Onlinehändler leiden ebenfalls an der durch Corona verursachten Konsumzurückhaltung, aber lange nicht so wie der Einzelhandel, so eine Studie des Immobilienspezialisten Bulwiengesa. Amazon befindet sich seit Wochen auf Mitarbeiterjagd und inserierte 100.000 Stellenausschreibungen in seinem Firmenblog. Einzelne Händler verdienen besonders stark über Marktplätze wie Amazon oder Ebay, wo beispielsweise Desinfektionsmittel und Atemmasken sich sehr gut verkaufen, aber auch schon zu Wucher- und Betrugsbeschwerden geführt haben.

Amerikanische Tech-Konzerne gewinnen - wirklich?

Amazon steht symbolisch für die Vorteile, die amerikanische Netzkonzerne durch Corona haben. Diese betreiben die weltweiten Plattformen, über die verstärkt der Hauptanteil von Ersatzhandlungen für die risikoreich gewordenen Direktkontakte abgewickelt wird. Google schickt Nutzer auf den Weg zu Inhalten und Unterhaltung über Youtube; Netflix, Amazon Prime oder Disney+ bringen Abwechslung mit Filmen und Serien; Videotelefonate auf Facebook, Skype, Zoom, Talk+ zeigen die Lieben oder die Geschäftspartner. Instagram und andere soziale Medien dienen dem Präsentieren. Wer im Angesicht dieser Entwicklungen jetzt seine Depots gut organisieren will, dem helfen Online-Broker im Vergleich. Und selbst digitale Bankberater sind inzwischen alltäglicher geworden, aber wurden vor einigen Jahren noch als Zukunftsmusik abgetan.

Corona zeigt, dass viele Arbeiten auch von zuhause aus möglich sind.
Foto: VALERY HACHE / AFP

Softwareanbieter für dienstliche Kommunikation profitieren ganz besonders. Zu nennen wären hier unter anderem Zoom mit seinen Videokonferenzen, Microsoft Teams, die Teamkommunikation-App Slack, der schwäbische Dienst Teamviewer, Der Seminar ein Startup aus Sachsen-Anhalt oder Nextcloud aus Berlin.

Microsoft-Aktien erlebten eine Achterbahnfahrt mit einem Tiefstand von 126,60 Euro am 23. März und dann einem Hoch auf 173 Euro am 8. Mai. Damit zeigt Microsoft beispielhaft die Corona-Reaktionen vor allem an den Börsen: Panik, Unsicherheit, Flucht in sichere Häfen. Microsofts Digitalangebote werden nachgefragt, doch auch viele neue Anbieter drängen auf den Markt. Die Zoom-Aktien stiegen beispielsweise von Anfang Jänner bis Ende März 2020 um 112 Prozent.

Doch auch europäische Konzerne mischen mit: Erst Mitte Mai brachte Deutschland eine Corona-Warn-App auf den Markt, welche von den deutschen Techriesen Telekom und SAP gemeinschaftlich entwickelt wurde. Zwar wurde die App an vielen Stellen auch schon im Vorfeld kritisiert, aber weniger für schlechte Technik, sondern eher die Umstände um den späten Veröffentlichungszeitpunkt.

Bayerischer Rundfunk

In Österreich zeigt sich die Situation allerdings umgekehrt: Hier gibt es bereits seit einigen Monaten die "Stopp Corona"-App des Roten Kreuzes, deren Reputation aber litt, nachdem ÖVP-Politiker die Nutzung verpflichtend machen wollten. Ein weiteres großes Manko: Die beiden Corona-Apps sind nicht miteinander kompatibel. Behörden und Organisationen, die grenzüberschreitend tätig sind, müssten sich also sowohl die österreichische “Stopp Corona”-App als auch die deutsche Corona-Warn-App installieren. Nicht sehr optimal und auch eher blamabel für den IT-Standort Europa, wenn solch wichtige Infrastruktur keine sinnvollen Schnittstellen zueinander hat.

Österreichisches Rotes Kreuz

Impfstoffentwickler haben Hoch-Zeit

Die Staaten der Welt sammeln seit Anfang Mai verstärkt Geld, um die Entwicklung von Impfstoffen gegen Corona zu ermöglichen. Die Chefin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, organisierte die Onlinekonferenz. Dabei ging es um fast 7,5 Milliarden Euro. Eine globale Gemeinschaft aus Gesellschaft und Politik sammelt seitdem Geld als Anschubfinanzierung für Impfmittel, Tests und Arzneimittel. Diese Forschungen werden natürlich weltweit von Pharmaunternehmen durchgeführt, die die Produkte dann auf den Markt bringen sollen. Die Milliarden von Anfang Mai sind erst der Beginn des Geldsammelns und im Angesicht dieser Summe dürfte schon klar sein, dass die Pharmaunternehmen zu den Gewinnern der Krise zählen.

Dazu zählt zum Beispiel die Tübinger Pharmafirma Curevac, die als eines von drei auf der Welt führenden Unternehmen an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen COVID-19 arbeitet. Eigentlich dauert es mehrere Jahre bis zur Einsatzfähigkeit eines Impfstoffs, aber generell wird jetzt Hoffnung geweckt, in wesentlich kürzerer Zeit zum Ergebnis zu kommen. Notwendige klinische Studien sollen zügig angegangen werden. Curevac gehört in der Mehrheit dem Biotech-Investor Dietmar Hopp, Anteile besitzen aber auch die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung, um welche sich aktuell einige Verschwörungstheorien ranken, und weitere Investoren wie die staatliche Förderbank von Baden-Württemberg, der Pharmahersteller Eli Lilly und ein Ärzte-Pensionsfonds. Die deutschen Unternehmen Biontech und CureVac oder die Firma Moderna aus den USA stehen ebenfalls mit im Wettbewerb um einen Impfstoff.

Status Quo während Corona?

Wie vieles andere auch werden die Folgen der Corona-Pandemie noch Jahre anhalten und, im Bestfall nachhaltig, die Arbeits- und Lebenssituation ändern. Viele Unternehmen bemerken gerade, dass ihre Mitarbeiter nicht ständig hunderte Kilometer für Geschäftstermine reisen müssen und dass Digitialisierung weder ausschließlich gut noch schlecht ist.

Die Folgen von Corona könnten im Bestfall sein: sensiblerer Umgang miteinander, stärkere Rücksichtnahme auf Gesundheit und eine effizientere Organisation, die allen nützt. Im Bestfall. (Christian Allner, 30.6.2020)

Hinweis: Eine internationale Vorlesungsreihe, unter anderem mit der Uni Klagenfurt, findet von Mai bis Juli 2020 mit dem Fokus auf Pandemie und Gesellschaft statt. Die Ergebnisse der Reihe sollen in einem Sammelband veröffentlicht werden.