Nach seinem Auftritt in Tulsa war Donald Trump enttäuscht (im Bild unmittelbar nach seiner Ankunft beim Weißen Haus nach der Kundgebung).

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Trotz der geringen Besuchszahlen erweist sich das Event als Virenschleuder.

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Oklahoma City – Gewöhnlich kommentiere man nicht einzelne Events, sagte der Gesundheitsdirektor der Stadt Tulsa in Oklahoma, Bruce Dart, am Mittwoch. "Aber wir haben in den vergangenen Tagen fast 500 neue Fälle festgestellt, und wir hatten vor zwei Wochen mehrere große Versammlungen – ich würde also sagen, man muss nur die einzelnen Punkte verbinden." Was Dart damit meint: Die schon im Vorfeld vielkritisierte Wahlkampfkundgebung von US-Präsident Donald Trump und die Proteste dagegen hätten, so sagt er, "sehr wahrscheinlich" zu einer massiven Beschleunigung der Corona-Pandemie in der Großstadt beigetragen.

Verdachtsfälle hatte es laut einem Bericht der Agentur AP schon vorher gegeben: Ein Reporter der Zeitung "Oklahoma Watch", der bei der Veranstaltung war, hatte einen positiven Corona-Test abgegeben, auch sechs Mitglieder der Trump-Kampagne und zwei Mitarbeiter des für den Schutz des US-Präsidenten zuständigen Secret Service sind mittlerweile an Covid-19 erkrankt. Die Fälle in Tulsa sind am Mittwochmittag auf 261 gestiegen, ein neuer Höchststand für Fälle binnen 24 Stunden in der Stadt. Tulsa hat 400.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Zum Vergleich: Österreich mit seinen rund neun Millionen hatte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag 82 Fälle binnen 24 Stunden registriert.

Umstrittene Rede, leere Ränge

Trumps Wahlauftritt in Tulsa hatte schon im Vorfeld für massive Kritik gesorgt. Zum einen, weil schon zum Zeitpunkt der Ankündigung steigende Fallzahlen in Oklahoma registriert worden waren. Zum anderen wegen des Datums. Trump hatte eigentlich den 19. Juni ("Juneteenth") für seinen Auftritt vorgesehen, jenen Tag, an dem des Endes der Sklaverei gedacht wird. Tulsa wurde wegen des Massakers an der dort lebenden schwarzen Bevölkerung im Jahr 1921 als besonders unpassender Ort empfunden. Nach Protesten verschob Trump den Auftritt dann auf den 20. Juni.

Bei der Rede des Präsidenten selbst blieben dann zahlreiche Ränge leer, was Trump stark irritierte. Seine Wahlkampagne hatte neben einer großen Halle sogar noch einen Platz davor reserviert, um für überschüssige Besucherinnen und Besucher einen Auffangraum zu schaffen, wo sie die Ansprache verfolgen können. Dazu kam es aber nicht. Zu den geringen Besuchszahlen beigetragen haben wollen auch Mitglieder des sozialen Mediums Tiktok, die zur Bestellung von Tickets aufriefen, ohne diese tatsächlich nutzen zu wollen. So sollten tatsächlich Interessierte von der Besuchsmöglichkeit ausgeschlossen werden.

Gelder streichen, wenn Schulen nicht öffnen

Der US-Präsident setzt seine Wahlveranstaltungen dennoch fort. Am Vortag des Unabhängigkeitstags, am 3. Juli, hielt er eine weitere Rede vor Unterstützerinnen und Unterstützern bei Mount Rushmore, South Dakota. Die meisten der eng aneinandergedrängten Besucherinnen und Besucher trugen dabei keine Masken – die Veranstalter hatten de facto zu einem Verzicht darauf aufgerufen. Im Kleingedruckten der Teilnahmebedingungen schloss die Trump-Kampagne aber auch jegliche juristische Verantwortung für eine mögliche Ansteckung aus.

Trump hat derweil in der Nacht auf Donnerstag ein neues Thema für sich entdeckt. Er drohte via Twitter Schulen mit dem Entzug von Geldern, sollten sie im Herbst nicht den Unterricht normal fortsetzen – ganz unabhängig von der Entwicklung rund um die Pandemie. Deutschland, Dänemark, Norwegen und Schweden würden zeigen, dass "SCHULEN OHNE PROBLEME OFFEN SIND", twitterte er in Großbuchstaben und ohne auf die heftigen Debatten rund um die Schulöffnung in Schweden und die jüngsten Schulschließungen in deutschen Corona-Gebieten rund um Gütersloh einzugehen. Sein Vizepräsident Mike Pence hatte in der Debatte zuvor schon zu Protokoll geben, die Regierung wolle nicht, dass "Empfehlungen der [Seuchenbehörde, Anm.] CDC der Grund sind, wieso Schulen nicht öffnen". (mesc, 8.7.2020)