Vielfachweltmeister Lewis Hamilton 2019 in Spielberg.

Foto: REUTERS/Leonhard Foeger

Nach 30 Jahren stellt RTL zum Ende der Saison seine Live-Berichterstattung von der Formel 1 ein. Die Rechtekosten sind nach Angaben des TV-Senders vom Sonntag zu hoch. RTL hatte die wichtigste Motorsport-Serie seit 1991 übertragen.

ORF und Servus TV interessiert

In Österreich läuft die Formel 1 jedenfalls diese Saison noch im ORF, der Vertrag stand zur Verlängerung an. Sportchef Hans Peter Trost zeigte sich im September 2019 sehr interessiert an einer Fortsetzung.

Auch Servus TV zeigte sich sehr interessiert an den Formel-1-Rechten, immerhin ist Mutterkonzern Red Bull selbst groß im Renngeschäft und Betreiber von Spielberg. Eine denkmögliche Variante wäre eine Zusammenarbeit des öffentlich-rechtlichen Senders und von Dietrich Mateschitz' Privatsender. Servus TV hat gerade mit gewaltigem Geldeinsatz einen Großteil der Rechte an Champions League und Europa League (hier sicherte sich auch der ORF Spiele) gekauft.

ORF "in Gesprächen"

DER STANDARD bat den ORF am Sonntag um Stellungnahme, ob im ORF nach 2020 weiterhin Formel 1 live zu sehen sein wird. Nach unbestätigten STANDARD-Infos sieht es danach aus. Ein ORF-Sprecher hält sich dazu recht bedeckt: "Wir sind in Gesprächen."

In Deutschland dürfte es die Formel 1 live nur noch im Pay-TV geben.

In Deutschland Sky Kandidat

Wo die Formel 1 ab dem kommenden Jahr in Deutschland gezeigt wird, ist offiziell noch nicht bekannt. Als Interessent gilt der Pay-TV-Sender Sky, der in der am 5. Juli in Spielberg beginnenden Saison noch parallel zu RTL überträgt. Sky hat sich gerade Rechtepakete der deutschen Bundesliga gesichert.

"Bereit, das Doppelte zu bieten"

Grund für das RTL-Aus zur kommenden Saison seien finanzielle Gründe. "Wenn Konkurrenten im Spiel sind, die bereit sind, das Doppelte zu bieten, muss man sich mit einem Ausstiegsszenario zwangsläufig auseinandersetzen", sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe am Sonntag. RTL will "auch zukünftig selbstverständlich versuchen, unseren Zuschauern attraktive Sportangebote zu präsentieren. Klar ist, dass dabei wirtschaftliche Limits ebenso eine Rolle spielen wie die veränderten Wettbewerbsbedingungen."

Die Formel 1 hatte sich in Deutschland nach dem Hype der Michael-Schumacher-Jahre zuletzt auf einem beachtlichen Quoten-Niveau stabilisiert. Im Jahresdurchschnitt aller 21 Formel-1-Übertragungen kam RTL im Vorjahr auf 4,05 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 23,2 Prozent.

"Markt überhitzt"

RTL-Geschäftsführer Jörg Graf sagte nun: "Der Wettbewerb um die TV-Rechte hat sich verändert, den Markt teils überhitzt und damit den durchaus ambitionierten, dennoch wirtschaftlich vertretbaren Rahmen verlassen, den wir uns gesteckt haben." RTL zeigt derzeit Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und hat sich zuletzt Rechte für die Europa League und die neu geschaffene Europa-Conference-League gesichert.

In Großbritannien etwa bekommen Fernsehzuschauer die Formel 1 seit 2019 nur dann live zu sehen, wenn sie ein Sky-Abonnement besitzen. Die einzige Ausnahme ist der Große Preis von Großbritannien, der auch weiterhin im Free-TV übertragen wird. Zuvor waren die Rennen 40 Jahre lang im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt worden. (dpa, red, 21.6.2020)