Wer in die Welt der sicherheitspolitischen Thinktanks eintaucht, landet in einem grotesken Paralleluniversum. Da sitzen meist alte Männer herum und diskutieren über die Zukunft der Geopolitik. Meist behängt wie ein Tannenbaum, mit allerlei Abzeichen und Orden merkwürdiger Verbindungen. Da versuchen sich Glücksritter lukrative Jobs, Macht und Abenteuer zu verschaffen. Genau diese Großmannssucht ist ein gefundenes Fressen für Geheimdienste und andere klandestine Organisationen.

Der Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek soll gute Kontakte zum russischen Geheimdienst, aber auch zur Bundesregierung unterhalten.
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Das fliegt Österreich gleich mehrfach um die Ohren. Da wäre etwa der Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek, dem sein Einfluss als Finanzchef eines Dax-Konzerns offenbar nicht genug war. Er umgab sich mit zwielichtigen Personen aus dem Umfeld des russischen Geheimdienstes und versuchte sich auch mit den österreichischen Sicherheitsbehörden zu vernetzen. Das gelang ihm offenbar: Dass die Nowitschok-Geheimdokumente aus Österreich stammen, ist wieder einmal ein schwerer Schlag für das Ansehen der Republik bei westeuropäischen Partnern. Aber auch die Affäre rund um einen Kreml-nahen Thinktank, der mit dem Bundesheer kooperierte und einen sozialdemokratischen Ex-Kanzler im Supervisory-Board hat, sorgt für Kopfschütteln bei Partnerdiensten. Warum lassen sich Österreicher und heimische Behörden so leicht um den Finger wickeln? Wenn es so weitergeht, muss wohl ein U-Ausschuss diese Frage beantworten. (Fabian Schmid, 30.7.2020)