Die russische Feuerwehr kämpft gegen massive Waldbrände in Sibirien.

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Moskau – Trotz anhaltender Rekordtemperaturen in Sibirien ist die Zahl der verheerenden Waldbrände in der russischen Region nach offiziellen Angaben erkennbar zurückgegangen. Wie der russische Waldbeobachtungsdienst mitteilte, kämpften Feuerwehrleute am Samstag noch gegen 136 Waldbrände auf einer Gesamtfläche von 43.000 Hektar.

Um die Brände unter Kontrolle zu bekommen, setzten die Einsatzkräfte demnach auch Sprengstoff ein. Damit soll den Bränden vorübergehend Sauerstoff entzogen werden. Durch eine sogenannte Wolkenimpfung soll zudem die Regenwahrscheinlichkeit erhöht werden. Dabei wird in der Regel Silberiodid mit Geschossen in die Wolken verbracht, dies soll die Regenbildung unterstützen.

Zwei Millionen Hektar in Brand

Ein Großteil der Feuer sei allerdings sehr schwer erreichbar, erklärte der Waldbeobachtungsdienst, der auch auf die hohen Kosten solcher Feuerwehreinsätze verwies. Demnach stehen nach wie vor Gebiete mit einer Fläche von mehr als 330.000 Hektar in Flammen, ohne dass dort Feuerwehrleute im Einsatz sind. Vergangene Woche brannte es in Sibirien noch auf einer Fläche von zwei Millionen Hektar.

Wie Satellitenaufnahmen zeigten, ist nach wie vor die an den Arktischen Ozean angrenzende Region Jakutien besonders schwer von den Waldbränden betroffen. Die dortige Regionalregierung hatte vergangene Woche den Notstand ausgerufen.

Seit Mitte Juni hat sowohl die Zahl der Waldbrände als auch deren Intensität in Sibirien sowie in Teilen von Alaska im Vergleich zu den Vorjahren massiv zugenommen. Klimaforscher sehen die Ursache dafür in einer Kombination aus beispiellos hohen Temperaturen und einer niedrigen Bodenfeuchtigkeit.

Viel öfter Hochdruck in Sibirien

Der russische Wetterexperte Roman Vilfand erklärte, Hochdruckgebiete seien in den vergangenen Jahren in der nördlichen Hemisphäre sehr viel üblicher geworden – auch in der Arktis. Sogenannte Antizyklone verhindern die Wolkenbildung und somit auch Regen. Für den Polarkreis, wo es im Sommer nicht dunkel wird, bedeutet das in den Sommermonaten permanente Hitze auf der Erdoberfläche.

Nach Angaben von Greenpeace wurden in Russland seit Jahresbeginn mehr als neun Millionen Hektar Land durch Waldbrände beschädigt. Dies entspricht etwa der Fläche Portugals. Die Umweltschutzorganisation kritisiert die unzureichende Finanzierung von Forstämtern in Russland, die nicht genug Mittel zur Prävention von Waldbränden hätten. (APA, 11.7.2020)