Die Aussagen Orbáns hatten wütende Proteste der Roma-Bevölkerung zur Folge.

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Budapest – Roma-Schülern aus dem ungarischen Ort Gyöngyöspata steht eine finanzielle Entschädigung wegen Ausgrenzung zu. Ungarns Oberster Gerichtshof (Kurie) hat am Dienstag das Urteil des Berufungsgerichtes Debrecen vom September 2019 bestätigt. Damit erhalten 62 Schüler der Roma-Volksgruppe des Ortes insgesamt rund 100 Millionen Forint (285.844,96 Euro) Entschädigung.

Zur Ausgrenzung der Roma-Schüler gehörte, dass sie nach Ethnie getrennt in isolierten Sonderklassen untergebracht wurden, die Klassenräume der anderen Schüler nicht betreten und nicht an Klassenausflügen und Schwimmunterricht teilnehmen durften.

Niederlage für Orbán

Im Sinne des Urteils müssen die Gemeinde Gyöngyöspata und die Schulbehörde die Entschädigung zahlen. Die rechtsnationale Regierung von Premier Viktor Orban hatte sich geweigert, das Urteil von Debrecen umzusetzen und erklärt, niemand solle Geld bekommen, der nicht dafür gearbeitet hat. "Würde ich in Gyöngyöspata leben, würde ich mich schon fragen, warum die Mitglieder einer ethnischen Minderheit ohne jegliche Arbeitsleistung eine große Summe erhalten, während ich mich hier den ganzen Tag abrackere." Diese Äußerung hatte für Entrüstung unter den ungarischen Roma geführt, die mit rund 800.000 Angehörigen die größte ethnische Minderheit des Landes stellen.

Anstelle von Bargeldzahlungen sollten nach Antrag der Gemeinde und Schulbehörde den betroffenen Schülern nachträgliche Bildungsangebote und Kurse angeboten werden. Falls das nicht möglich sei, ersuchten die Angeklagten um Verringerung der Entschädigungssumme. Das Höchstgericht lehnte diesen Antrag ab, da die Summe bereits durch das Debrecener Gericht in zweiter Instanz korrekt festgelegt worden war. (APA, 12.5.2020)