In der Pandemie vereint: Apple und Google.

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Covid-19 hat etwas geschafft, das vor nicht allzu lange Zeit noch unvorstellbar schien: Apple und Google zur gemeinsamen Softwareentwicklung zu bringen. Seit Mai ist das Ergebnis dieser Bemühungen nun bereits verfügbar, nun holen die Unternehmen aber noch einen wichtigen Schritt nach, der vor allem eines schaffen soll: Vertrauen.

Sowohl Google als auch Apple haben den Quellcode für ihre jeweiligen Implementationen des gemeinsamen "Exposure Notification"-Frameworks freigegeben. Damit können interessierte Experten nun selbst nachsehen, wie das Tracing konkret umgesetzt wurde – und zwar in der Praxis und nicht nur in den schon früher veröffentlichten Designdokumenten.

Github

Bei der Umsetzung der Source-Code-Veröffentlichung zeigt sich allerdings auch schnell, wer mehr Erfahrung mit Open-Source-Projekten. So hat Google den Code kurzerhand auf Github unter einer Apache 2.0-Lizenz veröffentlicht, womit das Ganze leicht für andere Entwickler zu übernehmen und weiter zu modifizieren ist. Bei Apple gibt es den Quellcode auf der Übersichtsseite zum Contact-Tracing lediglich zum Herunterladen. Zuvor muss auch ein eigenes " Exposure Notification Sample Code License Agreement" akzeptiert werden.

Apple hat die entsprechenden Schnittstellen mit dem Update auf iOS 13.5 an alle Nutzer aktueller iPhones ausgeliefert. Unter Android wurde das "Exposure Notification"-Framework mittels eines Updates der Play Services ausgeliefert, was bedeutet, dass es mittlerweile auf den allermeisten derzeit im Umlauf befindlichen Geräten mit Google-Diensten zu finden sein sollte. Immerhin aktualisiert Google die Play Services getrennt von den System-Updates der jeweiligen Hersteller, ist also nicht von deren Kooperationsbereitschaft abhängig.

Durchleuchten

Mit der Freigabe des Quellcodes von Apple und Google wird ein weiterer Schritt zur Transparenz entsprechender Apps vorgenommen. So ist zwar der Quellcode der österreichischen "Stopp Corona" oder der deutschen "Corona Warn"-App schon länger frei verfügbar, das Contact-Tracing selbst ist darin aber nicht zu finden – da es eben von Apple und Google übernommen wird. Der Grund dafür ist, dass nur die Verankerung in Android und iOS eine technisch halbwegs brauchbare Umsetzung garantiert. Zuvor hatten die meisten Apps vor allem unter iOS gar nicht oder nur sehr eingeschränkt funktioniert.

Einbau

Die Source-Code-Veröffentlichung könnte nicht zuletzt für die Entwickler alternativer Android-Versionen von Interesse sein. Immerhin haben diese damit die Möglichkeit, das Tracing-Framework in ihre eigene Software zu integrieren. (apo, 23.07.2020)