Prinz Laurent von Belgien verteidigt König Leopold II.

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Leopold-Statue im Afrikamuseum von Tervuren.

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Hochdruckreinigung für eine Leopold-Statue in Brüssel-

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Brüssel/Kinshasa/Brazzaville – Im Streit um Belgiens Kolonialpolitik im Kongo und die Entfernung von Statuen aus dieser Zeit hat sich am Freitag Prinz Laurent von Belgien, der jüngere Bruder des heutigen Königs Philippe, zu Wort gemeldet. Er habe kein Verständnis für die Kritik an seinem Vorfahren: König Leopold II. (1835–1909) sei schließlich nie in den Kongo gereist. Die Menschen dort hätten also nicht unter ihm leiden können, sagte er der "Sudpresse".

Händeabhacken als Strafe

Wegen der brutalen belgischen Kolonialherrschaft im Kongo im 19. und 20. Jahrhundert ist das Andenken an Leopold II. seit langem umstritten. Unter seiner Herrschaft wurde der Kongo systematisch ausgeplündert. Millionen Menschen kamen unter der Terrorherrschaft ums Leben, wenn ein Arbeiter es nicht schaffte, die vorgebene Quote zu erfüllen, wurden ihm oder seiner Familie die Hände abgehackt.

Um die Jahrhundertwende kamen die Gräuel nach und nach ans Licht. Laut Adam Hochschild, dem Verfasser der Biografie "König Leopolds Geist", kam unter der Herrschaft des umstrittenen Monarchen die Hälfte der Bevölkerung des "Kongo-Freistaats" ums Leben.

Straßenschilder übermalt

In der Nacht auf Freitag wurden in Brüssel erneut Leopold-Statuen beschädigt, Straßenschilder mit seinem Namen wurden übermalt. Zudem gibt es Online-Petitionen mit zehntausenden Unterschriften, die einen Abbau der Statuen fordern. "Für die afrobelgische Gemeinschaft sind die Statuen in der Öffentlichkeit wie psychologische Gewalt, weil sie die Verbrechen banalisieren", sagte Esther Kouablan vom rassismuskritischen Verband Mrax.

Sie kritisierte eine fehlende Aufarbeitung der Kolonialzeit in Belgien. "Das spielt keine Rolle, in Schulbüchern zum Beispiel." Kouablan schlug vor, Statuen in Museen zu schaffen. Einige Denkmäler wurden infolge der Proteste bereits abgebaut.

Symbole des Kolonialismus

Ein Aktivist sagte dem Sender RTBF, der die Aktion filmte, es gebe "zu viele Symbole des Kolonialismus in Brüssel". Vor der Brüsseler Kathedrale wurde in der Nacht außerdem ein Denkmal für König Baudouin, der von 1951 bis zu seinem Tod 1993 auf dem belgischen Thron saß, mit roter Farbe übergossen.

Auch in anderen europäischen Ländern ist die Diskussion um umstrittene Denkmäler und Straßennamen in vollem Gange. In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon wurde die Statue eines katholischen Missionars aus dem 17. Jahrhunderts mit roter Farbe beschmiert, wie die Stadtverwaltung am Freitag mitteilte.

In der englischen Hafenstadt Bristol hatten Demonstranten am Sonntag die Statue des britischen Sklavenhändlers Edward Colston vom Sockel geholt und ins Hafenbecken geworfen. Auch andere umstrittene Denkmäler in Großbritannien gerieten ins Visier der Protestteilnehmer. (red, APA, 12.6.2020)