Mexiko-Stadt – Der Polizeichef von Mexiko-Stadt ist bei einem Angriff verletzt worden. Präsident Andres Manuel Lopez Obrador sprach am Freitag in seiner täglichen Pressekonferenz von einem Attentat, bei dem es auch Tote gegeben habe.

Der 38 Jahre alte Polizeichef Omar García Harfuch befinde sich außer Lebensgefahr in einem Krankenhaus, twitterte Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum.

Der Angriff war ihr zufolge am frühen Morgen (Ortszeit) in dem Wohngebiet Lomas de Chapultepec, wo viele Menschen mit höherem Einkommen leben, geschehen. Mehr Details gab es zunächst nicht. Fernsehbilder zeigten ein enormes Polizeiaufgebot am Ort des Geschehens. Nach Angaben der Generalstaatsanwältin der Hauptstadt, Ernestina Godoy Ramos, gab es zwölf Festnahmen. Es soll sich um ein Attentat des Jalisco-Kartells gehandelt haben.

Patronenhülsen am Ort des Anschlags.
Foto: AFP/Pardo

100 Morde pro Tag

Mexiko-Stadt hat rund neun Millionen Einwohner. Der Großraum ist mit etwa 22 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Nordamerikas. Wie ganz Mexiko leidet die Hauptstadt unter hohen Gewaltraten. In dem Land mit 130 Millionen Einwohnern wurden im vergangenen Jahr fast 100 Mordopfer pro Tag registriert. Im Mai waren es in Mexiko-Stadt 115. Die Gewalt geht zu einem großen Teil auf das Konto von Kartellen und Banden, die in Drogenhandel, Entführungen und Erpressung verwickelt sind. Oft haben die Gangster Verbindungen zu örtlichen Sicherheitskräften.

Omar García Harfuch überlebte verletzt.
Foto: AP/Castillo

García Harfuch war im vergangenen Oktober ernannt worden, die Polizei in Mexiko-Stadt – eine Behörde mit 83.000 Beamten – zu leiten. Zuvor hatte er die Ermittlungsabteilungen der Generalstaatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft der Stadt geleitet. Im Jahre 2017 hatte er einen Coup gelandet, als er Damaso "El Licenciado" Lopez Nunez, den Nachfolger von Joaquín "El Chapo" Guzman an der Spitze des Sinaloa-Kartells, mitten in Mexiko-Stadt festnehmen ließ. Beide Gangster-Bosse wurden an die USA ausgeliefert. (APA, 26.6.2020)