• Nach Entdeckung des Linzer Clusters kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bundesweit schärfere Kontrollen an. Er verwies im Ö1-"Mittagsjournal" dabei auf Linz, wo etwa die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln verstärkt kontrolliert werden soll. Die effektive Reproduktionszahl lag bundesweit bei 1,37.
  • Insgesamt 16 Covid-positive Bewohner eines Wiener Pflegeheims sind verstorben. In den vergangenen Wochen wurden keine Neuinfektionen registriert. Ein infizierter Bewohner befindet sich noch in einem Spital, in kritischem Zustand.
  • In Israel steigt die Zahl der Neuinfektionen auf neue Rekordwerte, deshalb werden neue Beschränkungen eingeführt.
  • Die Anzahl der Neuinfektionen ist in Österreich am Freitag zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen dreistellig. Waren es am Mittwoch 107 Neuinfizierte gewesen, beträgt der Zuwachs nun 109. Der Hotspot ist dabei erneut Oberösterreich.
  • In England öffnen nach mehr als drei Monaten wieder die Pubs. Während sich viele Engländer freuen, fürchten sich Polizei und Mediziner vor "betrunkenen Clowns". Zudem werden die Einreisevorschriften für mehrere Länder gelockert.
  • Erneut gibt es traurige Rekordmeldungen aus den USA. 55.000 Neuinfektionen an einem Tag sind der weltweit höchste je gemeldete Anstieg. Nun sind vor allem der Süden und Westen betroffen.
  • US-Präsident Donald Trump führt die hohen Infektionszahlen auf die Ausweitung der Tests zurück.

Anschober kündigt schärfere Kontrollen an

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kündigte an, dass Kontrollen wie in Linz bundesweit verschärft werden sollen. Er wies Kritik zurück, wonach Bund und Länder bei Corona-Maßnahmen wie in Linz besser kommunizieren müssten.
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Nach der Entdeckung des Corona-Clusters in Oberösterreich, woraufhin Schulen geschlossen wurden, hat der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) im Ö1-"Mittagsjournal" schärfere Kontrollen in der Landeshauptstadt angekündigt. Sowohl Kontrolleure der Linz Linien, Wachleute des städtischen Ordnungsdienstes als auch noch zusätzlich von der Stadt beauftragtes Security-Personal kontrollieren etwa die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Laut Luger seien auch bereits Fahrgäste aus der Straßenbahn verwiesen worden, weil sie sich geweigert hätten, eine Maske aufzusetzen. Zudem sei "überhaupt nicht einzusehen, dass in Bars keine Abstandsregeln eingehalten werden". Auch hier werde es verstärkte Kontrollen geben. Luger spricht auch von Anzeigen und Strafen.

Aber nicht nur Linz: Überhaupt kann man sich in Oberösterreich vorstellen, die Kontrollen weiter zu verschärfen. Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) bezeichnete die Reproduktionsrate von derzeit 2,7 als "sehr besorgniserregend". Die Zahl der in Oberösterreich positiv auf Covid-19 Getesteten ist laut oberösterreichischem Krisenstab von Donnerstag 15 Uhr auf Freitag 12 Uhr von 257 auf 284 gestiegen. Allein dem Cluster "Freikirche" in Linz waren 121 Fälle zuzurechnen. Acht Schulen und zwei Kindergärten meldeten zudem Neuinfektionen.

Derzeit könne man noch alle Neuinfektionen im Zusammenhang mit dem bekannten Cluster lückenlos rückverfolgen, so die gute Nachricht vonseiten des oberösterreichischen Landeshauptmanns Thomas Stelzer (ÖVP).

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kündigte an, dass Kontrollen wie in Linz bundesweit verschärft werden sollen. Zudem verwies er auf die neue Teststrategie.

Er wies Kritik zurück, wonach Bund und Länder bei Corona-Maßnahmen wie in Linz besser kommunizieren müssten. Laut Anschober sei der Bund in erster Linie dann zuständig, wenn ein Cluster Bundesländergrenzen überschreite. Das sei in Oberösterreich nicht der Fall gewesen, deshalb seien die regionalen Sicherheitsbehörden zuständig gewesen. Im Hinblick auf den Herbst sagte er jedoch, dass Schulen zu schließen "nicht das Mittel erster Wahl sein kann und wird".

Dabei ist die Situation in Österreich laut Experten stabil: Eine in der jüngsten Vergangenheit in der Öffentlichkeit immer wieder herbei gefürchtete "zweite Welle" lässt sich aus der Datenanalyse der Ages-Epidemiologen und Experten der TU-Graz keinesfalls ablesen. Viel eher zeigen sich in einigen Bundesländern kurzfristige "Zacken" in den Kurven.

Für ganz Österreich pendelte die effektive Reproduktionszahl seit Mitte Mai um den Wert 1, um dann ab 18. Juni auf bis zu 1,37 (1. Juli) anzusteigen.

16 Bewohner von Wiener Pflegeheim verstorben

In jenem Pflegeheim in Wien-Liesing, in dem zuletzt zahlreiche Infektionen mit dem Coronavirus diagnostiziert worden waren, sind in den vergangenen Wochen insgesamt 16 Bewohner gestorben. Laut einem Sprecher des Heimträgers starben die Covid-19-Positiven nicht im Heim, sondern in Krankenhäusern.

Die meisten der an Covid-19 erkrankten Patienten waren hochbetagt und litten an Vorerkrankungen, hieß es. In den vergangenen zwei Wochen sind in dem Haus jedoch keine Neuinfektionen mehr registriert worden. Ein – bereits zweites – behördliches Flächenscreening wurde jetzt abgeschlossen.

Derzeit befindet sich noch ein infizierter Bewohner der Pflegeeinrichtung in einem Spital. Der Gesundheitszustand der betroffenen Person müsse als kritisch angesehen werden, hieß es. Im Haus selbst werden laut dem Sprecher noch fünf infizierte Bewohner auf der Isolierstation betreut.

Bei einigen sei bereits eine "spürbare Besserung" des Gesundheitszustandes feststellbar, wurde betont: "Wir rechnen hier in den nächsten Tagen mit negativen Testergebnissen. Die ersten Personen konnten zuletzt auch aus dem Spital entlassen werden." Zudem haben von zehn Mitarbeitern, die nach dem Ausbruch positiv getestet worden sind, vier bereits ebenfalls einen negativen Befund erhalten.

Die Infektionskette dürfte, das ist bereits bekannt, von einer Mitarbeiterin ausgegangen sein. Als Träger unternehme man in enger Abstimmung mit den Behörden alles, damit sich die Situation im Haus weiter stabilisierte, wurde versichert.

Israel führt neue Einschränkungen ein

Benjamin Netanjahu: "Wir müssen zu der Politik der Beschränkungen zurückkehren, damit die Kurve wieder flacher wird."
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Angesichts eines Rekordwerts von 996 Corona-Neuinfektionen in 24 Stunden verhängt Israel neue Einschränkungen. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Donnerstag, Versammlungen sollten wieder beschränkt werden. In Festhallen, Bars und Clubs dürfen nur noch bis zu 50 Menschen zusammenkommen, an anderen geschlossenen Orten, darunter auch Gebetshäusern, dürfen sich nur noch bis zu 20 Menschen versammeln.

"Wir müssen zu der Politik der Beschränkungen zurückkehren, damit die Kurve wieder flacher wird", sagte Netanjahu. Sonst drohe ein Kontrollverlust. Gleichzeitig kündigte er ein wirtschaftliches Hilfsprogramm für das kommende halbe Jahr an.

Zahl der Neuinfektionen in Österreich erneut dreistellig

Die Anzahl der Neuinfektionen ist in Österreich am Freitag zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen dreistellig. Waren es am Mittwoch 107 Neuinfizierte gewesen, beträgt der Zuwachs nun 109. Der Hotspot ist dabei erneut Oberösterreich, wobei es da nach 61 am Mittwoch und 42 am Donnerstag mit nun 50 wieder ein Plus gab. Wien folgt am Freitag mit 36 Neuinfektionen.

Insgesamt stieg die Zahl jemals in Österreich positiv Getesteter auf über 18.000, die exakte Zahl positiver Testergebnisse liegt nach Information des Innen- und Gesundheitsministeriums nun bei 18.050. Über 17.000 war die Zahl am 10. Juni gestiegen, also 23 Tage davor.

Da im Tagesvergleich "nur" 44 Neugenesene in der Statistik aufscheinen, stieg die Zahl der aktiv Erkrankten seit Donnerstag um 65 auf 787. Am Montag waren es bundesweit noch 600 aktiv Erkrankte gewesen, am Dienstag 583, danach erhöhte sich die Zahl aber vor allem durch den Oberösterreich-Cluster auf 677, 722 und nun eben 787. Um Mitte Juni war die Zahl der in Österreich aktiv Erkrankten bereits kurzfristig unter 400 gefallen.

Pubs in England öffnen wieder

Die Pubs in England dürfen am Samstag wieder öffnen. Die Betreiber sind vorbereitet und freuen sich bereits darauf.
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Nach mehr als drei Monaten öffnen am Samstag in England wieder die Pubs. Was viele Briten freut, macht der Polizei, etlichen Politikern und Medizinern Sorgen. Sie warnen vor Gewalt und Zuständen in Notaufnahmen wie in einem "Zirkus voller betrunkener Clowns". Das Virus könnte sich dadurch auch schneller ausbreiten. Scotland Yard hat vorsichtshalber die Zahl der Einsatzkräfte in der Hauptstadt für das Wochenende stark erhöht. "Verhalten Sie sich ruhig. Seien Sie sensibel. Passen Sie auf sich und Ihre Familie auf", warnte Polizeichefin Cressida Dick in London.

Nächste Woche lockert England zudem seine wegen der Corona-Pandemie getroffenen Quarantäne-Vorschriften für Einreisende aus etwa 60 Ländern und Überseegebieten. Bisher war nur bekannt, dass sich Besucher unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien ab dem 10. Juli bei ihrer Ankunft nicht mehr selbst für 14 Tage isolieren müssen. Eine Liste aller Länder, die von der Quarantäne ausgenommen werden, wurde am Freitag veröffentlicht. Sie umfasst auch Österreich.

Die neue Regelung gilt nur für England. In Wales, Schottland und Nordirland sind weiter die alten Vorschriften in Kraft.

Neue Rekordzahlen in den USA

Greg Abbott, Gouverneur des US-Bundesstaates Texas, führte nun doch eine Maskenpflicht ein. Sie gilt für alle Bezirke mit über 20 Fällen.
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In den USA ist das Coronavirus weiter auf dem Vormarsch. Binnen eines Tages wurden über 55.000 Neuinfektionen festgestellt. Das ist einer Reuters-Zählung zufolge der weltweit höchste jemals gemeldete tägliche Anstieg. Am späten Donnerstag wurden 55.274 neue Fälle registriert. Bisher lag der Rekord in Brasilien, das am 19. Juni 54.771 Neuinfektionen bekannt gab.

Die Infektionszahlen in den USA steigen rasant: Noch vor zwei Wochen betrug die Zahl der täglichen Neuinfektionen etwa 22.000. Der US-Epidemiologe Anthony Fauci warnte erst Anfang der Woche davor, dass die Schwelle von 100.000 Neuinfektionen am Tag überschritten werden könnte, sollten keine Maßnahmen wie das Tragen von Masken oder Abstandsregeln befolgt werden.

War zu Beginn der Pandemie noch New York im Nordosten des Landes das Epizentrum, so breitet sich das Coronavirus nun nach Süden und Westen aus. Allein in Florida wurden am Donnerstag mehr als 10.000 neue Fälle registriert. Um die Ansteckungswelle zu stoppen, setzten einige Bundesstaaten die bereits eingeleiteten Lockerungen von Auflagen aus. Bars und Strände wurden geschlossen, Feuerwerke zum bevorstehenden Unabhängigkeitstag am Samstag abgesagt.

Maskenpflicht in Teilen von Texas

Mit einer Maskenpflicht gehen die US-Bundesstaaten unterschiedlich um. Der Gouverneur des US-Bundesstaates Texas vollzog am Donnerstag eine Kehrtwende und führte diese wieder ein. Diese gelte für alle Bezirke mit über 20 Fällen, kündigte der Republikaner Greg Abbott an. Führende demokratische Politiker aus den Ballungsräumen von Texas fordern diesen Schritt seit Monaten, Abbott hielt ihn aber wie viele Republikaner bisher nicht für nötig.

Insgesamt sind in den USA mehr als 2,7 Millionen Corona-Infektionen registriert worden. Über 128.000 Menschen starben dort nach amtlichen Statistiken an Covid-19. Kein Land ist so stark von der Pandemie betroffen wie die USA.

Trump kennt den Grund

Trump zieht wieder einmal voll durch und sieht den Grund für die hohen Fallzahlen in der hohen Anzahl der Testungen.
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Den Grund für den rasanten Anstieg der Corona-Fallzahlen sieht Präsident Donald Trump wieder darin, dass in dem Land so viel getestet werde. "Es gibt eine Zunahme der Coronavirus-Fälle, weil unser Testverhalten so massiv und so gut ist, viel größer und besser als in jedem anderen Land", schrieb er am späten Donnerstagabend auf Twitter. Dies seien großartige Neuigkeiten. Außerdem sei die Sterblichkeitsrate zurückgegangen, und jüngere Menschen erholten sich viel leichter und schneller.

Kritiker werfen ihm vor, das Infektionsgeschehen herunterspielen zu wollen. Sie verweisen auf eine steigende Zahl von Krankenhauseinweisungen. Sie machen außerdem geltend, dass bei einer Ausweitung der Tests die Anzahl der positiven Resultate zurückgehen oder zumindest gleich bleiben müsste, wenn Trumps These stimmen sollte. Auch renommierte Experten weisen Trumps Begründung zurück und machen vorrangig die Lockerung von Corona-Beschränkungen für den Anstieg verantwortlich. (APA, red, 3.7.2020)