Viel Licht bei Wirecard.

Foto: REUTERS/Michael Dalder/File Photo

Aschheim/München – Der insolvente Finanzdienstleister Wirecard hat am Samstag bekräftigt, dass er seinen Geschäftsbetrieb "aktuell" fortsetzt. Mit Ausnahme einer kleinen Entwicklungsniederlassung hätten keine Konzerngesellschaften Insolvenzanträge gestellt, hieß es in einer Pflichtmitteilung. Auch die Wirecard sei "aktuell" nicht Teil des Insolvenzverfahrens, das Kreditkartengeschäft wurde jedoch gestoppt.

Wie das Unternehmen einräumte, musste nach einer britischen Behördenentscheidung die in Newcastle ansässige Kreditkartentochter Wirecard Card Solutions Limited vorläufig ihren Betrieb unterbrechen. Das Unternehmen habe Maßnahmen mit den Behörden diskutiert. Die vorgenommenen Maßnahmen "werden es hoffentlich ermöglichen, den Betrieb fortzusetzen".

Der Wirecard-Vorstand begründete die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs damit, dass er im besten Interesse der Gläubiger sei. Damit darf auch eine in Graz ansässige Tochtergesellschaft weiter hoffen. Die Wirecard Central Eastern Europe mit laut Wirtschafts-Compass 130 Beschäftigten ist bisher nicht von der Insolvenz der Konzernmutter betroffen. Wirecard hatte am Donnerstag Insolvenz angemeldet und dabei nicht ausgeschlossen, dass es auch Töchter treffen wird.

Sachverständiger beauftragt

Laut der Pflichtmitteilung hat das zuständige Amtsgericht München zunächst den Rechtsanwalt Michael Jaffé als Sachverständigen beauftragt. Die Prüfung, ob das Insolvenzverfahren eröffnet werde, dauere an. Das vom Österreicher Markus Braun gegründete Unternehmen, bei dem rund zwei Milliarden Euro wie von Zauberhand verschwunden sein sollen, hat offenbar auch noch genug Geld, um "einige neue Beraterfirmen" mit der Prüfung der Vorwürfe gegen die ehemalige Wirecard-Führung zu beauftragen. Schließlich müsse die Neutralität und Unabhängigkeit von früheren Vorständen des börsenotierten Unternehmens gewährleistet werden, hieß es in der Adhoc-Mitteilung zur Begründung. (APA, 27.6.2020)