Diese Uniform kann einfach alles. Einmal Basecap, Bart, Hornbrille, schmal geschnittene Bomberjacke, knöchelfreie Jeans, schlichte Sneaker – und fertig ist der Jung-von-Matt-Werbefuzzi, der FM4-Moderator, der Barista aus Wien-Neubau, der Bugaboo-Papa vom Spielplatz nebenan. Man könnte die modische, bloß nicht zu hippe Durchschnittsuniform der wohlgeratenen, männlichen Mittdreißiger als Türöffner für irgendwie alles bezeichnen. Weil: Sie tut niemandem weh und lässt sich mit wenigen Klicks auf Zalando einkaufen. In diesem Aufzug (na gut, ohne Kopfbedeckung) ließen sich problemlos Versicherungen, Fonds oder Anleihen verkaufen.

Das hat auch der deutsche Popstar Mark Forster verstanden. Der verhökert zwar keine Versicherungen, dafür verdient er gutes Geld mit Zeilen wie "An deiner Seite will ich bleiben, geh' durch Feuer und alle Zweifel, mit allen Träumen und all den Sorgen", Pinterest-Lebensweisheiten, hymnischem Bankberater-Pop. Kein Wunder, dass der 37-jährige Pfälzer der wohl glaubwürdigste Träger jener durchschnittlichen Mittdreißiger-Uniform ist.

Mark Forster ist der Prototyp bärtiger Mittdreißiger.
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Das blieb nicht unbemerkt. "Warum sehen 97 Prozent der Familienväter aus wie Mark Forster?", wurde vor einigen Wochen auf Twitter in den Raum geworfen, die "Süddeutsche" erklärte Forsters Look zum Stil der "Männer um die dreißig".

Der freundliche Herr Forster jedenfalls hat für jedes Detail seiner Erscheinung eine Anekdote oder Erklärung parat: Der Bart ist nach einer Jakobsweg-Wanderung stehen geblieben, die Basecap (der Popstar hat angeblich über 200 davon) verdeckt schwindendes, ergrautes Haar. Es klingt ganz so, als bewahrten Bart, Brille, Basecap vor der nahenden Midlife-Crisis.

"Warum sehen 97 Prozent der Familienväter aus wie Mark Forster?", hieß es letztens auf Twitter.
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Oder anders ausgedrückt: Forsters Uniform mogelt offensichtlich unliebsame Alterserscheinungen weg. Diese Rechnung wird aufgehen – bis der Bart dann grau wird. (Anne Feldkamp, 25.6.2020)