Diese Aufnahme aus dem Jahr 1985 soll Alois Brunner zeigen.

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Im Juni 2017 wurde er von der "Austrias Most Wanted"-Liste gestrichen. Die Fahndung nach den Nazi-Kriegsverbrecher Alois Brunner läuft aber weiter, wie Nina Bussek von der Staatsanwaltschaft Wien dem STANDARD bestätigt.

Fahndung läuft weiter

Der 1912 im Burgenland geborenen Brunner war unter der Nazi-Herrschaft der wichtigste Mitarbeiter des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann. Gemeinsam organisierten die beiden SS-Männer die Deportation der Juden aus Berlin, Wien, Frankreich und Griechenland in NS-Vernichtungslager. Während Eichmann 1960 von israelischen Agenten aus Argentinien entführt, in Jerusalem vor Gericht gestellt und 1962 hingerichtet wurde, blieb Brunner zeit seines Lebens gerichtlich unbehelligt. Er lebte jahrzehntelang in Syrien unter dem Falschnamen "Dr. Georg Fischer". In den 1990er-Jahren verloren sich schließlich seine Spuren. Eine offizielle Bestätigung seines Todes gibt es nicht, daher läuft die Fahndung weiter.

Brunner ist aber nicht der einzige NS-Verbrecher, nach dem österreichische Behörden fahnden. Es gibt noch, den "einen oder anderen", sagt Bussek. 75 Jahre nach Kriegsende, sind ihre Verbrechen nicht verjährt.

"Bild"-Zeitung klagte

Alois Brunner sorgte in den vergangenen Monaten in Deutschland für Schlagzeilen. Acht Jahre musste der "Bild"-Journalist Hans-Wilhelm Saure gegen den deutschen Verfassungsschutz klagen, um Einsicht in seine Akte zu bekommen. Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass Brunner in Kontakt mit Otto Ernst Remer stand. Der frühere Wehrmachtsoffizier, der einen wesentlichen Anteil an der Niederschlagung des Staatsstreichversuches am 20. Juli 1944 hatte, gehörte zu den übelsten Altnazis, die nach 1945 weiterhin aktiv waren. Auch unterhielt Brunner Kontakte zum deutschen Bundesnachrichtendienst.

Die "Bild"-Zeitung bekam die Akten.

Laut den Akten unterhielt Brunner auch Kontakte zum Säulenheiligen des österreichischen Rechtsextremismus. So wird erwähnt, dass der 2018 verstorbene Gerd Honsik ihn für sein Buch "Freispruch für Hitler? 37 ungehörte Zeugen wider die Gaskammer" interviewte.

Honsik war unter anderem der Herausgeber der rechtsextremen Zeitschrift "Halt" und Gründer verschiedener Organisationen wie der "Nationalen Front" oder der "Ausländer-Halt-Bewegung". Nach einer Verurteilung im Jahr 1992 hatte er sich nach Spanien abgesetzt, wo er erst 2007 festgenommen und in weiterer Folge an Österreich ausgeliefert wurde. Auf Bewährung wurde er im Jahr 2011 enthaftet. In seinem "Exil" in Spanien betreute Honsik Otto Ernst Remer, der sich ebenfalls einer Haftstrafe durch Flucht entzog.

Alois Brunner.
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Die österreichischen Akten über die Fahndung nach Alois Brunner wurden vom Innenministerium bereits dem Staatsarchiv übergeben. Dort sind die frühestens 30 Jahren nach dessen offiziellen Tod öffentlich einsehbar. (Markus Sulzbacher, 8.5.2020)