Chris Avellone bei der Vorstellung von Dying Light 2 auf der E3 2018.

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Planescape Torment, Fallout 2, Knights of the Old Republic, Fallout: New Vegas, Divinity: Original Sin 2 und das kommende Dying Light 2: Im Lebenslauf des Games-Writers Chris Avellone stehen einige prestigeträchtige Games. Bekannt ist er für seine Story- und Charakterdesigns, die oft von Presse und Spielern viel Lob erhalten haben.

Doch sein guter Ruf könnte bald dahin sein. Mehrere Frauen beschuldigen ihn sexueller Übergriffe. Mehrere Studios haben als Reaktion die Arbeit mit ihm eingestellt.

Mehrere Frauen berichten von Übergriff

So meldete sich etwa eine Frau unter dem Pseudonym "Karissa". Sie berichtet auf Twitter und gegenüber "Kotaku" von mehreren Vorfällen in den Jahren 2012 bis 2014. Avellone soll ihr auf Firmenkosten Alkohol aufgedrängt und sie später gegen ihren Willen geküsst und in ihre Hose gefasst haben. Er sei auf Konferenzen auch immer wieder mit teils sehr jung aussehenden Frauen verschwunden und habe seine hohe Bekanntheit gern genutzt, um Druck auszuüben.

Nach diesen Veröffentlichungen begann auch eine andere Frau aus der Spieleindustrie, über ihre Erlebnisse zu berichten. Damals habe sie versucht, in der Branche Fuß zu fassen, und freute sich ursprünglich über den Kontakt zu Avellone. Doch dieser habe schließlich sehr schnell die Grenzen des beruflichen Umgangs überschritten. Sie teilte einen Screenshot einer Facebook-Konversation mit ihm, in der er ihr praktisch aus dem Nichts vorschlug, Sex zu haben.

Auch eine dritte Frau meldete sich. Sie berichtet davon, dass Avellone ihr 2014 auf einem Branchenevent mehrfach auf den Hintern gegrapscht und versucht hatte, sie auf sein Hotelzimmer zu locken. Seine Freundin, die ebenfalls vor Ort war, habe einfach weggeschaut.

Reue

In ersten Reaktionen gibt sich Avellone reumütig. "Kassandra" habe recht damit, "mich zu hassen", schreibt er in einer Antwort. Er habe ihr und anderen Frauen nie etwas Böses tun wollen und versuche nun, sich zu entschuldigen. Ähnliches schreibt er auch hinsichtlich der anderen Vorwürfe. Bislang hat er sich allerdings nur auf Twitter geäußert, allerdings nicht gegenüber Medienanfragen.

Unternehmen wenden sich ab

Auf beruflicher Ebene haben die Vorwürfe allerdings schon erste Konsequenzen für ihn, dokumentiert Windows Central. Sein Vertrag für die Mitarbeit am Rollenspiel Waylanders seit bereits vergangene Woche ausgelaufen, einen neuen Auftrag dürfte er vom Entwicklerstudio Gato Studios nicht erhalten. Laut der für die erzählerischen Agenden verantwortlichen Emily Buck folgt auch eine Evaluation der von ihm beigesteuerten Inhalte.

Techland, das derzeit am lange erwarteten Zombie-Survival-Titel Dying Light 2 arbeitet, erklärt, dass man die Anschuldigungen "sehr ernst" nehme und die Zusammenarbeit mit Avellone in beiderseitigem Einverständnis beendet habe.

Bei Ubisoft zeigt man sich in einer Stellungnahme "tief besorgt" ob der Anschuldigungen gegen den Schreiber. Man werde sich diese nun genauer ansehen und dann entscheiden, wie man in der Zusammenarbeit mit Avellone weiter verfährt.

Spielerinnen beklagen Belästigung auf Twitch

Avellone ist nicht der Einzige, der sich aktuell mit Vorwürfen konfrontiert sieht. Mehrere Dutzend Frauen berichten von Diskriminierung und sexueller Belästigung durch männliche Mitspieler auf der Streamingplattform Twitch. "Wir nehmen die Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung sehr ernst", erklärten die Betreiber auf Twitter.

Einer der beschuldigten Spieler mit dem Pseudonym SayNoToRage bat in einem auf der Internetplattform YouTube veröffentlichten Video um Verzeihung für sein "egoistisches und unangemessenes Verhalten". Die Taten liegen demnach bereits zwei Jahre zurück.

Eine Videospielerin mit dem Nutzernamen Hollowtide und drei Medienschaffende hatten einen Spieler wegen sexueller Belästigung beschuldigt. Später wurde dieser unter den Pseudonymen "Lono" und "SayNoToRage" identifiziert. Die Anschuldigungen zogen dutzende weitere Berichte in den Online-Netzwerken über Belästigung nach sich. Viele Betroffene beschuldigten den selben Spieler.

Die Branche signalisierte Unterstützung und versprach bessere Regulierung. "Wir schauen uns die betroffenen Konten genau an und arbeiten mit den Strafverfolgungsbehörden, wenn es nötig ist", erklärte Twitch. (gpi, APA, 24.6.2020)