Das Internet sieht nach Energiesparen aus, könnte uns aber schnurstracks in die nächste strukturelle CO2-Falle führen.

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Der Verkehr ist unbestritten der Klimasünder Nummer eins, allen voran Auto und Flugzeug. Die strukturelle Ursache dafür liegt in unserem Wirtschaftssystem. Die Einkaufszentren und Flughäfen an der Peripherie der Städte und Ballungsräume sind sozusagen die Kathedralen entfesselter Märkte, die Mega-Umschlagplätze des hemmungslosen Wirtschaftswachstums.

Aber es beginnt schon bei den kleinen alltäglichen Verrichtungen, wenn wir zum Lebensmittelsupermarkt mit dem Auto fahren müssen, weil er genau in der Mitte zwischen zwei Orten steht.

Entdeckt haben wir es schon früher, so richtig aufmerksam geworden sind wir aber erst in der Corona-Krise: das Internet. Wir können Waren bestellen und liefern lassen, müssen nicht alles höchstpersönlich abholen. Wir können an Videokonferenzen teilnehmen, auch wenn wir ein bisschen Zeit gebraucht haben, die Hemmschwelle zu übersteigen.

Die nächste Falle

Das Internet sieht also nach Energiesparen aus, könnte uns aber schnurstracks in die nächste strukturelle CO2-Falle führen. So schreibt der Verein für Konsumenteninformation in seiner Zeitschrift Konsument Folgendes: "Die CO2-Belastung durch das Internet ist mittlerweile gleichzusetzen mit jener des gesamten weltweiten Flugverkehrs." Dabei frisst das Streamen von Videos derzeit die meiste Energie.

Auch wenn wir die Shopping-Citys jetzt nicht auf der Stelle zusperren können oder die Autos abschaffen, zu sehr sind sie Grundlage unserer Alltagsstrukturen, so sollten wir erst recht trachten, dass sich die Informationstechnologie nicht zum nächsten CO2-GAU entwickelt.

Nur am Rande: Ein vollautonomes Auto benötigt zur Steuerung noch einmal so viel Energie wie allein zur Fortbewegung. (Rudolf Skarics, 9.7.2020)