Auf einem Video, das in den französischen Medien kursiert, sieht man zahlreiche vermummte Jugendliche und ein brennendes Auto.

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Dijon – In Dijon ist es in der Nacht auf Dienstag zum vierten Mal in Folge zu Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Banden gekommen. Nach Angaben aus Polizeikreisen versammelten sich rund 150 tschetschenische Jugendliche aus ganz Frankreich am frühen Montagabend in einem Vorort der ostfranzösischen Stadt. Sie setzten mehrere Mistkübel und ein Auto in Brand, zudem wurden mehrere Schüsse in die Luft gefeuert. Daraufhin sei eine Sondereinheit der Polizei eingerückt, hieß es von offizieller Seite.

Hintergrund der Unruhen, die seit Freitagabend andauern, sind laut Polizeikreisen Spannungen zwischen jungen Tschetschenen und einigen Bewohnern von Grésilles. Bei dem Vorort von Dijon handelt es sich um ein einkommensschwaches Viertel mit einer großen nordafrikanischen Einwandererbevölkerung. Offenbar wollen die gewaltbereiten Jugendlichen einen aus Tschetschenien stammenden 16-Jährigen rächen, der dort brutal angegriffen worden sein soll. Sie haben laut Medienberichten in den sozialen Medien zu Vergeltungstaten gegen die maghrebinische Bevölkerung von Grésilles aufgerufen. Bei den Zusammenstößen am Montagabend wurde der Inhaber einer Pizzeria durch Schüsse schwer verletzt.

Polizeiverstärkung

Die Regierung hat inzwischen Verstärkung für die Polizei angeordnet. Mehr als hundert zusätzliche Kräfte sollen in der Hauptstadt der historischen Region Burgund für Sicherheit sorgen, teilte Bürgermeister François Rebsamen am Montag nach einem Telefonat mit Innenminister Christophe Castaner mit. In der Nacht auf Samstag habe er rund hundert mit Baseballschlägern bewaffnete und teils vermummte Menschen im Stadtzentrum gesehen, sagte Rebsamen. Er sprach von "inakzeptablen und absolut beispiellosen Zuständen", die es in einer funktionierenden Republik nicht geben dürfe, und klagte über den Mangel an Polizeiressourcen in französischen Provinzstädten. Man habe nicht früher einrücken können, so der örtliche Chef der Polizeigewerkschaft, Stephan Ragonneau, denn die Jugendlichen seien "mobil, gut organisiert, bewaffnet und mit Kapuzen vermummt" gewesen. Ein zu frühes Einschreiten hätte in einem Blutbad geendet.

Der stellvertretende Innenminister Laurent Nuñez fuhr am Dienstag selbst nach Dijon, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er bestritt, dass die Polizei zu langsam eingegriffen habe, lobte den Mut der Beamten und sagte, dass die zusätzlichen Polizeikräfte so lange wie nötig in der Stadt bleiben würden. (red, APA, 16.6.2020)