Im Süden des Landes, in Guangzhou, kehrt langsam Normalität zurück.

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14 neue Corona-Fälle an einem Wochenende – in Europa wären solche Zahlen Anlass zum Jubel. Anders mittlerweile in China. Dort reichen auch schon ein dutzend Neuinfektionen, um die betroffenen Gebiete wieder völlig abzusperren.

So geschehen am Wochenende in Shulin, einer Grenzstadt zu Nordkorea. Dort erhöhten die Behörden das Sicherheitslevel am Wochenende von niedrig auf mittel. Das bedeutet: Bis zum 1. Juni ist die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten. Den Bewohnern ist nicht erlaubt, ihre Wohnungen zu verlassen – pro Haushalt darf nur eine Person einmal am Tag einkaufen gehen.

Alle zwölf Fälle in der 600.000-Einwohner-Stadt ließen sich auf eine 45-jährige Frau zurückverfolgen, die in der Polizeiwäscherei arbeitet. Wo sie sich infizierte, bleibt unklar. Bisher aber beschränkt sich das Cluster auf die Provinz Jilin, da die Frau laut eigenen Angaben nicht verreist ist. 254 Menschen, mit denen die Infizierten Kontakt hatten, mussten sich in Quarantäne begeben.

Über einen Monat kein Corona in Wuhan

Neuinfektionen wurden am vergangenen Wochenende auch erstmals seit Wochen wieder im ehemaligen Epizentrum der Pandemie, in Wuhan, gemeldet wurde. Seit dem 3. April war in Wuhan niemand mehr positiv getestet worden. Am 8. April wurden dann erstmals die Beschränkungen gelockert. Tausend Personen dürfen seitdem täglich die Stadt verlassen und besuchen. Wer zum Beispiel von Wuhan in die Hauptstadt Peking reisen will, muss einen negativen Corona-Test aufweisen und sich anschließend in Quarantäne begeben.

Um der Pandemie Herr zu werden, setzt Peking mittlerweile auch auf exzessives Testen: In Wuhan sollen nun in den folgenden zehn Tagen elf Millionen Menschen getestet werden. Zumindest legen das Dokumente nahe, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Die Stadt Peking hat ihre Testkapazitäten auf 40.000 pro Tag erhöht.

Massenarbeitslosigkeit in Sicht

Weshalb Peking nun derart massiv auch auf kleinste Cluster von Neuinfektionen reagiert, hat einen Grund: Die kommunistische Partei macht ihre Legitimation mittlerweile davon abhängig, ob es ihr gelingt, das Virus völlig zu besiegen.

Notwendig wird das auch, da der alte Deal mit dem Volk, "Wir geben euch Wirtschaftswachstum und ihr verzichtet auf politische Teilhabe", zumindest in diesem Jahr nicht mehr funktionieren wird. Zum ersten Mal seit 1973 erlebt das Land eine Rezession. Die Folgen wie Massenarbeitslosigkeit zeichnen sich erst jetzt langsam ab. Erfolgreiche Virusbekämpfung ist jetzt also zur Legitimitätsfrage der KP in China geworden.

Schanghaier Disneyland öffnet Tore

Unterdessen gehen andere Städte weiter einen Schritt in Richtung Normalität. Die Zentralregierung gab am Wochenende grünes Licht, dass Kinos, Fitnessstudios und Museen wieder geöffnet werden können.

Manche Schulklassen werden nun wieder in Klassenräumen unterrichtet, und auch das Schanghaier Disneyland öffnete erstmals seit Monaten wieder seine Tore. Allerdings gelten weiterhin Beschränkungen, was die Anzahl der Personen angeht. Die nationale Gesundheitsbehörde betonte gleichzeitig, es sei noch nicht an der Zeit, die Vorsichtsmaßnahmen zu verringern. Auch Ausländer können in das Land bis auf weiteres nicht einreisen. (Philipp Mattheis, 12.5.2020)