie zu bringen: Sie waren mit eigenen Lockerungsbestimmungen vorgeprescht. Der Premier machte nun klar: Wenn "Phase zwei" nicht funktioniert, wird das Experiment sehr rasch wieder beendet – trotz der gefürchteten Konsequenzen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

Spaniens Opposition macht Druck

Auch in einem weiteren europäischen Corona-Hotspot soll eine gewisse Form von Normalität einkehren: In Spanien wird die Ausgangssperre schrittweise gelockert. Zunächst durften Kinder wieder zeitweise ins Freie, dann wurden sportliche Aktivitäten in gewissem Rahmen erlaubt sowie kleinere Geschäfte auf Terminbasis geöffnet. Ab nächster Woche soll die Gastronomie im Freien wieder öffnen dürfen, freilich nur mit begrenzter Kundenzahl – Stichwort: Abstand halten.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat – anders als sein italienischer Amtskollege Conte – keine Mehrheit hinter sich, er muss mittels Minderheitskabinett regieren. Um die wegen der Corona-Krise eingeschränkten Bürgerrechte weiter managen zu dürfen, braucht er eine Verlängerung des Alarmzustandes, diese muss er heute, Mittwoch, im Parlament erst bewilligt bekommen – und die Opposition macht ihm dieses Vorhaben schwer: Vor allem der konservative Partido Popular wirft dem Sozialisten vor, ohne Absprachen und zudem widersprüchlich gehandelt zu haben. Sánchez warnt indes, dass Spanien nach einem verfrühten Auslaufen des Alarmzustandes ab 10. Mai ins Chaos stürzen würde.

USA rechnen mit 135.000 Toten

Mit bisher rund 70.000 Toten sind die Vereinigten Staaten von Amerika trauriger Pandemie-Spitzenreiter vor Italien, Großbritannien (jeweils rund 29.000) und Spanien sowie Frankreich (jeweils rund 25.500). Und auch wenn die Regierung in Washington laut einem der "New York Times" vorliegenden internen Dossier mit 135.000 Toten rechnet und sich dessen bewusst ist, dass sich die Epidemie bis in den Herbst hineinziehen dürfte, wächst der Druck auf die Politik, die Unternehmen rasch zu entlasten.

Den Anfang machten am Montag Floridas Handel und Gastronomie, wo mit Beschränkungen wieder gearbeitet werden darf. Auch Kalifornien will noch diese Woche in diese Phase eintreten, "die Daten lassen es zu", beteuerte Gouverneur Gavin Newsom. Und sogar Andrew Cuomo, Gouverneur des arg gebeutelten Staates New York, lässt erste Normalisierungsschritte zu – allerdings nur in Gebieten außerhalb von New York City.

Doch alle Regelungen gelten nur mit Vorbehalt. Sollte sich die Lage wieder verschlimmern, muss alles neu bewertet und schnell wieder mit Restriktionen reagiert werden. (Gianluca Wallisch, 5.5.2020)