Kanadas Premier Trudeau blieb lange still, später sprach er sich für mehr Engagement gegen Rassismus in Kanada aus.
DER STANDARD

Manchmal ist es die Stille, die Bände spricht, wie ein aktuelles Interview mit Kanadas Premierminister Justin Trudeau zeigt: 20 Sekunden lang sagte der sonst wortgewandte Politiker nichts, als ein Journalist nach einer Reaktion bat auf die Drohung von US-Präsident Donald Trump, die Unruhen in den USA notfalls mit militärischer Gewalt zu beenden.

Trudeau schaute nach der Frage bei einer Pressekonferenz am Dienstag zunächst einfach nur konzentriert geradeaus und sagte nichts, dann wirkte es mehrfach so, als würde er zum Sprechen ansetzen, tat es aber nicht. Schließlich sagte er in ernstem Tonfall: "Wir alle beobachten mit Entsetzen und Bestürzung, was in den USA passiert." Es sei Zeit für Einigkeit und Zeit zum Zuhören.

Mehr Engagement

In sozialen Medien traf seine Reaktion auf viel Zuspruch. Nutzer lobten die Kommunikationsstrategie des Premierministers, die als rhetorisch sehr stark eingeschätzt wird. Am Tag zuvor hatte Trudeau für sein Land bereits mehr Engagement im Kampf gegen Rassismus versprochen. "Wir müssen besser werden in Kanada." Rassismus sei nicht nur ein Problem der USA, auch in Kanada würden Menschen mit schwarzer oder brauner Hautfarbe und Ureinwohner immer noch zu oft systematisch ungerecht behandelt.

"Auch wenn wir schon Fortschritte gemacht haben im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung, gibt es immer noch Rassismus in Kanada", sagte Trudeau. "Jungen schwarzen Kanadiern will ich sagen, ich verstehe euch, wenn ihr sagt, dass ihr besorgt und wütend seid." (red, APA, 3.6.2020)