Bei Apple steht ein großer Umbruch an.

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Dass Apple irgendwann einmal auch am Desktop auf eigene Prozessoren wechseln wird, war schon lange keine sonderlich gewagte Prognose mehr. Immerhin haben sich die Chips der A-Reihe bei iPhone und iPad bewährt, und helfen dort Apple auch die Gewinnmarge hoch zu halten sowie Hard- und Software besser abzustimmen. Die Frage war insofern immer nur, wann der große Umstieg kommt. Und nun scheint es tatsächlich so weit zu sein.

Startschuss

Bereits am Montagabend – und damit im Rahmen der Keynote zur World Wide Developers Conference – dürfte Apple den Wechsel weg von Intel-Prozessoren hin zur Eigenentwicklung auf Basis der ARM-Architektur verkünden. Dies war schon vor einigen Tagen durchgesickert, der angesehene Apple-Analyst Ming-Chi Kuo liefert nun aber weitere Details – und zwar zu konkreten Geräten, wie Macrumors berichtet.

Den Anfang sollen demnach zwei sehr unterschiedliche Modelle machen: Einerseits ein neues Macbook Pro mit 13,3 Zoll Bildschirm, andererseits ein iMac mit 24-Zoll-Display. Überraschend ist dies nicht zuletzt deswegen, weil Beobachter bislang davon ausgegangen waren, dass Apple die Umstellung seiner Produktlinie mit Einsteigergeräten beginnen wird – also eher mit einem Macbook oder Macbook Air.

Ablöse statt Parallellauf

Doch Apple scheint von der neuen Strategie vollständig überzeugt zu sein: Laut Kuo soll das neue Macbook Pro seinen Vorgänger nämlich gleich komplett ablösen. Der Vorgänger auf Intel-Basis soll also direkt nach dem Launch der ARM-Variante eingestellt werden. Bisher war erwartet worden, dass Apple eine gewisse Übergangszeit lang beide Architekturen anbieten wird. Immerhin läuft so ein Wechsel der Prozessorarchitektur nie reibungslos ab, es ist also davon auszugehen, dass viele klassische Programme zunächst nicht auf den neuen ARM-Macs laufen werden.

Beim iMac scheint das denn auch die von Apple gewählte Strategie zu sein. So soll laut Kuo einige Monate vor dem iMac auf ARM-Basis auch noch ein neues Modell mit Intel-Prozessoren vorgestellt werden – und zwar bereits im dritten Quartal 2020. Ganz generell soll es aber sonst flott gehen mit dem Wechsel: Der Analyst geht davon aus, dass innerhalb von 12 bis 18 Monaten alle Macs auf ARM-Chips wechseln werden. Ähnlich flott ging es auch beim letzten Prozessorarchitekturwechsel von Apple – dem Umstieg von PowerPC auf x86 – und damit Intel – im Jahr 2005.

Ausblick

Die ersten Geräte mit ARM-Chip sollen den Informationen von Kuo zufolge Ende 2020 oder Anfang 2021 auf den Markt kommen. Ebenfalls in Entwicklung soll derzeit ein ganz neues Modell für die Macbook-Reihe sein, das in der zweiten Hälfte 2021 veröffentlicht werden soll – und zwar mit einem neuen Formfaktor. Was Kuo damit meint, bleibt zunächst unklar, denkbar wäre etwa ein Convertible. Ebenfalls in Entwicklung soll ein Update für das Basis-Macbook sein, das mit einem Mini-LED-Display ausgestattet wird – einer neuen Displaytechnologie, die von vielen als indirekter OLED-Nachfolger gehandelt wird. (apo, 22.06.2020)