Tirol Landeshauptmann Platter hält auch an seinem Vize Geisler fest.

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Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) ist um Schadensbegrenzung bemüht. Das zeigte sich am Sonntag in der ORF-"Pressestunde", als Platter von ORF 2-Chefredakteur Matthias Schrom und der stellvertretenden Chefredakteurin des STANDARD, Petra Stuiber, zu den Vorgängen in Ischgl und zur sexistischen Beleidigung seines Stellvertreters, Josef Geisler, gegenüber einer Umweltaktivistin Stellung nahm. Personelle Konsequenzen will Platter weder in der Causa Ischgl noch im Skandal um den Luder-Sager von Geisler ziehen. Jedoch will er jene Wirte bestrafen, die sich nicht an die behördlich angeordneten Lokalsperren hielten: "Wenn es so war, dann muss natürlich eine Bestrafung her", so Platter.

Die negativen Schlagzeilen wegen dem Corona-Krisenmanagment versuchte Platter mit den durchaus guten Ergebnissen aus heutiger Sicht zu kontern, gemessen an den aktuellen Infektionszahlen natürlich. Tirol hätte härter als andere Bundesländer reagiert, die Entscheidung, das ganze Bundesland unter Quarantäne zu stellen bezeichnete Platter als die schwierigste Entscheidung seines politischen Lebens. Diese "Erfolgsgeschichte" will er sich nicht schlecht reden lassen. Platter fühle sich jetzt berufen, das Bild Tirols zurecht zu rücken.

Dass es Widerstand gegen die vorzeitige Beendung der Wintersaison seitens Tiroler Touristiker gab, bestritt Platter nicht. Auch das vom STANDARD dokumentierte Schreiduell zwischen ihm und dem Tiroler Nationalratsabgeordneten und Seilbahn-Lobbyisten Franz Hörl (ÖVP) kommentierte Platter so: Wenn bei einer Aussprache manche keine Freude hatten, war das legitim. Er habe sich davon nicht beeinflussen lassen, sagte Platter.

Abgereiste selbst verantwortlich

Die chaotischen Szenen bei der Abreise tausender Touristen verteidigte Platter mit der Geographie des Paznauntals: Dort gebe es eine Straße und einen Bach und "natürlich wunderschöne Berge". Chaos sei also vorprogrammiert gewesen, dass Menschen doch noch woanders im Land nächtigten, würde in deren Eigenverantwortung fallen, urteilte Platter.

Auch die Strategie der Testung der Kontaktverfolgung bei den infizierten Touristen aus Island und anderen Ländern, verteidigte Platter. Die Zusammenarbeit mit dem Bund wären gut. Es herrschte laut Platter stets "Konsens". Vorwürfe, man habe zu spät reagiert, müsse die Untersuchungskommission beantworten, sagt Platter. Diese werde unabhängig untersuchen, im Oktober soll ein erster Bericht vorliegen.

Bei den Seilschaften und Netzwerken in Tirol, die zuletzt auch auf Kritik stießen, bedankte sich der Landeshauptmann. Es ist gut, wenn sich "gestandene Unternehmer" Gedanken über die Zukunft des Landes machen, eine Beeinflussung auf die Politik gebe es aber nicht, sagte Platter. Auch die Rolle seines Vertrauten Alois Schranz im Krisenstab verteidigte Platter. Dieser habe Atemschutzmasken auftreiben und Spitalsbetten aus seinen Privatkliniken in der Coronakrise zur Verfügung gestellt.

Platter hält an Geisler fest

Geislers sexistische Beleidigung gegenüber einer Umweltaktivistin nannte Platter eine "inakzeptable Entgleisung". Das generelle Frauenbild in Tirol sei aber absolut in Ordnung. Er lasse Frauen nicht im Stich, jene, die politisch tätig sind, schätze er. Einen bevorstehenden Misstrauensantrag gegen seinen Parteikollegen werde die ÖVP aber nicht zustimmen. Der Rücktritt ist "nicht angedacht", sagte Platter.

Die Kommunikation zwischen ihm und dem türkisen Bundeskanzler Sebastian Kurz sei besser als mit anderen Bundesregierungen, sagte Platter. Trotzdem will Platter nicht die Parteifarbe wechseln: "Ich bin halt einmal ein Schwarzer". (red, 7.6.2020)