Der teilstaatliche Glücksspielkonzern Casag soll fit gemacht werden, der Aufsichtsrat entscheidet über den Weg dorthin.

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Streit der Eigentümer. Neuer Vorstand, dessen Bestellung die Justiz auf den Plan gebracht und die sogenannte Causa Postenschacher ausgelöst hat. Unter den Beschuldigten der Aufsichtsratschef und sein Stellvertreter. Rauchverbot. Schließung aller Kasinos infolge der Corona-Pandemie samt dazugehörigem Ergebniseinbruch; seit Freitag neue Mehrheitseigentümer, die tschechische Sazka-Group. Sie hält, nach dem Ausstieg der Novomatic, nun rund 55 Prozent, die Republik rund 33 Prozent der Anteile, der Rest gehört Kleinaktionären.

Das alles sind nur ein paar Schlaglichter auf jene Ereignisse, die die teilstaatliche Casinos Austria AG (Casag) in den vergangenen Monaten trafen und die sich – zum Teil – im laufenden parlamentarischen U-Ausschuss niederschlagen. Dort sollte die Vorstandschefin des Glücksspielkonzerns, Bettina Glatz-Kremsner, am vorigen Donnerstag aussagen, ihre Befragung wurde aber aus Zeitgründen verschoben.

Neue Struktur

Im Unternehmen steht Glatz-Kremsner, seit rund 30 Jahren im Unternehmen und seit vorigem Mai an der Spitze, jetzt eine Bewährungsprobe bevor. Am 8. Juli kommt der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über das Programm "Refit Casinos Austria" zu entscheiden.

Ein Restrukturierungskonzept, mit dem der Konzern mit seinen zwölf österreichischen und seinen ausländischen Kasinos (Casinos Austria International; CAI), der Lotterien-Tochter und der für die Gastronomie zuständigen Cuisino neu aufgestellt werden soll – und zu dem vor allem ein straff geschnürtes Sparpaket gehört. Die neuen Mehrheitseigner aus Tschechien haben größtes Interesse, das Projekt umzusetzen. Umso mehr, als die Online-Konkurrenz immer stärker wird und die Besucherzahlen in den Kasinos sinken – sowohl in- als auch ausländische Gäste kommen immer seltener.

Radikaler Umbau

Die Eckpunkte des Programms, das nun Abhilfe schaffen soll, reichen von Jobabbau über neue Gehaltsstrukturen bis hin zum gesellschaftsrechtlichen Umbaut des Konzerns, der in Österreich rund 1580 Beschäfigte hat (Ende 2019). Was im Paket dazu beschlossen werden soll: neuer Kollektivvertrag, neue Betriebsvereinbarungen, Absenkung der Durchschnittsgehälter (beides auch im Management), Sozialpläne, Teilzeit- und Ausstiegsmodelle für die Mitarbeiter samt Gewährung von Abfertigungen.

Dazu kommt die Redimensionierung nicht so gut laufender Kasinos (am besten gehen Wien und Bregenz). Und der Konzern soll neu aufgestellt werden: Eine schlanke Holding oben, darunter die operativen Gesellschaften für "Casinos Austria National" und CAI auf der einen Seite und die Österreichischen Lotterien auf der anderen Seite.

Wunsch nach neuen Aufsichtsbestimmungen

Außerdem peilt man offenbar Gespräche mit der Aufsichtsbehörde und dem Finanzministerium an, um bestehende Aufsichtsbestimmungen "anzupassen", wie es im Refit-Programm sinngemäß heißt. Einzige Alternative zu alldem: "Schließung mehrerer Casinos und daraus folgender Verlust weiterer Arbeitsplätze".

Die Mitarbeiter werden so oder so bluten müssen. Denn eine interne Analyse hat ergeben, dass von den Casag-Betriebskosten (2019: rund 150 Mio. Euro) fast 96 Mio. (64 Prozent) auf den Personalaufwand entfallen, in den Kasinobetrieben entspricht das fast der Hälfte der Nettospielerlöse.

Vor allem die "alten" Mitarbeiter, die 2006 und somit vor der damaligen Casag-Restrukturierung angestellt wurden, kosten viel. Aus Berechnungen der Casag geht hervor, dass ein Mitarbeiter des alten Gehaltsschemas pro Monat mit rund 6200 Euro brutto heimgeht, einer, der nach 2006 in die Casag kam, mit 2700 Euro. Diese Unterschiede möchte man nun planieren – was freilich die Zustimmung der Belegschaftsvertreter und, im Bezug auf einen neuen Kollektivvertrag jene der Sozialpartner voraussetzt.

Vorstand bekam 12,6 Millionen Euro

Wobei: Das Jahr 2019 war in Bezug auf die Personalkosten besonders teuer, in erster Linie wegen Zahlungen an den Vorstand. Die Altvorstandsmitglieder Alexander Labak und Dietmar Hoscher wurden ja per Mai 2019 früher heimgeschickt, der Vorstand neu besetzt. Ex-Finanzvorstand Glatz-Kremsner bekam anlässlich ihres Aufstiegs in den Chefsessel eine Abfertigung (1,6 Mio.), im Unternehmen betont man, dass sie nun aber auch weniger verdiene als zuvor als "einfaches" Vorstandsmitglied.

Samt Auflösungskosten und Pensionsverpflichtungen u. Ä. kosteten die in Summe fünf Vorstandsmitglieder, die im Vorjahr am Werk waren, 12,6 Mio. Euro. Das erschließt sich aus Casag-internen Berechnungen.

400 Jobs weniger

Nach dem Sparpaket soll das alles anders werden. Stimmt der Aufsichtsrat am 8. Juli zu, soll die Zahl der Casag-Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente) von zuletzt rund 1580 bis zum Jahr 2022 um rund 390 sinken, die Durchschnittsgehälter sollen so reduziert werden, dass die Personalkosten um rund 25 Mio. Euro gedrückt werden können.

Der Weg dorthin: Gehaltskürzungen, freiwillige Teilzeitmodelle, freiwillige "Eigenkündigungen". Und: Das neue Gehaltsschema soll mehr variable Bestandteile enthalten – und auch die Trinkgelder ("Cagnotte"; ist seit 2006 im Fixgehalt drin) sollen wieder zu variablen Gehaltsbestandteilen werden.

Rute im Fenster

Der Zeitplan ist ambitioniert. Die Einigung mit dem Zentralbetriebsrat und die Umsetzung des neuen Kollektivvertrags sollen im September stehen, Ende des Jahres soll das neue Gehaltsschema eingeführt und im Herbst über etwaige Standortschließungen entschieden sein. Die organisatorische Umstrukturierung soll Ende 2020 abgeschlossen, die Unternehmenszentrale im ersten Quartal 2021 neu organisiert sein, so die Idee.

In der Casag selbst kommentiert man das alles nicht, Unternehmenssprecher Patrick Minar verweist auf die zuständigen Gremien. Er konzediert aber "größeren Handlungsbedarf", der zum einen aus den massiven Folgen der Corona-Krise resultiere, zum anderen aber auch aus "weiter zurückreichende Problemen". (Renate Graber, 29.6.2020)