Am Trevi-Brunnen in Rom ist es auch nach dem Lockdown sehr ruhig.

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Der Eiffelturm hat wieder geöffnet. Die Aufzüge bleiben allerdings geschlossen.

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In niederländischen Museen, wie hier im Rijksmuseum in Amsterdam, wird streng auf Abstand geachtet.

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Viele Clubs auf den spanischen Inseln, hier auf Mallorca, sperren erst gar nicht auf: Angesichts der behördlichen Auflagen hat offenbar niemand Lust auf Party.

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Kondition braucht, wer jetzt den Eiffelturm besteigen will. Seit diesem Donnerstag hat das Pariser Wahrzeichen wieder geöffnet – nur eben ohne Aufzüge, weil dabei der nötige Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden könnte. Also heißt es sportlich die 674 Stufen zu erklimmen.

Nach Monaten der Sperrung träumen viele Europäer von Sommerferien, aber diese werden heuer etwas anders aussehen – Frühstücksbuffets, geführte Touren und Clubnächte sind wohl tabu. Masken und Temperaturprüfungen sind es definitiv nicht.

Touristenattraktionen vom Kolosseum in Rom bis zur Amsterdamer Eremitage haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um das Risiko eines neuen Ausbruchs des Coronavirus zu minimieren, bei dem in Westeuropa bisher etwa 170.000 Menschen starben.

Geräte und Apps

In Italien wenden sich der Schiefe Turm von Pisa und die markante Kathedrale von Florenz der Technologie zu, um soziale Distanzierung zu erzwingen: Besucher erhalten elektronische Geräte, die vibrieren, wenn sie einander zu nahe kommen. In Barcelona starten die Behörden eine App, mit der Touristen in Spaniens zweitgrößter Stadt ihre Reiserouten planen und Staus und Warteschlangen vermeiden können.

Länder wie Italien und Spanien, in denen der Tourismus etwa ein Achtel des BIP ausmacht, wollen unbedingt Besucher zurücklocken, um die Sommersaison zu retten. Es gibt jedoch Befürchtungen, dass eine Rückkehr zum Massentourismus zu einer zweiten Pandemiewelle führen könnte. Touristen in Spanien, das diese Woche seine Grenzen für die meisten europäischen Besucher wieder geöffnet hat, werden ab dem Moment ihres Eincheckens Veränderungen feststellen. Einige Hotels haben nun Luftreiniger und Wärmebildkameras installiert, sie besprühen die Böden mit Desinfektionsmittel und Matten mit Bleichlösung, um Schuhe und Kofferräder zu reinigen.

Kultur hart getroffen

Am Morgen brauchen die Gäste am Frühstücksbuffet nicht um ihre Favoriten zu kämpfen, sie werden von Mitarbeitern hinter Schutzschirmen bedient. Madrid hat empfohlen, Buffets ganz loszuwerden. Hotels werden die Gäste zudem bitten, mobile Apps für alles zu verwenden, von der Bestellung eines Cocktails bis zur Begleichung von Rechnungen, um den physischen Kontakt zu verringern.

Bei vielen Museen und Denkmälern müssen Besucher jetzt Tickets für bestimmte Zeitfenster online buchen, sich Temperaturprüfungen unterziehen, Masken aufsetzen und sich an Einbahnstraßenregelungen halten. Der niederländische Museumsverband schätzt, dass die Museen des Landes aufgrund der Beschränkung der Besucherzahlen wöchentlich fünf bis sieben Millionen Euro verlieren werden. Die Unesco sagt, dass mehr als zehn Prozent der Museen weltweit möglicherweise nie wieder geöffnet werden, während neue Projekte auf Eis gelegt werden müssten.

Clubbing ist out

Europas Theatern geht es ähnlich: Shakespeare's Globe in London, eine Nachbildung eines elisabethanischen Theaters, warnt davor, dass es ohne finanzielle Hilfe nicht weitergehen wird. In Spanien gibt es Ängste um die Zukunft von Flamenco-Veranstaltungsorten, die auf den Tourismus angewiesen sind.

Für das Nachtleben schaut es nicht besser aus. Die Balearen – bekannt für ihr hedonistisches Nachtleben – haben das Tanzen in Clubs und Strandbars verboten. Einige der Superclubs der Inseln, in denen tausende Nachtschwärmer Platz finden, bleiben geschlossen, nachdem ihnen mitgeteilt wurde, dass sie nur bis zu 100 Personen im Freien aufnehmen dürfen. Kleine Clubs müssen die Tanzfläche mit Tischen und Stühlen beschränken.

Abkehr von der Masse

Italiens Clubs können ab dem 15. Juli wiedereröffnet werden, die Regeln variieren jedoch zwischen den Regionen. Clubber in einigen touristischen Hotspots, darunter Rimini und Riccione, müssen zwei Meter voneinander entfernt tanzen – und das nur unter freiem Himmel. Das Trinken an der Bar ist untersagt, Masken sind in Innenräumen obligatorisch, und Türsteher können eingreifen, um soziale Distanzierung zu erzwingen. Lebendige Clubszenen und große Musikveranstaltungsorte in London, Berlin und Amsterdam bleiben inaktiv. In Berlin müssen Bars und Restaurants im Fall eines Covid-19-Ausbruchs die Kontaktdaten der Kunden aufbewahren. Englands Pubs und Restaurants wurden aufgefordert, dasselbe zu tun, wenn sie ab dem 4. Juli wieder öffnen.

Obwohl Italien seit dem 3. Juni seine Grenzen für Touristen geöffnet hat, bleibt es ruhig in den Städten. Rund um Roms Trevi-Brunnen, wo sich normalerweise Scharen von Touristen drängen, ist fast nichts los. Ein ähnliches Bild bietet die Piazza Navona. Italien rechnet heuer mit einem Rückgang der Besucherzahlen um 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut der nationalen Tourismusagentur Enit dürften die Zahlen bis 2023 nicht wieder auf das Niveau vor Covid zurückkehren.

In den letzten Jahren wurde der Tourismus von großen Gruppen dominiert, insbesondere aus China und den USA. Laut Enit sind die Ankünfte von Flughäfen aus beiden Ländern um mehr als 80 Prozent gesunken.

Und dennoch sieht man in Italien eine Chance, mithilfe kleinerer Reisegruppen und sorgfältig geplanter Touren einen verantwortungsvolleren Tourismus anzustoßen, der in Zukunft verhindern soll, dass Italiens historische Städte von den Massen überlaufen werden. Aber bis dahin wird es noch eine Weile dauern. (Reuters, red, 25.6.2020)