175 Neuerkrankungen mit dem Coronavirus sind am Freitag in den vergangenen 24 Stunden in Österreich hinzugekommen.

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Gesundheitsminister Anschober wehrte sich am Freitag dagegen, den Babyelefanten "gekillt" zu haben und erinnerte an den Mindestabstand.

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Der Babyelefant als Abstandsmesser ist weiterhin wichtig für die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie.

Der Wiener Stadtrat Peter Hacker will kostenlose Covid-19-Tests bei der Einreise nach Österreich.

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Die Vorsichtsmaßnahme in China sind weiter hoch, Peking erlaubt seit einer Woche teilweise wieder Kinos zu öffnen.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet einen Rekordanstieg der weltweit gemeldeten neuen Infektionen: Deren Zahl sei innerhalb eines Tages um 292.527 angestiegen, die der Todesfälle um 6.812. Die größten Zunahmen bei der Fallzahl wurden demnach in den USA, Brasilien, Indien und Südafrika verzeichnet.
  • 175 Neuerkrankungen mit dem Coronavirus sind am Freitag in den vergangenen 24 Stunden in Österreich hinzugekommen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte deshalb die Wichtigkeit von Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen. Die Missachtung des Mindestabstands sei zwar nicht mehr strafbar, trotzdem sei dieser aber wichtig für das Eindämmen der Pandemie.
  • Am Donnerstag wurde eine Vorarlbergerin nach ihrer Rückkehr vom Urlaub am Wörthersee positiv auf Covid-19 getestet. Die Kärntner Behörden verständigten nun 750 Personen, die am vergangenen Samstag, 25. Juli, im Casino Velden waren.
  • Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) will darüber diskutieren, an der österreichischen Grenze noch strenger zu kontrollieren und generell nur noch Menschen mit einem negativen Corona-Test einreisen zu lassen. Diese Tests sollen kostenlos allen Einreisenden zur Verfügung stehen, sagte er im Ö1-"Morgenjournal".
  • Die bisher geltenden Landeverbote für Flugzeuge aus 18 Ländern sind mit Freitag ausgelaufen.
  • In der Eurozone hat die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wegen der Corona-Krise den stärksten Einbruch seit 25 Jahren erlitten. In den Monaten April bis Juni ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Quartalsvergleich um 12,1 Prozent geschrumpft.
  • In China meldeten die Behörden am Freitag die höchsten Infektionszahlen seit März, es gab 127 neue Fälle. In den USA und in Brasilien steigen die Zahlen weiterhin stark.
  • Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) erklärte am Freitag, dass die geplante Corona-Ampel für vergleichbare Sport- und Kulturevents regional unterschiedliche Zuschauerzahlen bringen könnte. Die noch vor dem Sommer festgelegten Höchstzahlen ab September sollen halten.
  • Im Streit um das US-Corona-Hilfspaket zwischen Demokraten und Republikanern ist weiterhin keine Einigung in Sicht. Für Diskussionen sorgen Arbeitslosenzuschüsse und Mieterschutz.
  • Zwei Wochen nach ihrer Einführung ist die Maskenpflicht in der Kärntner Bezirksstadt Wolfsberg nun wieder aufgehoben worden.
  • Freiwillige Corona-Tests bei der Anreise nach Deutschland starten am Samstag.

Gesundheitsminister Anschober zu 175 Neuinfektionen: "Der Babyelefant lebt"

175 Neuerkrankungen mit dem Coronavirus sind am Freitag (Stand 9.30 Uhr) in den vergangenen 24 Stunden in Österreich hinzugekommen. Das ist der höchste Wert seit mehreren Wochen. "Das ist hoch, vergleichsweise", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) dazu bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die Bundeshauptstadt und Oberösterreich verzeichnen die meisten Infektionen. 130 Personen sind neu genesen, der Reproduktionsfaktor sei stabil. Positiv sei zudem, dass Österreich so viel teste wie noch nie: 890.000 Tests wurden bereits durchgeführt. Mit den Tourismus-Tests und den großen Screenings setze man dabei Schwerpunkte – unabhängig davon, ob es Symptome gebe oder nicht. Das erkläre auch, warum es einen so großen Anteil an asymptomatischen Fällen in Österreich gebe.

Ein Phänomen zeige sich beim Altersdurchschnitt der Infizierten. Inzwischen seien nicht mehr besonders viele ältere Menschen betroffen, sondern mehr junge Menschen. Anschober appellierte daher daran, weiterhin den Mindestabstand einzuhalten: "Der Babyelefant lebt. Der Mindestabstand tut uns gut." Deswegen müsse man den Abstand zu anderen wieder automatisieren. Auch der Mund-Nasen-Schutz habe eine wesentliche Bedeutung zur Eindämmung des Coronavirus und sollte konsequent getragen werden, riet der Gesundheitsminister.

Infizierte Velden-Urlauberin löste Info-Flut an 750 Personen aus

Nachdem am Donnerstag bekannt geworden ist, dass eine Vorarlbergerin nach ihrer Rückkehr vom Urlaub in Velden am Wörthersee positiv auf Covid-19 getestet worden war, verständigen die Kärntner Behörden nun per Post 750 Personen, die am vergangenen Samstag, 25. Juli, im Casino Velden waren. Wie der Landespressedienst betonte, handle es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Bei jenen Personen, zu denen die Urlauberin engeren Kontakt hatte, wurde bereits ein Test gemacht, sie befinden sich in Quarantäne. Unter ihnen waren auch fünf Mitarbeiter und ein Gast im Casino. Für die übrigen Personen zählt: Wer in der Zeit von 20.00 bis 22.00 im Casino war, hat nun die Möglichkeit, sich kostenlos testen zu lassen, was über die Hotline 1450 vereinbart werden kann. Im Casino Velden wurden bereits alle Mitarbeiter, die am 25. Juli im Dienst waren, getestet. In den kommenden Tagen folgen alle anderen Bedienstete. Wo sich die Vorarlbergerin angesteckt hat, war nach wie vor unklar.

Einreise nur mit negativem Corona-Test für Stadtrat Hacker denkbar

Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat sich am Freitag im Ö1-"Morgenjournal" für strenge Grenzkontrollen ausgesprochen. Wenn man die Versprechen der Regierung ernst nehme und umsetzen wolle, dürfe künftig niemand ohne negativen Corona-Test in Österreich einreisen, meint Hacker. Diese Tests sollen nach dem Vorbild Deutschlands kostenlos allen Rückkehrern, unabhängig von ihrer Nationalität und ob sie aus Ländern mit Reisewarnung kommen, zur Verfügung stehen. "Damit soll die Qualität der Tests gewährleistet sein, die wir in Österreich gewohnt sind." Denn dies sie bei von Einreisenden mitgebrachten Tests oft nicht der Fall, auch die auszufüllenden Quarantäne-Erklärungen seien teils völlig unleserlich. Gesundheitsminister Anschober steht diesem Vorschlag nicht völlig negativ gegenüber, setzt allerdings auf andere Methoden.

Seit Donnerstag gelten neue Einreisebestimmungen für Österreicher sowie für Personen mit Wohnsitz in Österreich, die sich schon vor der Kundmachung der Verordnung im Ausland befunden hatten. Demnach ist für die Rückkehr nach Österreich aus Corona-Risikogebieten verpflichtend ein negativer PCR-Test notwendig. Liegt ein solcher bei der Einreise nicht vor, müssen die Betroffenen in zehntägige Heimquarantäne und den Test innerhalb von 48 Stunden nachholen. Drittstaatsangehörige, die über ein Schengen-Land einreisen, müssen auch mit einem negativen Testergebnis verpflichtend in Quarantäne.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat Fehler im Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen eingestanden. Nun soll das zugrundeliegende Gesetz überarbeitet und eine Corona-Ampel eingeführt werden.
ORF

Landeverbote für Flugzeuge aus 18 Ländern aufgehoben

Zeitgleich sind die bisher geltenden Landeverbote für Flugzeuge aus 18 Ländern, darunter etwa China, das Vereinigte Königreich, Weißrussland (Belarus), Portugal und Schweden, mit Freitag ausgelaufen.

Seit 16. Juli galten für Albanien, Bosnien-Herzegowina, den Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro, Serbien, Bulgarien, Rumänien, die Republik Moldau sowie Ägypten Landeverbote. Schon davor waren Großbritannien, Schweden, Portugal, Russland, Weißrussland (Belarus), die Ukraine, China und der Iran auf die Verbotsliste gesetzt worden.

Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus rät das Außenministerium weiterhin "dringend von allen nicht notwendigen Reisen, insbesondere von allen Urlaubsreisen" ab, wie es auf der Website heißt. Reisewarnungen gibt es derzeit für 31 Staaten.

Drastischer Konjunktureinbruch in der Eurozone

In der Eurozone hat die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wegen der Corona-Krise den stärksten Einbruch seit 25 Jahren erlitten. In den Monaten April bis Juni sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im gemeinsamen Währungsraum im Quartalsvergleich um 12,1 Prozent geschrumpft, teilte die Statistikbehörde Eurostat am Freitag nach einer ersten Schätzung mit.

Dies ist das stärkste Minus seit Beginn der Erhebung 1995. Der Einbruch folgte auf einen bereits deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal. In den Monaten Jänner bis März war das BIP im Währungsraum um 3,6 Prozent geschrumpft. Seit März leidet die Wirtschaft unter Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Nachdem die Krise im April ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte, haben die Staaten der Eurozone seit Mai mit Lockerungen ihrer Corona-Maßnahmen begonnen.

Den bisher stärksten Konjunktureinbruch in Europa meldet Spanien. Im zweiten Quartal schrumpfte die spanische Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um 18,5 Prozent. In Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, schrumpfte die Wirtschaft um 13,8 Prozent, in Italien um 12,4 Prozent.

Höchster Wert an Neuinfektionen in China seit März

In China haben die Behörden am Freitag 127 neue Coronavirus-Fälle gemeldet. Das ist der höchste Wert seit dem 5. März. 112 dieser Fälle werden in der nordwestlichen Region Xinjiang registriert, teilen die Gesundheitsbehörden mit.

In den USA und in Brasilien steigen die Zahl der Infizierten indes weiter stark. Einer Reuters-Umfrage zufolge wurden in den USA am Donnerstag 67.783 Infektionen bestätigt, womit die Gesamtzahl der Fälle 4,51 Millionen beträgt. 1.183 Menschen starben zudem am Donnerstag nach einer Ansteckung. Die Zahl der Corona-Todesfälle wuchs somit auf 152.383.

In Brasilien registrieren die Behörden 57.837 neue Coronavirus-Fälle. In den vergangenen 24 Stunden seien zudem 1.129 Menschen an der Infektion gestorben, teilte das Gesundheitsministerium mit. In Brasilien haben sich über 2,6 Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt, mehr als 91.000 sind der Infektion erlegen.

Corona-Ampel entscheidet über Zuschauerzahlen bei Sport- und Kulturevents

Das ab September geplante Ampelsystem zur Eindämmung des Coronavirus könnte für vergleichbare Sportveranstaltungen regional unterschiedliche Zuschauerzahlen bedeuten. Mit dem geplanten Ampelsystem sollen nach Bezirken differenziert je nach Fallzahlen, Spitalskapazitäten, Clusteranalysen und Anteil der positiven Tests in vier verschiedenen Ampelfarben Maßnahmen verordnet werden. Das soll auch für den Sport- wie den Kulturbereich gelten, erklärte Sportminister und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) im APA-Interview.

Trotz der derzeit steigenden Zahlen geht der Sportminister davon aus, dass die vor einiger Zeit festgelegte Zahl von maximal 5.000 Zuschauern in Hallen und 10.000 im Freien ab September halten werde. Die 10.000 Besucher seien eine absolute Obergrenze. Wichtig ist Kogler dabei vor allem die Einhaltung der Abstandsregel, wobei er davon ausgeht, dass die gesetzlichen Bestimmungen dazu bald wieder repariert sein werden.

Veranstalter müssten zudem Konzepte vorlegen, die von den Behörden abgenommen werden. Dabei werde nicht zwischen Sportarten unterschieden. Es komme vielmehr darauf an, wie groß und mit wie vielen Sitzplätzen die Zuschauerbereiche der Sportstätten ausgestattet sind.

Keine Einigung im Streit über US-Corona-Hilfspaket in Sicht

Unmittelbar vor dem Auslaufen von Corona-Zuschüssen für Millionen amerikanischer Arbeitsloser zeichnet sich im US-Kongress keine Einigung über ein neues Hilfspaket ab. Republikaner und Demokraten warfen sich am Donnerstag gegenseitig vor, eine Lösung des Streits zu blockieren. Die Zeit drängt, denn diesen Freitag läuft die Zahlung eines Zuschusses in Höhe von 600 Dollar pro Woche aus, von dem Amerikaner profitieren, die im Zuge der Corona-Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren.

Der Senat vertagte sich auf das Wochenende und will auch am Montag zusammentreten, um eine Lösung in dem Streit zu finden. US-Präsident Donald Trump sagte bei einer Pressekonferenz, er wolle den Kündigungsschutz für Mieter verlängern, die ihren Job wegen der Seuche verloren hätten. Dies wollen zwar auch die oppositionellen Demokraten, allerdings bestehen sie darauf, den Mieterschutz und die Corona-Arbeitslosenhilfe in einem Paket zu verabschieden. Die Republikaner wollen statt drei Billionen aber nur eine Billion Dollar für das Hilfspaket bewilligen.

Ab Samstag: Freiwillige Teste bei Einreise nach Deutschland

Ab Samstag kann jeder, der aus dem Ausland nach Deutschland einreist, innerhalb von 72 Stunden beim Gesundheitsamt oder einem Arzt einen kostenlosen Corona-Test machen. Eine entsprechende Verordnung hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterzeichnet, wie sein Ministerium am Freitag mitteilte. Sie tritt am Samstag in Kraft.

Mit einer weiteren Anordnung wird Spahn Einreisende aus Risikogebieten dazu verpflichten, sich auf Aufforderung durch die zuständigen Behörden testen zu lassen. Diese Anordnung befindet sich in Abstimmung mit den Ländern und soll voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche in Kraft treten.

Wegen der stark steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Spanien warnt das deutsche Auswärtige Amt nun vor touristischen Reisen in drei Regionen des beliebtesten Urlaubslands der Deutschen.

Betroffen von der formellen Reisewarnung sind einer Mitteilung des Auswärtigen Amts vom Freitag zufolge Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie die westlich davon im Landesinneren liegenden Regionen Aragón und Navarra, nicht aber Mallorca und auch nicht die Kanaren. (red, APA, Reuters, 31.7.2020)